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Das sagen Rainer Liebisch, Joachim und Cornelia Müssig, Hildegard Eikmeier, Gaby Liebisch und Günter Eikmeier (v. l.) über das Treiben an der Ems-Erlebniswelt. Das Gelände grenzt an ihre Gärten, und für sie ist der Lärmpegel mit dem eines Freibads vergleichbar. Im Hintergrund haben sich Eltern mit ihren Kindern auf dem Rasen niedergelassen, deren Fläche durch eine Blumenwiese eingeschränkt worden ist.
Das sagen Rainer Liebisch, Joachim und Cornelia Müssig, Hildegard Eikmeier, Gaby Liebisch und Günter Eikmeier (v. l.) über das Treiben an der Ems-Erlebniswelt. Das Gelände grenzt an ihre Gärten, und für sie ist der Lärmpegel mit dem eines Freibads vergleichbar. Im Hintergrund haben sich Eltern mit ihren Kindern auf dem Rasen niedergelassen, deren Fläche durch eine Blumenwiese eingeschränkt worden ist.

Schloß Holte-Stukenbrock Anwohner schlagen Alarm

Nachbarn der Ems-Erlebniswelt kritisieren wiederholt ausufernde Nutzung

VON BIRGIT GUHLKE (TEXT UND FOTOS)
08.08.2013 | Stand 06.08.2013, 21:32 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Geduld der Hauseigentümer am Barbaraweg ist zu Ende. Ihre Forderungen werden deutlicher: "Das Wasser muss weg!" und "Der Badebetrieb muss aufhören!" Weil sich am Ende ihrer Gärten in dieser sonnigen Zeit etwas abspielt, was so nicht geplant war: Die Ems-Erlebniswelt hat sich nach ihren Beobachtungen zu einem "Freibad für Arme" entwickelt. Geschrei, Getobe und Lärm inklusive. Die Stadt wiegelt ab, verweist darauf, dass alles getan werde, um die Wünsche der Anwohner zu berücksichtigen.

Joachim Müssig und seine Frau Cornelia, Gaby und Rainer Liebisch sitzen bei ihren Nachbarn Hildegard und Günter Eikmeier auf der Terrasse. Laut und vernehmlich ist dort zu hören, was sich jenseits der Hecke am Ende des Gartens abspielt. Kinder kreischen, Mütter rufen, Wasser plätschert, eine Pumpe klopft. Das habe nichts mit dem zu tun, was die Stadt seinerzeit als Ems-Erlebniswelt geplant habe. "Sanfter Tourismus sollte das ja werden", sagt Rainer Liebisch und die Ironie kann er nicht verhehlen.

Information

Die Regeln für die Erlebniswelt

Zur Ems-Erlebniswelt gehören das alte Pfarrhaus mit Ausstellung, ein Erlebnisparcours und der Garten. Ein Schild direkt am Eingang informiert über die Öffnungszeiten des Gebäudes, dienstags bis freitags von 15 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr. Das Gelände selbst ist jeweils eine Stunde früher sowie eine Stunde länger zugänglich – das gilt somit auch für die Wasserspiele.

Verboten sind Radfahren, Grillen, lautes Musikhören, Fußballspielen und Schwimmen. Mittagsruhe herrscht von 13 bis 15 Uhr. Für die Anwohner ist vor allem die Sache mit dem Baden eine Farce. Kinder gehen ihren Beobachtungen nach doch ins Wasser – und nicht nur mit den Füßen. (big)

Die Neue Westfälische hat vor fast einem Jahr bereits über die Probleme der Anwohner mit der Ems-Erlebniswelt berichtet. Seinerzeit erzählten sie davon, dass Besucher des Gartens, in dem der Weg der Ems von der Quelle bis zur Nordsee nachgestellt wird, die Anlage eben nicht nur besichtigen und sich mal ein halbes Stündchen dort aufhalten. Vor allem am Wochenende breiten Eltern ihre Decken aus, picknicken, lassen die Kinder im Wasser spielen, planschen. Baden ist dort verboten – mehrere Schilder weisen darauf hin, am Eingang hängt eines mit Benutzerregeln und dem Hinweis, auf die Nachbarn bitte Rücksicht zu nehmen.

Auch dass Kinder dort nicht nackt über das Gelände laufen sollen, gehört zu den Regeln. Ehrenamtliche Helfer führen Aufsicht, ermahnen Eltern auch immer wieder – und "ernten dafür auch schon mal einen bösen Blick", wie Sabine Langer vom Stadtmarketing sagt. Sie kennt die Kritik der Anwohner, betont aber auch, dass es erst im März noch ein Gespräch gegeben habe, bei dem aufgelistet worden sei, "was wir ändern können und sollten".

Demnach sei das Fußballspielen dort verboten worden. Die Stadt habe eine Blumenwiese ausgesät, die das Ballspiel unmöglich machen sowie den Platz als Liegewiese einschränken sollte. Die Emsquellen sprudelten nicht mehr während der Mittagszeit, die Betreuer sind angewiesen, auch mal um mehr Ruhe zu bitten, die Zahl der Gruppenführungen am Wochenende sei eingeschränkt worden. "Wir sind permanent dabei, es den Anwohnern recht zu machen", sagt Sabine Langer. Auch die Öffnungszeiten waren reduziert worden. Dabei habe es bereits Anfragen gegeben, sie eher auszuweiten.

Jüngst war eine Lärmschutzwand im Gespräch. Für Rainer Liebisch ist das eine Option, für andere nicht. Wenngleich er glaubt, dass sie sehr teuer werden würde, sollte sie ihren Zweck erfüllen können. Er bezweifelt, dass "die Stadt dafür Geld hat". Wie bereits im vergangenen Jahr betonen Joachim Müssig und seine Mitstreiter, dass sie nichts gegen Kinder und auch nichts gegen Kinderlärm haben. "Wo Wasser ist, da sind nun mal auch Kinder", sagt Gaby Liebisch. Und Joachim Müssig ergänzt: "Den Kindern kann man keinen Vorwurf machen." Erste Planungen aber hätten eben nicht diese Wasserspiele vorgesehen, sondern nur einen Barfußlaufpfad. Was sich nun dort entwickelt habe, könne man kaum wieder eindämmen. Müttergruppen treffen sich dort, lassen ihre Kinder spielen. "Die Mütter kümmern sich nicht um die Kinder, die sitzen da nur zum Quatschen", sagt Gaby Liebisch. Es gebe immer wieder Besucher, die am Eingang wieder umkehren, weil ihnen dort zu viel Trubel sei.

Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner ist die teils verfahrene Situation, wenn Besucher aus der Region einen Parkplatz in dem Wohngebiet suchen. Die Plätze direkt am Pfarrhaus sind begrenzt, viele weichen in die Anliegerstraßen aus. "Da kommt dann kein Notarztwagen durch", sagt Hildegard Eikmeier – und sorgt sich bereits jetzt, was ist, wenn mal ein Notfall eintritt.

Für den städtischen Beigeordneten Bernd Gebauer ist es "ein Spannungsfeld". Aber, so sagt er, "man kann es nicht auf Null fahren". Die Anwohner erwägen weiterhin eine Klage. Wegen der Belästigung und einer möglichen Wertminderung ihrer Häuser. Bernd Gebauer: "Das Recht dazu hat jeder", dann herrsche möglicherweise auch mal Klarheit. "Alles, was wir tun können, tun wir." Für die Anwohner wäre das: den Wasserbereich zuzuschütten.

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