Gerhard Brink versucht beim Traktor-Pulling das Letzte aus seinem Gefährt rauszuholen. Die Hinterräder schaufeln sich bereits in den sandigen Acker, die Vorderräder haben vom Boden abgehoben. - © FOTOS: SEBASTIAN GETHKE
Gerhard Brink versucht beim Traktor-Pulling das Letzte aus seinem Gefährt rauszuholen. Die Hinterräder schaufeln sich bereits in den sandigen Acker, die Vorderräder haben vom Boden abgehoben. | © FOTOS: SEBASTIAN GETHKE

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK Geimpft mit dem Traktor-Gen

Mehr als 600 begeisterte Besucher beim 16. Treckertreff

VON SEBASTIAN GETHKE

Schloß Holte-Stukenbrock. "Der Trecker ist ihm heilig", sagt Beate Niendorf über ihren vierjährigen Sohn Hermann. Der hat auf dem Schoß von Gerhard Brink Platz genommen und darf dessen roten Landwirtschafts-Boliden um ein paar Kurven lenken. Dabei strahlt der kleine und überglückliche Hermann vor Freude und es ist klar: Hier ist jemand mit dem Trecker-Virus infiziert.

Damit befindet sich Hermann in bester Gesellschaft. Beim 16. Trecker-Treff des Treckerclubs Tölkenkamp tummeln sich mehr als 600 Traktorfans auf einem Feld des Hofs von Hubert Westermeier. Gut 200 Traktoren gibt es zu bestaunen, von antiquiert wirkenden Maschinen aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, bis zu hochmodernen Hightech-Geräten.

"Wir haben heute einen Trecker der Marke ,John Deere‘ hier, von dem es in ganz Deutschland bisher nur 10 Prototypen gibt. Da sind wir sehr stolz drauf", verrät Mike Altemeier vom Treckerclub Tölkenkamp. Einige Besucher lassen sich davon allerdings kaum beeindrucken. "Uns interessieren nur die alten Traktoren. Die haben eine Seele", sagt Peter Schlangenotto von den Treckerfreunden Verl-Sürenheide. Seine Vereinskollegen Gregor Pollmeier und Sven Pankoke, allesamt leicht zu erkennen an ledernen Cowboyhüten mit breiter Krempe ("Das ist unsere Kluft") stimmen kopfnickend zu. "Da kann man noch richtig dran rumschrauben. Und ,Klimaanlage‘ bedeutet bei den alten Schätzchen einfach ohne Dach zu fahren."

Das unumstritten größte Interesse gilt aber dem Traktor-Pulling. Bei dem von Mike Altemeier moderierten Wettbewerb gilt es einen Bremswagen durch geschicktes Fahren möglichst weit auf einer vorgegebenen Strecke zu ziehen. Dabei wird der Widerstand des Bremswagens mit jedem zurückgelegten Meter höher und die Aufgabe so zunehmend schwieriger. Die Traktorfahrer treten in unterschiedlichen PS-Klassen an, die drei erfolgreichsten jeder Klasse werden mit Pokalen und Medaillen geehrt.

Darum geben die Treckerpiloten ihr bestes, oft graben sich dabei die mächtigen Hinterräder tief in den sandigen Acker, während die Vorderreifen bereits vom Boden abheben. Bei knatternden Motoren und in der Luft hängendem Dieselgeruch werden Lokalmatadore wie Gerhard Brink vom begeisterten Publikum tatkräftig angefeuert. "Hauptsächlich geht es dabei aber um den Spaß", sagt Brink nach seinem Versuch, der in diesem Jahr allerdings auch nicht besonders erfolgreich verlaufen ist.

Der Wettbewerb steht Männern und Frauen, jung und alt gleichermaßen offen. Und auch wenn die männlichen Teilnehmer klar in der Überzahl sind, so lässt gerade in einer der PS-stärksten Klassen bis 120 PS Fahrerin Maria Henkemeier ihre männlichen Kollegen chancenlos hinter sich.

Woher die Begeisterung für die großen Landwirtschaftsmaschinen kommt, da sind sich die meisten Traktor-Fans einig. "Damit bin ich als Baby schon geimpft worden", sagt der Verler Treckerfreund Gregor Pollmeier, und Mike Altemeier behauptet: "Ich konnte Trecker fahren, bevor ich überhaupt laufen konnte." Und auch für Gerhard Brink, der immer noch mit dem kleinen Hermann Niendorf seine Kreise auf dem Acker dreht und die Trecker-Leidenschaft so direkt in die kommende Generation trägt, ist die Antwort einfach: "Wir sind hier ja auf dem Land, da ist das ganz natürlich."

Für Mutter Beate Niendorf bedeutet das aber vor allem ein paar weitere Minuten Ruhe und Entspannung, während der Sohnemann beschäftigt ist. "Er liebt es damit herumzufahren", sagt Niendorf, "der beste Babysitter ist einfach ein Bauer mit einem Traktor."

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