0
Luca Nibberich (6; links) und Paul Denning (6) bewundern die großen Figuren von Oliver Hardy und Stan Laurel, die als Komikerduo weltberühmt wurden. Die Figuren sind das einzige Überbleibsel des "Hollywoodparks". Damals trugen sie noch schwarze Anzüge. Im heutigen Safaripark tragen die vor einem Jahr restaurierten Figuren die passende Kleidung. - © FOTO: MIRIAM SCHARLIBBE
Luca Nibberich (6; links) und Paul Denning (6) bewundern die großen Figuren von Oliver Hardy und Stan Laurel, die als Komikerduo weltberühmt wurden. Die Figuren sind das einzige Überbleibsel des "Hollywoodparks". Damals trugen sie noch schwarze Anzüge. Im heutigen Safaripark tragen die vor einem Jahr restaurierten Figuren die passende Kleidung. | © FOTO: MIRIAM SCHARLIBBE

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK 100 Jahre Traumfabrik

. . . und was das mit Schloß Holte-Stukenbrock zu tun hat

VON MIRIAM SCHARLIBBE
26.10.2011 | Stand 25.10.2011, 21:19 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Die perfekte Liebe, die schnelle Karriere und unbeschreiblicher Erfolg – im Film ist alles möglich. Berühmte Schauspieler und perfekte Kulissen erschaffen seit einem Jahrhundert Traumwelten auf den Leinwänden dieser Welt. Doch so hart, wie die Realität ist, so erbarmungslos musste sich auch die Traumfabrik Hollywood anpassen. Und im Zeitalter von 3D haben es indes kleine Kinos wie das Rhythmus-Filmtheater immer schwerer.

"Hollywood zeigt das, was normale Menschen nicht erleben. Jeder Zuschauer kann sich in diese kreierten Welten hineinträumen. Aber am Ende bleiben es doch Träume", sagt Horst Rademacher. Der 69-Jährige muss es wissen. Lange Jahre war er Geschäftsführer bei der Twentieth Century-Fox Film Corporation. Inzwischen sucht er für den Filmtheater-Verbund seines guten Freundes Frank Becker das Kinoprogramm aus. Zu den belieferten Kinos gehört auch das Filmtheater in der Realschule Schloß Holte-Stukenbrock. "Mein absoluter Lieblingsfilm ist ’Der unsichtbare Dritte’ mit Cary Grant", sagt Becker.

Ein harmloser Werbefachmann (Cary Grant) wird in Geheimdienstintrigen verwickelt und flüchtet quer durch die USA. Das Foto zeigt eine Schlüsselszene.
Ein harmloser Werbefachmann (Cary Grant) wird in Geheimdienstintrigen verwickelt und flüchtet quer durch die USA. Das Foto zeigt eine Schlüsselszene.

Der Vorsitzende des Kinovereins, der das "Rhythmus" betreibt, Frank Röllke, legt Wert auf Filme mit Hintergrund. Der Hitchcockfan liebt "Die Commitments", den Musikfilm von Regisseur Alan Parker. Die Besucher seines Filmtheaters schätzen die ungewöhnliche Auswahl der Filme. Von dem neuen Trend der Digitalisierung und dem 3D-Kino fühlt er sich noch nicht bedroht. "Natürlich ist das eine ernstzunehmende Entwicklung, aber das Beste, was ich bisher in 3D gesehen habe, war die Haribo-Werbung. Das Gummibärchen war direkt neben mir", sagt Röllke. "Ich habe noch Hoffnung für das klassische Kino."

Auch Rademacher ist überzeugt, dass nicht jeder Kinogänger von 3D begeistert ist. "Viele fühlen sich erschlagen", sagt der Fachmann. "Aber letztendlich fiebern die Zuschauer mit den Darstellern mit, egal, in welchem Format." Der Charme Hollywoods und der großen Produktionen bleibe sowieso bestehen.

Mark-Hermann Wiesemann, Techniker beim Rhythmu-Filmtheater, legt den Streifen "Don Juan de Marco" ein. - © FOTO: MIRIAM SCHARLIBBE
Mark-Hermann Wiesemann, Techniker beim Rhythmu-Filmtheater, legt den Streifen "Don Juan de Marco" ein. | © FOTO: MIRIAM SCHARLIBBE

Vor genau 100 Jahren hatte der Aufstieg der Traumfabrik in den Bergen von Los Angeles begonnen. 1911 eröffnete David Horsley dort das erste Filmstudio der Nestor Company. Heute ist der Stadtteil das Zentrum der US-amerikanischen Filmindustrie.

Auch Schloß Holte-Stukenbrock hatte sein ganz persönliches Hollywood-Flair. Bis vor wenigen Monaten prangte sogar noch der Hollywood-Schriftzug auf einer Wiese unweit der Autobahn. Doch seit Saisonbeginn im vergangenen April hat der Zoo Safaripark Stukenbrock den Namenszusatz "Hollywood" abgelegt. "Das war einfach zu lang, und wir haben uns an unsere Anfänge als Safariland erinnert", sagt Parksprecherin Susanna Stubbe.

1969 als Safaripark eröffnet wurde er zehn Jahre später in Hollywood- und Safaripark umbenannt. "Damals hatten wir schon den Zirkus, das Hollywood-Theater, die Westernshow und immer mehr Fahrgeschäfte. Da wollte man dem Kind einen Namen geben", sagt Stubbe. "Hollywood stand für Unterhaltung und Spaß, ohne sich zu sehr auf ein Thema festzulegen. Hollywoodfilme haben ja auch ganz verschiedene Themen wie Western oder Magie."

Jetzt soll sich das Motto "Afrika" an vielen Stellen im Park verstärkt wiederfinden. Das Hollywood- wurde zum Afrika-Theater. Die Boote der Wasserbahn, der Zug der Achterbahn und der Haupteingang wurden umgestaltet. Nur die alten Dick und Doof-Figuren zwischen der Flying-Looping-Bahn und dem Theater dürfen stehen bleiben – allerdings wurden die schwarzen Fracks durch Safarikleidung ersetzt.

Der Rhythmus-Kinoverein sucht neue Mitglieder und Unterstützer. Infos bei Frank Röllke, Tel. (0 52 07) 92 05 46.

Jetzt weiterlesen?

Webabo abschließen und 1. Monat gratis lesen

9,90€/Monat
  • Alle Artikel frei
  • Flexibel monatlich kündbar

Jahresabo abschließen und dauerhaft sparen

99€/Jahr
  • Alle Artikel frei
  • 19,80€ im Jahresabo sparen

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group