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Soll erhalten bleiben: Die Lagerkirche hat einen festen Platz in der Gedenkstätte Stalag 326. - © Rainer Tienes
Soll erhalten bleiben: Die Lagerkirche hat einen festen Platz in der Gedenkstätte Stalag 326. | © Rainer Tienes

Gedenkstätte als Bildungsort

Stalag 326: Der Steuerungsgruppe und der Politik sind Möglichkeiten aufgezeigt worden, wie die Gedenkstätte sich entwickeln könnte. Auch der Förderverein hat einige Ansprüche. Es folgt jetzt die Machbarkeitsstudie

Gunter Held
01.06.2019 | Stand 02.06.2019, 13:28 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Mitglieder des Fördervereins der Gedenkstätte Stalag 326 haben gekämpft. Jahrelang. Immer hieß es von allen Seiten, wie wertvoll die Arbeit des Fördervereins war. Doch mit finanzieller Unterstützung taten sich alle schwer. Der Kampf ums Geld war ständig präsent. Schließlich rangen sich Schloß Holte-Stukenbrock und der Kreis Gütersloh dazu durch, die finanzielle Unterstützung so weit anzuheben, dass ein Geschäftsführer eingestellt werden konnte. Die Wende kam, als der damalige Bundespräsident Joachim Gauck im Jahr 2015 den sowjetischen Ehrenfriedhof besuchte. Plötzlich war allen die Bedeutung der Gedenkstätte klar. Den Stein so richtig ins Rollen aber brachte Landtagspräsident André Kuper, als er eine Steuerungs- und Lenkungsgruppe initiierte. Kürzlich wurde eine von der Technischen Hochschule OWL aus Detmold angefertigte Variantenuntersuchung der Politik vorgestellt, die dort auf große Zustimmung stieß. Von Politikern und Mitgliedern der Steuerungsgruppe wird immer wieder die Wichtigkeit des Fördervereins hervorgehoben. „Wenn es den Förderverein nicht gebe, man müsste ihn gründen", sagte André Kuper. Und weiter: „Wir sind auf das ehrenamtliche Engagement angewiesen." Doch was denkt man im Förderverein über Vorstellungen von Besucherzahlen jenseits der 10.000? Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte ist da vorsichtig. „In den vergangenen Jahren hatten wir 3.000 Besucher pro Jahr. Das ist schon eine Menge." Das größte Hindernis für Besucher, sagt Nickel, sei die Lage der Gedenkstätte auf dem Gelände der Polizeischule. Besucher müssen ihren Ausweis abgeben und vom Eingang abgeholt werden. Das zu ändern, ist allgemeiner Konsens. »Wir wollen sachlich informieren« Bei der Maximallösung wird das gesamte Gelände in Nord-Süd-Richtung geteilt. Dort, wo sich jetzt der Eingang befindet, wird der Haupteingang für die Gedenkstätte sein. Der Zugang zur Polizeischule würde an den Emsweg verlegt werden. „Das wäre die große Lösung", sagt Nickel. Natürlich müsse alles auf Machbarkeit hin untersucht werden, aber diese Studie soll demnächst in Auftrag gegeben werden. „Wichtig für uns als Förderverein ist, dass die drei vorhandenen Gebäude, die Entlausungsstation, die Arrestbaracke in der sich jetzt die Ausstellung befindet und die Funktionsbaracke des Sozialwerks mit in neue Konzepte eingebunden werden." Das halten auch andere Mitglieder der Steuerungsgruppe für unabdingbar. André Kuper sagt: „Der große Vorteil, den wir mit dieser Gedenkstätte haben, ist, dass es von allen Zeitabschnitten noch authentische Gebäude gibt: Aus der Zeit des Stalag ebenso wie aus der Zeit als Internierungslager und weiter als Sozialwerk bis hin zur heutigen Funktion der Polizeischule. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für diese Gedenkstätte." Dass solche Sätze Balsam für die Seele des Fördervereins sind, ist klar. Nickel stellt aber auch heraus, dass der Förderverein die Gedenkstätte nicht in erster Linie als Museum, sondern als Bildungsort betrachtet. „Wir haben das sehr deutlich gemacht und ich glaube, dass diese Botschaft auch angekommen ist", sagt Nickel. Es sei nicht unbedingt eine Ausstellung notwendig, wohl aber Räume für die pädagogische Arbeit und entsprechendes Personal. „Gedenkstättenpädagogik ist anders als Museumspädagogik", sagt er. So zeige er schon lange keine schockierenden Bilder mehr. "Wir wollen keine Emotionen wecken" „Wir wollen keine Emotionen wecken, sondern sachlich informieren – aber an Originalschauplätzen wie der Entlausungsstation, durch die fast alle Gefangenen hindurch mussten. „Da sagen viele der 14, 15 Jahre alten Schüler, dass der Raum etwas mit ihnen machen würde, auch wenn sie das nicht genau benennen könnten. Und da fließen auch schon mal Tränen – obwohl wir auf schockierende Bilder verzichten." Was bei den Schülern ebenfalls gut ankommt ist, wenn sie Exponate berühren dürfen – natürlich mit Handschuhen. „Das haptische Erfassen der Geschichte löst viel aus", sagt Nickel. Nach Vorstellungen des Fördervereins soll die Gedenkstätte ein lebendiger Ort der Geschichte werden mit Sonderausstellungen, Tagungen, Vorträgen und Seminaren. Dass der Förderverein weiterhin gebraucht wird, davon ist Nickel überzeugt. So sei zum Beispiel die Betreuung von Nachkommen der Gefangenen ein zentrales Thema. „Die kommen nicht nur für ein paar Stunden hierher. Viele bleiben einige Tage. Man muss sich um diese Menschen kümmern und oft auch Trost spenden. Das machen die Ehrenamtlichen des Fördervereins gerne und gut.

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