Vertrauter Platz: Gerhard Muckermanns Schreibtisch ist von seinem Büro in das Wohnhaus gewandert. Einige Utensilien gehören nach wie vor dazu. Unter anderem ist, aus Nostalgiegründen, ein altes Telefon mit Wählscheibe zu sehen. - © Karin Prignitz
Vertrauter Platz: Gerhard Muckermanns Schreibtisch ist von seinem Büro in das Wohnhaus gewandert. Einige Utensilien gehören nach wie vor dazu. Unter anderem ist, aus Nostalgiegründen, ein altes Telefon mit Wählscheibe zu sehen. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Vertrauter Platz mit ein wenig Nostalgie

Mein Schreibtisch: Sein handgefertigter Schreibtisch ist auch im Ruhestand ein treuer Begleiter von Rechtsanwalt und Notar a. D. Gerhard Muckermann

Karin Prignitz
16.05.2019 | Stand 15.05.2019, 18:38 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Ein neues Auto oder ein edler Schreibtisch mit allem Komfort, der ihn verlässlich durch das Berufsleben begleiten würde: Gerhard Muckermann musste sich vor 30 Jahren entscheiden. Er wählte den Schreibtisch. „Den habe ich mir gegönnt." Handgefertigt vom Fachmann. Maßgeschneidert für das Büro in seiner Anwaltskanzlei. Aus Kirschholz. Kein Alu oder Plastik in den Auszügen. „Alles aus Vollholz", betont der 70-Jährige. Als Muckermann in den Ruhestand wechselte, „musste ich mich von vielem trennen, der Schreibtisch aber und der EDV-Arbeitsplatz sind mitgekommen". Ein wenig eng ist es zwar im ehemaligen Arbeitszimmer seiner Frau, die als Lehrerin gearbeitet und den Raum zuvor genutzt hat, aber auf dem Schreibtisch mit seiner glatten Oberfläche und seinen geschickt platzierten Durchlässen für die Kabel findet sich all das, was der Rechtsanwalt und Notar a. D. noch benötigt. „Mit der Altersgrenze von 70 Jahren endet die Zulassung als Notar", nicht hingegen die als Advokat. Auch als solcher sei er aber nur noch „im Hintergrund für angestammte Mandanten tätig", betont Muckermann. In einem Aktenordner mit grünem Deckel findet sich die entsprechende Korrespondenz. Noch eine weitere Mappe – mit blauem Deckel – ist zu sehen. „Sie ist für die eingehende Post, die noch abgewickelt werden muss", erläutert Gerhard Muckermann. Und dann gibt es noch die rote Unterschriftenmappe. Aktenberge seien auch während der aktiven Zeit nicht auf seinem Schreibtisch zu finden gewesen. „Das habe ich von meinem ersten Chef gelernt." »Das Modell ist so alt wie ich, damit bin ich groß geworden« Das alte schwarze Telefon mit Wählscheibe und abnehmbarem Hörer, „ein Siemens W 48", steht nach wie vor aus Nostalgiegründen auf dem Schreibtisch. „Das Modell ist so alt wie ich, mit dem bin ich groß geworden." Und Enkel Theo (7), von dem ein Bild daneben steht, auf dem er mit seiner Schwester Martha (4) in die Kamera lächelt, hat den Opa schon gefragt: „Wie geht das" mit dem Wählen und mit dem in den Hörer sprechen? Als Gerhard Muckermann im April 1979 als junger Rechtsanwalt begonnen hat, war das die gängige Art des Telefonierens. Vieles hat sich seither verändert. „Im April durfte ich mein 40-jähriges Berufsjubiläum begehen." 38 Jahre davon wirkte Muckermann in seiner Kanzlei in Stukenbrock an der Holter Straße. In Essen hatte er zuvor sein Referendariat absolviert, hätte danach in dieser oder einer anderen größeren Stadt wirken können, zog aber bald zurück nach Ostwestfalen. 1981 machte er sich selbstständig. Auch deshalb, „weil ich hier viele Menschen kannte". Schulfreunde von einst, Unternehmer und andere. „Stukenbrock", daran erinnert sich der gebürtige Paderborner noch bestens, „war ein weißer Fleck auf der Landkarte der rechtsanwaltlichen Versorgung". Schwerpunkt war das Zivilrecht Ursprünglich habe SHS zum Amtsgerichtsbezirk Delbrück gehört, ehe die Gemeinde Bielefeld zugeordnet wurde. „Das war anfangs aber weder Richtern noch Staatsanwälten bekannt." Den Standort habe er nie bereut, betont Gerhard Muckermann. Auch, weil es viele Mandanten aus den umliegenden Städten zu ihm zog, „und es genügend Parkplätze gab". Als Anwalt hat Muckermann von Ehe- und Nachbarschafts- bis hin zu Mietstreitigkeiten „eigentlich alles gemacht". Nur die großen Strafsachen, die überließ er anderen. „Das war nie meine Spezialität." Schwerpunkt war das Zivilrecht, die Rechtsgestaltung und -beratung. Und seit 1991 die notarielle Tätigkeit. „Das habe ich in den letzten Jahren überwiegend gemacht." Bedarf und Routine waren da. Von der Familie, zu der eine Tochter gehört, die als Gynäkologin in Gütersloh arbeitet, hat Gerhard Muckermann nach und nach einen Hefter geschenkt bekommen, „der nie klemmt", Halter für Büroklammern und Tesafilm, einen Stempelhalter und andere nützliche Dinge. Alle silbern glänzend, alle aus der gleichen Serie. „Das hat ja nun ein Ende", stellt Muckermann nüchtern fest. Jetzt müssen andere Geschenkideen her. „Den ersten Stempel, den ich mir sofort zugelegt habe, war der mit Schloß Holte-Stukenbrock, damit ich dieses Bandwurmwort nicht immer schreiben musste." Seinen etwa 2,50 Meter breiten Schreibtisch, der ihn so treu begleitet hat, in das häusliche Arbeitszimmer zu bekommen, sei übrigens nicht einfach gewesen, erzählt Gerhard Muckermann. „Da waren ein paar Umbauten vom Tischler fällig." An diesem so besonderen Schreibtisch seien viele Freudensprünge vollführt worden, aber auch eine Menge Tränen geflossen. Das bringt der Beruf des Anwaltes mit sich, sagt Muckermann. Einen schöneren hätte er sich dennoch nie vorstellen können.

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