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Trauerfeier: Alle Plätze in der St.-Johannes-Baptist-Kirche in Stukenbrock sind besetzt, viele weitere Trauergäste nehmen im Stehen Abschied von Fritz Wurms. Sein mit roten Rosen und Herzen aus weißen Rosen geschmückter weißer Sarg steht in der Mitte. Pfarrer Wolfgang Bender (r.) und Zirkusseelsorger Sascha Ellinghaus (hinten l.) gestalten die Heilige Messe. Fotos: Mike-Dennis Müller - © 2019 Mike-Dennis Müller
Trauerfeier: Alle Plätze in der St.-Johannes-Baptist-Kirche in Stukenbrock sind besetzt, viele weitere Trauergäste nehmen im Stehen Abschied von Fritz Wurms. Sein mit roten Rosen und Herzen aus weißen Rosen geschmückter weißer Sarg steht in der Mitte. Pfarrer Wolfgang Bender (r.) und Zirkusseelsorger Sascha Ellinghaus (hinten l.) gestalten die Heilige Messe. Fotos: Mike-Dennis Müller | © 2019 Mike-Dennis Müller

Schloß Holte-Stukenbrock Abschied vom Gesicht des Safariparks

Trauerfeier: Mehr als 700 Wegbegleiter erweisen Fritz Wurms die letzte Ehre. Franz Althoff findet emotionale Worte. Eine Safariland-Fahne wird dem Sarg vorangetragen

Karin Prignitz
04.02.2019 | Stand 05.02.2019, 13:50 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Kränze stehen im halben Rund um die St.-Johannes-Baptist-Kirche in Stukenbrock. Die Schlange der Trauernden mag kaum ein Ende nehmen. Mehr als 700 Menschen haben Abschied von Fritz Wurms genommen, dem Mann, der das Gesicht, der Motor und der gute Geist des Safariparks gewesen ist. „Was ich hier sehe, das hätte meine Bruder mit Stolz erfüllt", sagt Ferdinand Wurms. „Dass Ihr alle hier seid, das tut gut und tröstet." Seinem Bruder rief er zu: „Fritz, Du hast ein volles Haus, auch die Notplätze sind besetzt." Fritz Wurms war in der Nacht zu Montag im Alter von 66 Jahren an Herzversagen gestorben. Dass so viele Weggefährten persönlich gekommen waren, sei „ein überwältigendes Zeichen" und zeige deutlich, „dass so viele um diesen außergewöhnlichen Menschen trauern", das hob auch Pfarrer Wolfgang Bender in seiner Trauerrede hervor. Zwar habe Fritz Wurms gesundheitliche Probleme gehabt, schon in den Wochen zuvor sei es ihm schlecht gegangen, „auf diese traurige Nachricht war dennoch niemand vorbereitet". "Du hast alles richtig gemacht" Um so schwerer ist dieser Tod zu fassen, vor allem für die Familie. Ganz bewusst sprach Wolfgang Bender Fritz Wurms Enkel Marcel an. „Du hast alles richtig gemacht, als Du versucht hast, Deinen Opa wiederzubeleben." Aber auch Arzt und Sanitäter hätten nicht mehr helfen können. Bender nahm Bezug auf die Worte, die die Familie in ihrer Traueranzeige gewählt hatte. „Du warst und bist unsere Wurzel, um zu leben, braucht sie jeder Baum. Du nährtest uns und du lehrtest uns. Ein Baum voller Liebe, Güte und Barmherzigkeit." Diese Wurzel sei nun nicht mehr da, sagte Bender. Doch Fritz Wurms habe frühzeitig geregelt, dass seine Nachkommen sein Lebenswerk, das er von den Eltern übernommen hatte, fortführen. Bender blickte auf das Leben von Fritz Wurms zurück. „Er war der Chef, der Macher, ein großer Gestalter und ein Botschafter über Deutschland hinaus." Seine Familie, seine Frau Elisabeth, Tochter Jeanette und Enkel Marcel seien ihm wichtig gewesen und das Leben mit den Tieren in der Senne. Wann immer es die Situation erforderte, sei Fritz Wurms „ein harter Hund gewesen, der Probleme anpackte und sie löste. Ganz nach dem Motto: Geht nicht gibt’s nicht". Wurms zeigte klare Kante und fand klare Worte. »Fritz Wurms war ein Patriarch im guten Sinne« Er konnte anpacken, sei aber auch ein sensibler Mensch mit weichem Kern in der harten Schale gewesen, hob Wolfgang Bender hervor. „Fritz Wurms war ein Patriarch im guten Sinne und für seine Mitarbeiter ein sozialer Chef." Niemals habe er sie als Menschen zweiter Klasse behandelt. Ganz im Gegenteil. „Familie, Park, Mitarbeiter, das war seine Reihenfolge." Menschen unterhalten zu können und sie zum Lachen zu bringen, „das gab ihm die Energie weiterzumachen". Auch ein religiöser Mensch sei Fritz Wurms gewesen, erinnerte sich Wolfgang Bender an viele tiefsinnige Gespräche „auch schon mal an der Theke". Unter den Gästen war Franz Althoff von der Zirkusdynastie Althoff, den eine lange Freundschaft mit Fritz Wurms verbunden hat. Althoff war aus der Schweiz angereist. Die Verbindungen des Parkchefs, der seine Familie, seinen Park und seine Freunde so früh verlassen musste, reichen weltweit. Franz Althoff fand sehr persönliche Worte über „das Leben mit Fritz". Schon bevor er ihn kennengelernt habe, hätten seine Eltern von Fritz Wurms geschwärmt, von diesem „richtig guten Typen", auf den er beinahe ein wenig eifersüchtig gewesen sei. „Ein drahtiger Typ mit frischer Narbe", das ist seine Erinnerung an den ersten Kontakt. Ein Haudegen sei er gewesen, aus dem nach dem Tod der Eltern „ein Geschäftsmann mit viel Gefühl" geworden sei. Nur einen Freund habe es gegeben, mit dem er über ernsthafte persönliche Dinge gesprochen habe, betonte Althoff, „da gab es nur ihn, und so wird er in meiner Erinnerung bleiben". Fritz Wurms Tochter Jeanette hatte eigens eine Safariland-Fahne hatte anfertigen lassen, mit der sie vorweg ging, als der mit roten Rosen und einem Herzen aus weißen Rosen geschmückte weiße Sarg mit dem langen Trauerzug Richtung Friedhof fuhr. Aus der Kirche getragen worden war er von Fritz Wurms Enkel, den Neffen und Mitarbeitern. Pfarrer Sascha Ellinghaus, der in der Manege des Zirkuszeltes im Safaripark schon so oft die Schaustellermesse gehalten hat, sprach am Grab das Schaustellergebet. Er hatte auch die Heilige Messe mitgestaltet. Im Anschluss an die Trauerfeier lud die Familie zu einem Kaffeetrinken in den Gasthof „Zur Post" ein. Jörg Grothaus und seine Mitarbeiter hatten dort eigens ein großes Zelt aufbauen lassen, damit alle Gäste einen Platz finden konnten.

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