Feierlich: Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“ (vorne l.) und sein Vorgänger Werner Höner fuhren den langen Zug an und tragen einen der Kränze, die am Obelisken niedergelegt werden. - © Karin Prignitz
Feierlich: Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“ (vorne l.) und sein Vorgänger Werner Höner fuhren den langen Zug an und tragen einen der Kränze, die am Obelisken niedergelegt werden. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock „Krieg darf kein Mittel der Politik sein“

Blumen für Stukenbrock: Auf dem Ehrenfriedhof gedenken rund 300 Menschen der Kriegstoten. Rednerin Anke Unger ruft dazu auf, dem Wettrüsten ein Ende zu setzen.

Schloß Holte-Stukenbrock. „Friedenspolitik“, sagt Anke Unger, „ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Die Regionalgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes Ostwestfalen-Lippe war Hauptrednerin auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof. Und sie fand deutliche Worte, die von viel Applaus begleitet wurden. „Waffengewalt, militärisches und verbales Hochrüsten lösen keine Probleme“, hob Anke Unger hervor und erinnerte bei der vom Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“ zum 52. Mal veranstalteten Mahn- und Gedenkveranstaltung an die „mehr als 30 Kriege und bewaffneten Konflikte, die rund um den Globus toben“. Auch die nukleare Bedrohung habe eher zu- als abgenommen. „Aber nicht nur die vielen Krisenherde auf der Welt machen mir Sorgen, sondern auch die scharfe Rhetorik vieler Politiker.“ Unger nannte den türkischen Staatspräsidenten Erdogan und US-Präsident Donald Trump. Für sie gehe es „nicht um das Wohl aller, nicht darum zu versöhnen, sondern darum, einseitig Interessen durchzusetzen“. Feindbilder würden entworfen und Zwietracht in der eigenen Bevölkerung und zu anderen Nationen gesät. Der Wahnsinn der stetig steigenden Militärausgaben und des Wettrüstens müsse ein Ende haben, forderte Unger. Die Welt rücke näher zusammen. „Wir können nicht so tun, als wenn uns das nichts angeht.“ Wer also so tue, als wäre es damit getan, die Grenzen zu schließen und Europa immer weiter abzuschotten, sei „nicht nur herzlos, sondern auch sehr naiv“. Statt die Würde geflüchteter Menschen für unantastbar zu halten und dies auch umzusetzen, steige die Zahl der Rechtspopulisten, Antisemiten, Rassisten und sogenannten „besorgten Bürgern“, „die Flucht und Asyl nutzen, um Stimmung zu machen“, verwies Unger etwa auf die jüngsten Geschehnisse in Chemnitz. „Das dürfen wir nicht zulassen.“ Martin Kolek berichtet von der Seenotrettung Ausdrücklich lobte sie den Schritt, die Dokumentationsstätte als Gedenkstätte von nationaler Bedeutung über das Land NRW aufzuwerten. Landtagspräsident André Kuper war unter den rund 300 Teilnehmern der Mahn- und Gedenkveranstaltung, ebenso Schloß Holte-Stukenbrocks Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Sergej Dolgopolov vom russischen Generalkonsulat, die SPD-Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar und Martin Kolek, der 1. Offizier auf den Seenotrettungsschiffen Sea-Watch II und III war und eindrucksvoll von der Flüchtlingsrettung im Mittelmeer berichtete. Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“, hatte gleich zu Beginn seinen Unmut darüber geäußert, dass die Senne als Nato-Truppenübungsplatz weiter militärisch genutzt werden soll. Die Region OWL gehöre zu den stärksten Wirtschaftsräumen in Deutschland. „Es ist kaum vorstellbar, welche räumlichen, ökonomischen und ökologischen Entwicklungschancen sich eröffnen, wenn die Militärstandorte in der Region einer zivilen Nutzung zugeführt werden.“ Frieden, Regionalentwicklung und Ökologie dürften nicht länger gegeneinander ausgespielt werden, forderte Kniesburges. Für seinen Vorgänger Werner Höner müsste jeder Tag ein Antikriegstag sein. Höner bezog sich auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, die angesichts der von den Nazis zugefügten Leiden an den Juden die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsraison erklärt hatte. Es sei endlich an der Zeit, sagte Höner, auch die Sicherheit Russlands und die Bemühungen um gute Beziehungen auf die gleiche Ebene zu heben. „Frieden in Europa ist nicht gegen, sondern nur mit Russland möglich. Die hier ruhenden 65.000 Toten mahnen uns ständig.“

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