Einpacken: Larissa Nelte (l.) und Claudia Nolte-Pizzo halten sich beim Packen der Pakete an die Listenvorgabe. - © Julia Vorreiter
Einpacken: Larissa Nelte (l.) und Claudia Nolte-Pizzo halten sich beim Packen der Pakete an die Listenvorgabe. | © Julia Vorreiter

Bürger spenden für Flüchtlinge

Annelene Rethwilm und die Belegschaft des Computerhändlers Synaxon haben gesammelt

Julia Vorreiter
Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock. Viele Flüchtlinge besitzen nur das, was sie am Leib tragen. Deswegen durchforsten die Bürger der Stadt ihre Schränke nach Kleidung, Spielzeug oder anderen nützlichen Dingen, die sie den Flüchtlingen spenden können. Annelene Rethwilm ist vom Schicksal geschlagen. Die gelernte Krankenschwester pflegte ihren Mann 17 Jahre lang bis zu seinem Tode. Dann erkrankten auch ihre beiden Söhne. Beide starben. „Nach dem Tod meines zweiten Sohnes bin ich zusammengebrochen“, sagt Annelene Rethwilm. Langsam erholte sie sich wieder, kehrte zurück in die schöne Wohnung mit Garten. „Aber ich kann kaum noch etwas selber machen. Früher habe ich den Garten in Ordnung gehalten. Das geht jetzt nicht mehr.“ Die ehemalige Krankenschwester ist auf den Rollator angewiesen. Nur kurze Strecken kann sie mit Hilfe einer Gehstütze bewältigen. Mit der Zeit verging die schlimmste Trauer, und sie kann sich jetzt von Dingen trennen, die ihren Söhnen gehörten. Da las sie in der Neuen Westfälischen von der Not, die die Flüchtlinge leiden und von Giesela Hörsters Bitte um Spenden. Weil sie die Kleidung und Decken nicht selbst ins Flüchtlingslager bringen konnte, rief sie in der Redaktion der NW am Holter Kirchplatz an und schilderte ihre Notlage. Kurz entschlossen sagte die Redaktion Hilfe zu, holte die Kleiderspende bei Annelene Rethwilm ab und brachte sie nach Stukenbrock-Senne ins Flüchtlingslager. Mitarbeiter des Computerhändlers Synaxon haben zu Hause ebenfalls nach brauchbaren Dingen gesucht. Jetzt konnten insgesamt 147 Willkommenspakete für Flüchtlinge gepackt werden. Tassen, tiefe und flache Teller, Suppenlöffel, Gabeln, Messer, Töpfe, Pfannen oder Spülschwämme sind darin enthalten – alles, was eine Küche benötigt. Tipps, was in die Pakete gehört, haben sich die Synaxon-Mitarbeiter von der Recyclingbörse Bielefeld geholt. Die empfiehlt zwei Varianten, ein Familienpaket und ein etwas kleineres Singlepaket. Aber auch viel Kleidung und 500 Euro Bargeld wurden gespendet. 16 Mitarbeiter haben jetzt dabei geholfen, die Spenden zu sortieren und die Pakete zu packen. „Jeder sollte seinen Teil dazu beitragen“, sagt Helfer Timo Franz. Die Pakete kommen in das ehemalige Hotel Oldentruper Hof nach Bielefeld, dort sollen ab Montag 500 Flüchtlinge untergebracht werden.

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