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Hubert Kniesburges (r.), sein Vorgänger Werner Höner, Vertreter der russischen Föderation, von Linken, SPD und Grünen sowie des DGB begleiten den Marsch hin zur Kranzniederlegung am Obelisken und am Ehrenmal. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
Hubert Kniesburges (r.), sein Vorgänger Werner Höner, Vertreter der russischen Föderation, von Linken, SPD und Grünen sowie des DGB begleiten den Marsch hin zur Kranzniederlegung am Obelisken und am Ehrenmal. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

Schloß Holte-Stukenbrock Gewalt gebiert neuen Hass

Aktuelle Konflikte und Kriege Thema bei Gedenkveranstaltung in Stukenbrock

von karin prignitz
08.09.2014 | Stand 07.09.2014, 20:25 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Arno Klönne ist in der Nähe des sowjetischen Soldatenfriedhofs aufgewachsen. "Als Jugendlicher habe ich mitbekommen, wie die Gefangenen hier schikaniert worden sind", sagt der emeritierte Soziologe und Politikwissenschaftler. Zerbrechlich wirkt der 83-Jährige, aber er wird nicht müde, dafür zu kämpfen, dass die Gräueltaten unvergessen bleiben und sich Ähnliches nicht wiederholen darf. Vor mehr als 300 Menschen fand Klönne bei der Mahn- und Gedenkveranstaltung am Antikriegstag deutliche Worte zur aktuellen Situation in der Ukraine: "Werfen wir Sand in die Propagandamaschine des neuen Militarismus."

Den Präsidenten der russischen Förderation, Wladimir Putin, als Alleinverantwortlichen hinzustellen, der die NATO, Europa und die USA mit seiner Böswilligkeit überrascht habe, "das ist eine systematische Verfälschung der Realität", sagte Klönne. Aus seiner Sicht "eine konfliktverschärfende Propaganda".

Ukrainisches Territorium sei immer wieder das Objekt der Begehrlichkeit gewesen. Schon früher sei es um die geopolitische Machterweiterung gegangen. "Solche Interessen sind auch heute im Spiel."

Klönne sagte: "Ich bekenne mich als Putin-Versteher." Nicht, weil er dessen System für empfehlenswert halte. "Putin ist alles andere als ein Pazifist." In einer Konfliktsituation sei es aber wichtig, sich in die Motive und Gefühle der Kontrahenten und des Landes hineinzudenken und friedliche Wege zu finden. "Wie soll sonst Frieden entstehen?"

Seit 47 Jahren versammeln sich Menschen an den Gräberfeldern des Soldatenfriedhofs in Stukenbrock. Wiederum hatte der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" um seinen Vorsitzenden Hubert Kniesburges dazu eingeladen und diesmal als Hauptredner Lühr Henken gewinnen können.

Auch der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag aus Berlin forderte, Konflikte durch Verhandlungen und nicht mit Waffengewalt zu lösen. Lühr hatte geschätzte Zahlen der Kriegstoten auf der Welt in den vergangenen zehn Jahren mitgebracht: mehr als 1,5 Millionen. "Die Gewalt ist irrsinnig. Sie gebiert neuen, verzweifelten Hass und schafft neue Gewalt." Dass die NATO inklusive der Bundesregierung "trotzdem seit 20 Jahren darauf setzen die Armeen fit für den weltweiten Militärinterventionismus zu machen", hält Henken für grundfalsch. Und: "Ich lehne Auslandseinsätze der Bundeswehr strikt ab."

"Deutsche Außenpolitik muss Friedenspolitik sein", dafür steht auch der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock". Er wendet sich gegen jegliche Einmischung von Staaten und Politik in innere Angelegenheiten anderer Staaten und unterstreicht seine seit Jahren erhobene Forderung: "Rüstungsexporte stoppen, denn Rüstung begünstigt Kriege." Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von "Rockin Chair" aus Delbrück.

Im Beisein eines Vertreters des Generalkonsulats der russischen Föderation, Bundes-, Landes- und Bezirksvertretern von SPD, Grünen und Linken sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund und dem stellvertretenden Bürgermeister Heinz-Wilhelm Tzschentke, sprach auch Roman Franz vom Landesverband Sinti und Roma NRW, der eine gleichberechtigte Teilhabe seiner Landsleute forderte, sowie Werner Höner. Der Vorgänger von Hubert Kniesburges verlas einen Brief von zehn Überlebenden. Sie plädieren dafür, den Originalzustand des Obelisken wieder herzustellen. Ein Thema, das seit längerem kontrovers diskutiert wird. "Der Brief soll der Ministerpräsidentin übermittelt werden", kündigte Hubert Kniesburges an.

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