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120 Starter in zehn verschiedenen PS-Klassen sind auf dem Feld von Hubert Westermeier mit ihren Traktoren an den Start gegangen. Hinter ihnen hängt der Bremswagen. Durch geschicktes Fahren legen die Fahrer eine möglichst weite Strecke zurück. Ein Schauspiel für die vielen Besucher. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
120 Starter in zehn verschiedenen PS-Klassen sind auf dem Feld von Hubert Westermeier mit ihren Traktoren an den Start gegangen. Hinter ihnen hängt der Bremswagen. Durch geschicktes Fahren legen die Fahrer eine möglichst weite Strecke zurück. Ein Schauspiel für die vielen Besucher. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

Schloß Holte-Stukenbrock Traktoren ziehen durch den Sand

Hunderte Besucher beim 17. Treckertreff auf dem Hof Westermeier in Stukenbrock

von karin prignitz
08.09.2014 | Stand 07.09.2014, 20:13 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Alois Agnesen muss noch per Hand kurbeln und mit einem normalen Fünf-Gang-Getriebe schalten. Der 66-Jährige hat die Startnummer 9 und er gibt alles mit dem ältesten Trecker-Schätzchen, das auf dem Feld von Hubert Westermeier antritt. Sein Deutz F1 M414, Baujahr 19949, hat lediglich elf Pferdestärken unter der grünen Haube. "15 Stundenkilometer läuft er", sagt Agnesen. Beim beliebten Traktor-Pulling hat er 8,60 Meter geschafft. Eine Strecke, die andere locker übertreffen, "aber na ja, ist halt nicht ganz so viel Kraft da". Spaß hat es trotzdem gemacht. Und der steht ohnehin im Vordergrund.

Zum 17. Mal hatte der Treckerclub Tölkenkamp zum beliebten Traktor-Pulling eingeladen, und wie immer war das Wetter richtig gut. Weder zu staubig, noch zu nass. "Die Bodenverhältnisse sind gut, die Verhältnisse für alle gleich", sagt Mitorganisator Mike Altemeier, "das sieht man an den Ergebnissen." Im neogrünen Shirt ist der Moderator und sind die anderen Aktiven des Treckerclubs Tölkenkamp deutlich sichtbar als Ansprechpartner unterwegs. "Uns gibt es seit 1993." Hunderte Besucher tummeln sich den Tag über auf dem Gelände. Im Wechsel mit dem Treckerclub Schöning wird das Trecker-Treffen ausgerichtet. Diesmal sind die Stukenbrocker an der Reihe.

Neben der Trecker-Schau gilt das unbestritten größte Interesse dem Traktor-Pulling. Aufgeteilt in zehn PS-Klassen wird gestartet. Bei diesem Wettbewerb gilt es, einen Bremswagen durch geschicktes Fahren möglichst weit auf einer vorgegebenen Strecke zu ziehen. Dabei wird der Widerstand des Bremswagens mit jedem zurückgelegten Meter höher und das Fortkommen entsprechend schwieriger.

Insgesamt 120 Starts gibt es. Die jeweils drei Besten werden mit Medaillen geehrt. Wilfried Erichsmeier aus Stukenbrock ist mit seinem Fendt-Dieselross, Baujahr 1957, dabei und am Ende dritter Sieger seiner Klasse. Stolz holt er die Medaille aus der Hemdtasche, betont aber, dass es ihm vor allem darum gehe, "mitzumachen, dabei zu sein".

Tief wühlen sich die mächtigen Hinterräder der Traktoren in den Boden des gemähten Ackers. Gerade bei den kleinen Klassen hebt sich manch ein landwirtschaftliches Gefährt mit den Vorderrädern nach oben. Zur Freude des Publikums, das klatscht und anfeuert. "Das ist schon ein Schauspiel", sagt Theresa Mayer. Die 23-Jährige ist zum ersten Mal als Zuschauerin dabei und kann sagen: "So etwas sieht man nicht alle Tage, das ist schon spannend." Ganz anders Marie Schiermeyer (18). Die Tochter von Treckerclub-Mitglied Detlef Schiermeyer hat die ehrenvolle Aufgabe, die Erst- bis Drittplatzierten auf einer hölzernen Bank, die auf dem Hänger eines Holder-Treckers thront, zu den aufgeschichteten Strohballen zu kutschieren. Dort findet die jeweilige Siegerehrung statt.

Nachwuchs-Traktor-Fan Mika (3) betrachtet das alles in seiner Lederhose und mit Trinkflasche in der Hand mit sichtlicher Begeisterung. Zwischendurch, da darf er (außer Konkurrenz und von Mama gezogen) auch mal die Strecke abfahren. Mit seinem Kindertraktor. Derweil geht das Kräftemessen der Großen auf dem Feld weiter. Immer wieder wird die Fläche begradigt, immer wieder werden neue Traktoren an die Zugmaschine gehangen, ertönt das Knattern der Motoren. Detlef Schiermeyer verteilt unterdessen mit einem Spezial-Trecker Getränke, denn es ist heiß am Samstag.

Warum etwas mehr männliche als weibliche Besucher gekommen sind, kann einer von ihnen erklären: "Frauen gehen Schuhe shoppen, Männer zum Treckertreff." Die Technik, die unterschiedlichen Modelle und vor allem das Pulling, "wo gibt es das sonst so geballt"?

Zu den besonders ausgefallenen Traktormodellen gehörte ein Schlüter Super 1600 TVL, der in den 70er Jahren nur in kleiner Stückzahl produziert worden ist. Der größte Traktor, der gezogen hat, hatte 260 PS. Ausgestellt wurde außerdem ein John Deere-Schlepper.

Die Sieger der einzelnen Klassen

Bis 14 PS Marius Rugge (Sande), 3. Willi Erichsmeier (Stukenbrock)
15 bis 20 PS: Andre Brüggemeier (Schöning), 2. Mike Altemeier (Stukenbrock)

21 bis 30 PS: Rainer Klaas (Verl), 2. Alfred Bories (Stukenbrock).

31 bis 40 PS: Peter Hasenbein (Stukenbrock)

41 bis 50 PS: Christoph Stollhans (Schöning)

51 bis 60 PS: Sebastian Göstemeier (Lippling)

61 bis 75 PS: Bernhard Ewers (Schöning)

75 bis 90 PS: Burkhard Willmann (Spexard), 2. Christian Kipshagen (Stukenbrock)

91 bis 120 PS: Manuel Blome (Schöning)

Mehr als 121 PS, freie Klasse: Philipp Elfers (Schloß Holte), 2. Thomas Haistermann (Schloß Holte).

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