0

SHS "Yabadabadoo", ruft der König

Michael Schniedermann gewinnt Vogelschießen in der Senne

03.05.2014 | Stand 02.05.2014, 20:52 Uhr
Pfarrer Karl-Joses Auris (r.) gratuliert dem neuen Schützenkönig Michael Schniedermann und jubelt mit ihm gemeinsam. Als Geste der Freude strecken sie vor den anderen Schützen und Gratulanten die Hände in die Luft. - © FOTO: CHRISTIAN STOLZ
Pfarrer Karl-Joses Auris (r.) gratuliert dem neuen Schützenkönig Michael Schniedermann und jubelt mit ihm gemeinsam. Als Geste der Freude strecken sie vor den anderen Schützen und Gratulanten die Hände in die Luft. | © FOTO: CHRISTIAN STOLZ

Schloß Holte-Stukenbrock. Ein Druck auf den Gewehrabzug, dann ein dumpfer Knall und schließlich ein Raunen, das durch die Menge der Schützen geht: Schon mit dem 29. Schuss auf den Holzadler fällt die erste Insignie, der Apfel, zu Boden. Nach drei Stunden wird der Adler in Gänze fallen.

Apfelprinz Christian "Kitty" Nowag wird jubelnd über den Schützenplatz in Stukenbrock-Senne getragen. Bald ertönt flotte Blasmusik. "Hier treffen sich alle, auch Klassenkameraden. Dann ist man eine Familie, wenn man hier ist", meint Besucherin Elisabeth Delker.

Information

Viele Gäste und viel Musik

Schützenoberst Karl-Heinz Deppe hat auch dem Bürgerschützenverein Steinhorst mit dem ersten Bezirkskönig Werner Fortmeier einen "schönen Nachmittag bei vielen Leckereien und kühlen Getränken" gewünscht. Die Vereine – die St.-Achatius-Schützenbruderschaft mit insgesamt 340 aktiven und passiven Schützen stellt den zweiten Bezirkskönig – besuchen sich gegenseitig.
Für fröhliche Musik sorgte die Blaskapelle Hövelriege und der Spielmannszug der St.-Johannes-Schützenbruderschaft Stukenbrock.
Pastor Karl-Josef Auris legte zu Beginn den Ehrenschuss vor. Für ein Beisammensein legte am Abend in der Schützenhalle ein DJ auf. ⋌(cs)

Der erste Thronfolger, den das Vogelschießen der St.-Achatius-Schützenbruderschaft hervorbringt, ist ein Jungschützenprinz: Im Wechsel mit drei Mitbewerbern erreicht Daniel Pott mit dem 76. Schuss auf den Adler der Jungschützen, der keine Insignien trägt, den ersten "knappen, nicht vorhersehbaren" Tagessieg auf dem Schießstand. Er wird mit den rund 90 Jungschützen eine Party ausrichten.

Während die Kinder sich auf einer Rutsche aus Strohballen, einer Hüpfburg, auf einem Karussell und beim Kinderschminken austoben, beobachtet ein Besucher die Schüsse auf den Holzadler mit den Insignien Apfel, Zepter und Krone ganz genau: Der 62-jährige Josef Delker baut den Holzadler für das Vogelschießen bereits seit seinem vierzehnten Lebensjahr, damals zuerst mit Hilfe des Vaters. "Ein paar Arbeitsstunden gehen da drauf", denn ungefähr eine halbe Woche benötige er, um den Adler zuerst zu verleimen und dann passend zuzuschneiden, sagt Delker, während er die Schießerfolge mit einem Fernglas verfolgt. "Der Adler fällt jedes Jahr anders aus. Jeder ist ein Unikat und mit Geld nicht zu bezahlen", meint der Tischler, der den Adler bauen werde, so lange er könne. Schon als kleines Kind sei er in der Werkstatt seines Vaters Lorenz Delker gewesen, der die Schützenbruderschaft 1921 mitgründete. "Hier ist das erste Vogelschießen, da ist es immer sehr voll. Die Senner halten zusammen", sagt seine Frau Elisabeth Delker glücklich.

Sie hofft, "dass wir nicht eine Lampe brauchen", bis das Vogelschießen vorbei ist, doch dazu kommt es nicht: Bald steht fest, dass neben dem Apfelprinzenpaar Christian "Kitty" Nowag und Daniela Horenkamp auch das Zepterpaar Robin Schniedermann und Elisa Müller sowie das Kronprinzenpaar Ulrich und Ilona Pott in die "Thronfolge" eintreten. Die Schießaufsicht hat Bezirksprinz Sven Tessmann.

Als schließlich Michael Schniedermann das Schwanzbrett des Adlers zum Fallen bringt und damit Katrin und Michael Brechmann als Schützenkönigspaar abgelöst ist, bricht euphorischer Jubel aus: "Papa, du bist mein König", ruft Schützenkönigs-Sohn Robin Schniedermann. Der neue Schützenkönig Michael Schniedermann reißt die Arme in die Luft, fällt Gratulanten in die Arme und lässt sich lachend und ungebremst jubelnd feiern. Seine Frau Ute Schniedermann hält er dabei liebevoll im Arm. "Sommer, Sonne Schützenfest", hallt es erwartungsvoll aus dem Publikum.

Schützenoberst Karl-Heinz Deppe lobt, dass ein "so toller Thron" gefunden worden sei: "Hier auf der Senne gibt es immer stolze Schützenfreunde, die König oder Prinz werden möchten." Auch die Frauen, denen das Königinnen-Dasein manchmal anfangs "nicht so" passe, seien "nicht mehr zu bremsen" beim Gefühl, "einmal auf dem Thron gewesen zu sein".

"Hier ist sehr gute Stimmung. Weil wir auf der Senne wohnen, sind wir eine große Familie", meint Schütze Michael Klamm. Emily Tagliente (10) hat ihren Freunden zugeschaut, die Fahnenschwenker sind: "Man guckt schon, wenn das Schießgeräusch kommt, sonst bin ich mit Spielen beschäftigt." Für eine andere Besucherin ist das Vogelschießen seit über 30 Jahren ein "Muss": "Man ist hier großgeworden, aufgewachsen – das verbindet. Die Senne ist noch nie ohne Thron geblieben."

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group