Der Mord in Westerwiehe sorgte für großes Aufsehen. - © Patrick Menzel
Der Mord in Westerwiehe sorgte für großes Aufsehen. | © Patrick Menzel

Rietberg-Raubmord: Verteidiger beantragen Exhumierung

Anwälte wollen die DNA-Probe eines möglichen Tatbeteiligten - dieser ist jedoch tot

Nils Middelhauve
11.01.2019 | Stand 11.01.2019, 17:57 Uhr

Rietberg/Bielefeld. Vor dem Bielefelder Landgericht ist der Prozess rund um den Überfall auf das Rietberger Brüderpaar Werner und den dabei getöteten Heinrich S. fortgesetzt worden. Die Verteidiger der beiden wegen Mordverdachts angeklagten Robert D. (49) und Artur T. (51) stellten in der Verhandlung weitere Beweisanträge. Unter anderem beantragten die Rechtsanwälte Martin Rother und Timo Scharrmann, die Robert D. vor Gericht vertreten, einen mutmaßlich in Polen begraben liegenden möglichen Beteiligten an dem Überfall auf das Westerwieher Brüderpaar exhumieren zu lassen. Bei dem fraglichen Mann handelt es sich um den polnischen Staatsbürger Jerzy S., dessen genaue Identität längere Zeit unklar war. Während des Verfahrens hatte der Angeklagte Robert D. ausgesagt, dass ebenjener S. einer der beiden Männer gewesen sei, die bei dem Überfall auf die betagten Brüder auf den dabei getöteten Heinrich S. eingewirkt hätten. Jedoch will Robert D. den von ihm benannten Mittäter nur unter dessen Spitznamen gekannt haben, weshalb lange Zeit unklar war, ob es diesen Mann tatsächlich gibt. Laut Bundeskriminalamt bereits 2016 gestorben Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um den aus Polen stammenden Jerzy S. – der der Justiz jedoch aus gutem Grund nicht mehr als direkter Zeuge zur Verfügung steht: Nach Auskunft von Interpol und dem Bundeskriminalamt ist S. bereits 2016 gestorben. Er soll in Polen begraben liegen. Aus diesem Grund beantragten die Verteidiger von Robert D. nun die Exhumierung der Leiche, um eine DNA-Probe des Toten zu gewinnen. Diese soll mit Spuren an dem damals getöteten Heinrich S. verglichen werden, die offenbar keinem der bislang Tatverdächtigen zugeordnet werden konnten. Zwar bedürfe es sehr triftiger Gründe, die Totenruhe zu stören, doch habe die Aufklärung eines Mordfalls Priorität, begründete Verteidiger Rother den ungewöhnlichen Antrag: „Dies wird beweisen, dass Jerzy S. bei dem Überfall auf Heinrich S. eingewirkt hat und die Einlassung meines Mandanten stützen." Der Prozess wird am 25. Januar fortgesetzt.

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