Stefan Klassen (l.) und Willi Wienhus befestigen die Legendentafel am Straßenschild. - © FOTO: BIRGIT VREDENBURG
Stefan Klassen (l.) und Willi Wienhus befestigen die Legendentafel am Straßenschild. | © FOTO: BIRGIT VREDENBURG

Rietberg Infotafel für den Humannsweg

23 Straßen im Stadtgebiet bekommen Legendenschilder

Von birgit Vredenburg

Rietberg-Neuenkirchen. Konrad-Adenauer-Straße, Goethestraße oder Fürst-Kaunitz-Straße: Viele Straßen im Stadtgebiet tragen große Namen. Nach welcher Persönlichkeit ist aber ist der Humannsweg benannt? "Vielen ist das heute nicht mehr bekannt", weiß Alfons Hollenhorst von der Stadt Rietberg.

Auskunft gibt eine neue Infotafel, die das Straßenschild – auf Initiative von Dorfchronist Wolfgang Körkemeier – jetzt ergänzt. Der etwa 350 Meter lange, am Rande der "Vogelsiedlung" gelegene Humannweg hat gleich zwei Namensgeber: Den Reichstagsabgeordneten und Gründer der Spar- und Darlehnskasse in Neuenkirchen, Heinrich Humann (1837 bis 1915), und dessen Sohn Johannes (1880 bis 1941), Landtagsabgeordneter und Gemeindevorsteher. Beide stammten vom Hof Humann am Nachtigallenweg.

"Mit Karl-Heinz Humann, dem letzten Bürgermeister von Neuenkirchen und ersten stellvertretenden Bürgermeister von Rietberg hätten wir auch die dritte Generation mit einbeziehen können. Wir wollten es aber bei den beiden Männern von überregionaler Bedeutung belassen", erklärte Stadtarchivar Manfred Beine in Gegenwart von Hanna, Hildegard, Maria und Joshua Humann, die bei der Anbringung der Infotafel dabei waren.

Von der preußischen Regierung während des Kulturkampfes in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts vom Amt des Bürgermeisters enthoben, "weil er zu katholisch war", so Beine, sei Heinrich Humann 1883 Landtagsabgeordneter geworden, um von 1897 bis 1907 als Reichstagsabgeordneter in den engeren Führungskreis der damaligen Zentrumspartei aufzusteigen.

Johannes Humann habe das politische Erbe seines Vaters als Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der Zentrumspartei fortgesetzt. Nach Hitlers Machtergreifung im Jahr 1933 habe er seine Position als Gemeindevorsteher aufgeben müssen. Beine: "Es war kein freiwilliger, sondern ein politischer Abgang". Noch heute sei bekannt, dass die Familie Humann in der Zeit des Dritten Reiches aufgrund ihrer starken politischen Verhaftung in der katholischen Zentrumspartei angefeindet worden sei. Ebenso wie der Humannsweg sollen im Stadtgebiet insgesamt 23 Straßenschilder um so genannte "Legendentafeln" ergänzt werden. Allein zehn davon soll es davon in Neuenkirchen geben. Beispielhaft für spannende geschichtliche Hintergründe, die auf den Schildern in Kurzform erklärt werden, ist auch der Jüddeldamm in Rietberg.

Nach Angaben Beines beruht der Name auf einem lange vergessenen und mittlerweile überbauten mittelalterlichen Judenfriedhof aus der Zeit lange vor der Neuenkirchener Synagogengemeinde. Erst 1852, als man beim Bau der Preußischen Chaussee (Delbrücker Straße), auf Knochenfunde stieß, sei die Grabstätte wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

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