Knapp 100 Demonstranten kamen nach Rheda-Wiedenbrück. - © Andreas Eickhoff
Knapp 100 Demonstranten kamen nach Rheda-Wiedenbrück. | © Andreas Eickhoff

Rheda-Wiedenbrück "Moderner Sklavenhandel": Demo gegen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Rheda-Wiedenbrück. Rund 100 Demonstranten kamen zu der Kundgebung gegen Tönnies, zu der die Interessengemeinschaft (IG) „Werkfair-träge" aufgerufen hatte. Sie kämpft für die Werkvertragsarbeiter aus Osteuropa „bei Tönnies und in anderen Firmen, damit sie mit Respekt behandelt werden und gleichwertig arbeiten und leben dürfen", so Inge Bultschnieder. Die Teilnehmer, die nach der Kundgebung vom Werl zum Fleischwerk zogen, kamen als Bürger, „weil mir übel wird, wenn ich daran denke, wie Mensch und Tier im Fleischwerk behandelt werden", erklärte Werner Maasmeier aus Gütersloh seine Motivation. Sie kamen aber auch von Parteien, Gewerkschaften und Aktionsbündnissen – auch 350 Kilometer weit. Elmar Zubrüggen, ein Organisator von „Fridays for Future", stellte den Klimaschutz ins Zentrum seiner Ansprache. Camila Cirlini sprach für das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung. Hauptredner war Prälat Peter Kossen aus Kellinghusen, wo die Tönnies-Gruppe einen Schlachtbetrieb hat. "Ausbeutung und Menschenschinderei" Er sprach davon, dass die Werksvertragsarbeit nicht auf die Fleischindustrie beschränkt sei. „Ausbeutung und Menschenschinderei, Mietwucher und moderner Sklavenhandel" hätten als Modell Schule gemacht, seien auch bei Postzustellern, in der Logistik, der Metallindustrie und beim Bau von Kreuzfahrtschiffen zu finden. Kossen bezeichnete die Werkvertragsarbeiter aus Osteuropa immer wieder als „Wegwerfmenschen", weil sie genau so behandelt würden. Er forderte „gleichen Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort", will „Wohnungen für Arbeitsmigranten und ihre Familien und keine Rattenlöcher". Diese Menschen kämen, um zu bleiben, aber integriert würden sie nicht. Der Staat und die Gewerkschaften schauten weg. „Warum wehren sich die Kommunen nicht, warum wehren sich die Politiker nicht, wer regiert die Politik in Rheda-Wiedenbrück?" "Es gibt noch immer viele Nöte" Dass er 2014 in Bewegung gebracht wurde durch die IG, die das bis dato tabuisierte Thema an die Öffentlichkeit gebracht habe, gestand Volker Brüggenjürgen. Der Mann, der auch Bündnisgrüner ist, sprach als Geschäftsführer der Caritas, die Beratungsangebote für Werkvertragsarbeiter bietet. Es sei viel auf den Weg gebracht worden, so Bultschnieder. „Aber noch immer gibt es viele Nöte, die unsere Zusammenkunft nötig machen."

realisiert durch evolver group