Maximilian Tönnies (v.l.), Andres Ruff und Clemens Tönnies. - © Andreas Frücht
Maximilian Tönnies (v.l.), Andres Ruff und Clemens Tönnies. | © Andreas Frücht

Rheda-Wiedenbrück Tönnies will bessere Bedingungen für Mitarbeiter schaffen

Von 16.500 Tönnies-Mitarbeitern, etwa 6.500 sind es in Rheda-Wiedenbrück, haben etwa die Hälfte Werkverträge

Rheda-Wiedenbrück. So viel vorweg: Fragen zu Schalke 04 wurden beim Jahrespressegespräch der Tönnies Unternehmensgruppe explizit ausgeklammert. „Wir wollen Clemens’ Laune nicht verderben", sagte Moderator André Vielstädte. Die ist zumindest in Firmangelegenheiten, trotz des Umbruchs im Fleischmarkt und obwohl „sich die ersten trauen, da von einer Krise zu sprechen" so Clemens Tönnies, ganz passabel. Denn: „Unser Unternehmen steht gut da." Weltweit hat Tönnies 20,8 Millionen Schweine verarbeitet (2017: 20,6 Mio.), davon 16,6 Millionen in Deutschland, so viele wie 2017. Zudem verarbeitete und zerlegte Tönnies 440.000 Rinder (2017: 432.000). Mit knapp ein Prozent Biofleisch sei Tönnies Marktführer. Insgesamt sei der Markt um drei Prozent gesunken, lag der Schweinepreis um 12,5 Prozent niedriger als 2017. Der Unternehmensumsatz hat mit 6,65 Milliarden Euro ein Minus von 3,6 Prozent. Appell: Fleisch darf nicht verramscht werden Tönnies sprach von einem „sehr starken, fordernden Wettbewerb". Das Unternehmen habe Federn gelassen. Der 62-Jährige sagte, dass aufgehört werden müsse, das „wertvollste Lebensmittel Fleisch zu verramschen, der Preiskrieg um Lebensmittel muss beendet werden". Das sei wohl schon sein „dritter Aufruf zur Vernunft" – bislang offenbar ungehört. Gefragt von der NW, ob die Tönnies-Gruppe mit ihrer Marktmacht keine Chance habe, über den Appell hinaus etwas zu bewirken, sagte Tönnies: „Wir sind zwar ein großer Player, aber die Entscheidung liegt allein beim Handel – auch wenn der das nicht gerne hört". In Spanien soll ein zweites Fleischwerk gebaut werden International hat die Unternehmensgruppe unter anderem ein Standbein in Spanien, wo ein weiteres Fleischwerk gebaut werden soll. „Dort ist man der Landwirtschaft und der Schweinemast gegenüber sehr positiv eingestellt", sagte Geschäftsführer Andres Ruff, dass das für die Gesellschaft und die Politik gelte. „Es macht Freude." In Deutschland scheint die nicht ganz so groß zu sein. „Wir leiden unter einer Fehleinschätzung unserer Arbeit", so Tönnies. Nicht jeder Landwirt sei ein Tierquäler und ein Umweltsünder. 96 Prozent der Zulieferer seien Familienbetriebe, „die ordentlich mit den Tieren umgehen und deren Haltung verbessern wollen". Die Arbeitsbedingungen sollen besser werden Bessere Bedingungen will Tönnies für Mitarbeiter schaffen – egal, woher sie kommen. Das jüngst von der Stadtverwaltung vorgestellte Konzept zur Beantwortung der migrations- und sozialpolitischen Frage, die sich durch zugezogene Werkvertragsarbeiter aus Osteuropa stellt, begrüße das Unternehmen. Es beteiligt sich mit 125.000 Euro pro Jahr an der Finanzierung der Wohnraumkontrollen und der Willkommensagentur. „Auch andere Firmen im Kreis Gütersloh sind in der Pflicht", so Vielstädte. Von den im Kreis lebenden Osteuropäern seien bis zu 35 Prozent bei Tönnies beschäftigt. „Mindestens 65 Prozent arbeiten also in anderen Betrieben." Von 16.500 Tönnies-Mitarbeitern, etwa 6.500 sind es in Rheda-Wiedenbrück, habe etwa die Hälfte Werkverträge. „Ein Rumäne, der in seiner Heimat einen Mindestlohn von 408 Euro kriegt, erhält hier 1.800 Euro", so Ruff. Tönnies ergänzte, dass „nur 18 Prozent der Werkvertragsarbeiter im Mindestlohn stehen, alle anderen liegen weit darüber". Im durchschnittlichen Rahmen von 100 Millionen Euro bewegen sich die Investitionen, die Tönnies für 2019 plant. Dazu gehört eine neue Zentralpforte am Lkw-Parkbereich an der Gütersloher Straße. Dazu gehört aber nicht der angedachte Bau eines Tiefkühllogistikzentrums auf der Aurea. „Dort gibt es einen deutlich engeren Immissionsschutz als vorher gesagt", so Ruff. Der Bau mache keinen Sinn, dürften nachts keine Tönnies-Lkw fahren. Für die Aurea gelte eine Gesamtimmission. Große Teile davon seien einem anderen, im Bau befindlichen Unternehmen zugesichert worden, spielte Ruff auf Amazon an.

realisiert durch evolver group