Daria Meißner (v.l.) und Katharina Frieß haben die Ortsgruppe Bielefeld der Organisation „The Save Movement" gegründet und zur Mahnwache vor dem Fleischwerk Tönnies aufgerufen. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
Daria Meißner (v.l.) und Katharina Frieß haben die Ortsgruppe Bielefeld der Organisation „The Save Movement" gegründet und zur Mahnwache vor dem Fleischwerk Tönnies aufgerufen. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück Aktivisten demonstrieren vor Tönnies-Werk - und die Polizei hilft

Vor dem Fleischwerk Tönnies fordern Demonstranten „Gerechtigkeit für zu Nutztieren degradierte Lebewesen“

Rheda-Wiedenbrück. Mit der Handgeste Peace und freundlichem Winken wurden gestern die Lkw-Fahrer am Fleischwerk Tönnies begrüßt, die Schweine zur Schlachtung brachten. Rund 15 Tierschützer hatten sich dort zu einer achtstündigen Mahnwache versammelt. Dazu hatte die neu gegründete Ortsgruppe „Bielefeld Animal Save" der weltweit tätigen Organisation „The Save Movement" aufgerufen. „Wir wollen uns von den Tieren verabschieden", sagte Katharina Frieß, eine der Organisatorinnen. Es sei wohl das erste und letzte Mal im Leben der Schweine, dass ihnen Aufmerksamkeit und Trost geschenkt würden, meinte sie. Dafür wollte die Polizei Lastwagen auf der Gütersloher Straße stoppen. Den eher ungewöhnlichen Einsatz begründete Polizeihauptkommissar Matthias Himmerich damit, dass das Versammlungsrecht zu den Grundrechten des Grundgesetzes gehört. Die Demonstrationsfreiheit beinhalte das Recht der Selbstbestimmung über die Art der Versammlung. „Die Teilnehmer wollen vor Ort Lkw anhalten, um die Schweine zum Abschied zu streicheln." "Wir wollen die Aktion wiederholen" Die Beamten hätten die Aufgabe, die Versammlung zu ermöglichen und deren Teilnehmer zu schützen. „Aus diesem Grund hat sich die Polizei Gütersloh entschieden, die Lkw zum Schutz der Teilnehmer anzuhalten, da sonst der Zweck der Versammlung nicht erfüllt werden könnte und es einem Teilverbot der Versammlung gleich käme", erklärte Himmerich.Angehalten wurde ein Lkw. „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch mit dem Fahrer", sagte Frieß nach der Mahnwache. Mehr Lastwagen hätten aufgrund der Verkehrssituation nicht auf der Fahrbahn angehalten werden können. „Wir wollen die Aktion wiederholen und versuchen, Lkw im Eingangsbereich zu stoppen", um innezuhalten und die Schweine anzufassen, so Frieß. „Wir wollen uns von den Tieren verabschieden". Die „bewegende Veranstaltung", nahm der Dokumentarfilmer James Hoot auf. Video von der Demo in sozialen Netzwerken Das Video wird in sozialen Netzwerken veröffentlicht, „um eine Verbindung zwischen dem Lebewesen und dem Tier auf dem Teller herzustellen", so Frieß. Sie hat mit der 20-jährigen Daria Meißner die Ortsgruppe gegründet. „Wir wollen keine Tiere für unseren Konsum quälen", sagte Meißner. Die Dachorganisation fordert „Gerechtigkeit für zu Nutztieren degradierte Lebewesen und orientiert sich dabei an Mahatma Gandhis friedlichem Protest". Die Frauen betonten, dass sie mit den Beschäftigten des Fleischwerks und den Lastwagenfahrern „positiven Kontakt pflegen" wollen. Für sie hatten sie Schokolade mitgebracht. „Wir sind nicht gegen die Menschen, die hier arbeiten, aber wir sind für die Tiere." Um denen ihr Recht auf Leben zu gewähren, leben die beiden vegan. Sie will nicht, dass Tiere für ihren Konsum gequält werden, erklärte die 20-jährige Bielefelderin. „Weil mir das alleine nicht mehr reichte, wollte ich mehr machen, durch Aktionen mit Menschen ins Gespräch kommen", ergänzte die 29-jährige Rietbergerin. Einmal im Monat Präsenz zeigen Die Aktion auf dem Gehweg vor dem Fleischwerk war eine Station von zehn Schlachthöfen der Deutschlandtour der Organisation „The Save Movement". Die Bewegung basiere auf Liebe und Gewaltfreiheit. Die Demonstration richte sich gegen das System, dass Tiere zur Ware mache, aber nicht gegen die Individuen, erklärte Lena Ella, hauptberufliche Tierrechtsaktivistin. Die Gruppe „Bielefeld Animal Save" will künftig „mindestens einmal im Monat Präsenz zeigen", so Frieß. Und das nicht nur vor Tönnies, sondern auch vor anderen Schlachthöfen in der Region.

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