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Dr. Rüdiger Krüger ist ebenso wie Hans Schalück, der in seinem Colani GT sitzt, Fan von Luigi Colani, der sein 90. Lebensjahr vollendet. - © Waltraud Leskovsek
Dr. Rüdiger Krüger ist ebenso wie Hans Schalück, der in seinem Colani GT sitzt, Fan von Luigi Colani, der sein 90. Lebensjahr vollendet. | © Waltraud Leskovsek

Rheda Wiedenbrück Der Designer Luigi Colani war mal Rheda-Wiedenbrücker

Der Designer wird 90 - das nimmt Hans Schalück zum Anlass, einige Produkte Luigi Colanis zu zeigen und über ihn zu erzählen

02.08.2018 | Stand 02.08.2018, 10:29 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Luigi Colani ist umstritten. Für die einen ist er überschätzt, für die anderen „der beste internationale Designer überhaupt", wie für Hans Schalück. Der blickt zum 90. Geburtstag Colanis auf dessen Zeit in Rheda und in Wiedenbrück zurück. Der Aufstieg des Visionärs und Provokateurs begann 1964 in Wiedenbrück, so Schalück. Der Designer, der sagt: „Meine Welt ist rund", war kurze Zeit später auch in Rheda aktiv. Doch wüssten viele Bürger nicht, dass Colani bis 1972 hier lebte. Und auch nicht, dass der Mann, der als Star-Designer, Starrkopf, Großsprecher, motziger Revoluzzer und genialer Egomane gilt, in den damals selbstständigen Städten nicht nur Freunde hatte. Colani lebt heute in der Schweiz Gerade in den ersten Jahren habe er zwischen total pleite und Wohlstand gewechselt, erzählt Schalück, der sich selbst als einen der größten Fans bezeichnet. Der 77-Jährige sammelt seit Jahren von Colani designte Dinge – Kinderwagen, Fernseher, Kamera, Möbel und Autos. „Technik in Verbindung mit Design, das war Colani", sagt Schalück. Er hat seine Schätze zu Ehren Colanis zusammengetragen, um zu erinnern, dass der „große Designer auch mal Rheda-Wiedenbrücker war". Heute lebt Colani in der Schweiz. Auch VHS-Leiter Rüdiger Krüger mag Colanis Arbeiten. Er schaute sich Schalücks Colani-Kollektion am Seecafé an. „Ich kann nicht verstehen, warum eine Stadt wie Rheda-Wiedenbrück nicht mehr daraus macht, dass Colani hier wichtige Jahre seiner Schaffenskraft verbracht hat", meint er. Für Schalück war der Designer für die Stadt bedeutender als die Dichterin Luise Hensel, die Anfang des 19. Jahrhunderts mehr als 20 Jahre in Wiedenbrück lebte und nach der eine Straße benannt ist. Panne mit seinem Käfer Schalück erzählt, wie der gebürtige Berliner nach Wiedenbrück kam. Auf dem Weg zu seinem Bruder nach Recklinghausen hatte der Designer mit seinem Käfer eine Panne. Er schob das rostige Auto von der Autobahn zur Motel-Tankstelle, Bielefelder Straße. Geld hatte er gerade keins. Der damalige Pächter Druffel half ihm, den Wagen flott zu machen. Die folgenden Wochen lebte er auf dem Druffelschen Hof an der Siechenstraße. Dort bekam Colani Kost und Logis und verliebte sich prompt in die beiden attraktiven Töchter. Durch Familie Druffel entstand der Kontakt zu dem Möbelhersteller COR. Für den entwickelte der Designer die Sitzgruppe Orbis. Ein absoluter Renner in Kinderzimmern Für die Lübke KG entwarf er eine weiße Tischgruppe mit Stühlen in Kunststoff. Burghard Lübke, Bruder von Helmut Lübke und seinerzeit Inhaber von COR und Interlübke, gründete eigens für eine Kreation von Colani die Firma Kinderlübke. Der unter dieser Marke produzierte „Zocker", ein Pulthocker aus Kunststoff, war viele Jahre ein absoluter Renner in den Kinderzimmern. Alle Modelle aus Colanis Rheda-Wiedenbrücker Zeit würden heute hoch im Internet gehandelt, sagt Schalück. Dazu gehört auch der meistverkaufte Schreibtisch von Flötotto in Gütersloh. "Legendär waren seine Lokalbesuche" Später wohnte Colani in Rheda über dem Café Mönchmeier. Seine Kreativwerkstatt hatte er im Anbau von Elektro Wolbracht an der Reinkenwiese. Entwürfe des Designers finde man unter anderem bei Krane-Optik, Poggenpohl, Villeroy & Boch, Carolinen Brunnen, Fürstenberg und anderen namhaften Firmen, so Schalück, der auch einiges aus dem Privatleben Colanis weiß. „Legendär waren seine Lokalbesuche. In seinem mit Gips bekleckerten Arbeitsoverall, immer in Begleitung hübscher Mädels, gab er Lokalrunden und unterhielt die Gäste mit knackigen Sprüchen", erinnert sich der 77-Jährige. "Wir sollten stolz sein" Damals entstand auch „Ylem", ein Lehrbuch zur einfachen Anleitung in die Design-Utopie. Denn Colani hatte sich bei einem Sturz auf dem Marktplatz das Steißbein gebrochen und musste sechs Wochen stramm liegen, erzählt Schalück. „Da hat er das Buch, das bei Bertelsmann verlegt wurde, verfasst." Statt einer Geburtstagsfeier wird am 2. August ein Buch mit dem Titel „Colani GT – Ein VW mit Berliner Schnauze" des Autors Alexander Diego Fritz in der Schweiz vorgestellt. Schalück ist als Ehrengast dabei. Und nimmt eine Aussage von Wilm Sasse mit, der jüngst meinte: „Wir Rheda-Wiedenbrücker sollten stolz sein, dass Colanis Kreativität durch Unternehmen aus der Stadt von Autos auf Industrieprodukte ausgeweitet wurde."

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