Harsewinkel Das Maß aller Ernte-Dinge

NW-SERIE "DAS CLAAS-JAHRHUNDERT 1913 BIS 2013" / Teil 16: Lexion – der Superstar

VON HORST BIERE

Der moderne Lexion ist GPS-gesteuert, und seine Elektronik regelt die Erntearbeit perfekt. Der Fahrer kann sich zumeist auf die reine Kontrolle konzentrieren. - © FOTOS: HORST BIERE
Der moderne Lexion ist GPS-gesteuert, und seine Elektronik regelt die Erntearbeit perfekt. Der Fahrer kann sich zumeist auf die reine Kontrolle konzentrieren. | © FOTOS: HORST BIERE

Harsewinkel. Im Jahr 1995, als Christo gerade den Reichstag verhüllt, rollt ein Claas-Mähdrescher aus der Harsewinkler Entwicklungsabteilung, der die Landtechnikwelt nachhaltig verändert, der Lexion. Seine Leistungsstärke und Schnelligkeit in der Getreideernte stellen einen wahren Quantensprung in der Landwirtschaft dar.

Eine spektakuläre Demonstration im Frühjahr 2009 führte der Fachwelt beispielhaft vor Augen, was ein Claas-Lexion heutzutage kann. Etwa 200 Journalisten aus ganz Europa waren Zeugen eines Schauspiels auf dem bekannten "Loermanns Hof" in der Nähe von Harsewinkel. Mit Vollgas donnerte ein brandneuer Lexion 750 mit Raupenlaufwerk an der Tribüne vorbei. Nach kurzer Zeit hatte die Maschine ihre Spitzengeschwindigkeit auf Asphalt erreicht.

Sie passierte eine Anzeigentafel, wie sie sonst Autofahrer in Wohngebieten warnt: "Sie fahren jetzt 41 Stundenkilometer" signalisierten die Dioden der Tafel. Der Beifall der Agrar-Journalisten, der spontan aufbrandet, galt dem neu entwickelten Gummiraupen-Antrieb, der dem Lexion Flügel zu verleihen schien.

Der Lexion ist mittlerweile zum Maß aller Dinge auf den Getreidefeldern der Welt geworden. Vor fast 20 Jahren rollte der erste Typ dieser modernen Mähdreschergattung auf den Markt. "Claas definiert Leistung neu" oder "Neues Mähdrescher-Kapitel aufgeschlagen" – lauteten Schlagzeilen in den Medien, als die neue Baureihe vorgestellt wurde. Einen enormen Leistungsschub im Bereich schnelles und verlustfreies Mähdreschen bescheinigten Fachleute der neuen Produktfamilie.

Sogar das Guinness Buch der Rekorde attestierte dem Lexion dann später den "Weltrekord im Mähdreschen". In England lief der Versuch, der maßgeblich von den beiden Claas-Experten Jens Broer und Christian Meckmann geleitet wurde. Stunde um Stunde drosch sich ein Lexion 770 dröhnend durch den reifen Winterweizen. Alle zwei Stunden lösten sich die beiden Claasianer im Cockpit des Mähdreschers ab. Immer nur wenige Minuten braucht der Lexion, dann war sein 12.000-Liter-Korntank voll. Nach acht Stunden stand der neue Weltrekord: 675 Tonnen Weizen hatte der Lexion in dieser Arbeitszeit geschafft und dabei fast 70 Hektar abgeerntet. Allein die durchschnittliche Leistung von 84,5 Tonnen pro Stunde würde ausreichen, um eine europäische Stadt wie Nizza oder Dresden einen Tag lang mit Brot und Backwaren zu versorgen. Und der Guinness-Prüfer notierte penibel einen weiteren Wert auf seiner Notiztafel: Der Dieselverbrauch des Lexion ging gegenüber früheren Mähdreschermodellen erheblich zurück – ein echter ökonomischer und ökologischer Fortschritt zugleich.

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