Was man für ein Unikat hielt, ist zigfach reproduzierbar, denn die Gussform gibt es noch. Der Wasserträger könnte zurück in den Stadtpark kommen. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Was man für ein Unikat hielt, ist zigfach reproduzierbar, denn die Gussform gibt es noch. Der Wasserträger könnte zurück in den Stadtpark kommen. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh / Mit Umfrage Gütersloher Wasserträger hat fünf Brüder

Gestohlene Skulptur ist kein Unikat / Nachguss jederzeit möglich

VON LUDGER OSTERKAMP

Gütersloh. Der Wasserträger, eines der Wahrzeichen des Stadtparks, ist doch nicht unwiederbringlich verloren. Zur Überraschung der Stadt existieren noch fünf Skulpturen, zwei in Grünwald bei München und drei in Paderborn. Selbst die Gussform ist noch vorhanden.

Die Form befindet sich im Besitz von Manfred Hagen, Immobilieninvestor aus Grünwald. Hagen war Ehemann der im März verstorbenen Dr. Ima Rochelle, die in erster Ehe mit dem Schöpfer des Wasserträgers, dem Wiedenbrücker Bildhauer Bernd Hartmann, liiert war.

Hagen sagte, er habe sich über die Aussagen der Stadt, die im Frühjahr gestohlene Wasserträgerskulptur sei ein Unikat gewesen und somit nicht mehr ersetzbar (NW vom 2. August), sehr gewundert. "Das ist doch Quatsch, ich selber bin noch im Besitz von zwei Skulpturen." Eine stehe im Garten, eine lagere in der Garage. Überdies besitze er die Form. "Wenn die Stadt will, kann sie jederzeit einen Nachguss in Auftrag geben."

Stadt denkt über Nachguss nach

Die Stadt teilte mit, sie gehe der Sache nach. "Dass noch Skulpturen und sogar die Form vorhanden sind, war uns bislang nicht bekannt", sagte Evelyn Hilker, stellvertretende Leiterin des Fachbereiches Grünflächen. Man werde sich mit Hagen in Verbindung setzen.

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Ergebnisse

Der Wasserträger sei eine wichtige Figur im Stadtpark gewesen, vielen Bürgern sei sie ans Herz gewachsen. Die Stadt werde mit dem Förderkreis Stadtpark-Botanischer Garten darüber nachdenken, ob sie sich für eine Wiederbeschaffung ausspreche oder – wie bislang erwogen – für einen gänzlich neuen Entwurf stark mache. Beides komme in Frage. Das sei auch eine Frage der Kosten.

Den Wasserträger hatte seinerzeit der Unternehmerverband gekauft. Darauf wies jetzt der Gütersloher Altindustrielle Dr. Gerd Voss, Enkel des Wirus-Gründers Willy Ruhenstroth und langjähriger Geschäftsführer, hin. Voss war stellvertretender Vorsitzender des Unternehmerverbandes, Rudolf Miele der Vorsitzende. Auf Vorschlag des Verbandsgeschäftsführers Dr. Walter Hiersemann habe Miele die Figur von der Hartmann-Witwe Ima Rochelle gekauft, um sie der Stadt zum Geschenk zu machen. "Das war 1973", sagt Voss. "An die kleine Übergabe-Zeremonie im Stadtpark kann ich mich noch gut erinnern."

Der Grünwalder Privatinvestor Hagen sagte, für ihn sei völlig klar, dass dem Gütersloher Stadtpark ohne der Figur des Wasserträgers etwas fehle. "Ich habe ihn so gerne dort gesehen, der gehörte doch quasi zum Stadtbild, außerdem ist er auf all den hübschen Postkarten abgebildet."

Hagens verstorbene Frau Ima Rochelle war jahrzehntelang die Lebenspartnerin und künstlerische Begleiterin von Professor Bernd Hartmann gewesen. Hartmann fertigte die Wasserträger-Skulptur im Auftrag von Hertz Rieger, ein gelernter Kürschner, der in München nach dem Krieg ein Pelz-Imperium von weltweitem Rang aufgebaut hatte.

Hartmann pflegte gute Kontakte zum Unternehmertum, er war Gründungspräsident des Westfälischen Golfclubs Gütersloh und Jagdfreund von Rudolf Miele. Sein Ruf als Bildhauer strahlte weit über die Region hinaus. 1972, ein Jahr bevor der Wasserträger seinen Platz an Ibrüggers Teich fand, starb er.

Dass der Unternehmerverband in dieser Geschichte eine derart tragende Rolle gespielt habe, sei ihm bislang unbekannt gewesen, sagte Burkhard Marcinkowski, seit 2007 Geschäftsführer des Verbandes. Ob sich der Arbeitgeberverband vorstellen könne, Geld für eine Wiederbeschaffung zu geben, sei eine Frage, die er zur Zeit nicht beantworten könne und die gegebenenfalls in den zuständigen Gremien beraten werden müsse.

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