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Am Miele-Stammwerk in Gütersloh sollen bis 2025 weitere 650 Stellen wegfallen. - © Andreas Frücht
Am Miele-Stammwerk in Gütersloh sollen bis 2025 weitere 650 Stellen wegfallen. | © Andreas Frücht

Wirtschaft Miele will mehr als 1.000 Stellen abbauen - vor allem in Gütersloh

Die Pläne bis 2021 sind erstmals konkret. Bis 2025 sollen allein 650 in Gütersloh wegfallen.

Ludger Osterkamp
30.10.2019 | Stand 31.10.2019, 08:07 Uhr

Gütersloh. Die Einschnitte bei Miele werden immer tiefer. Der Hausgerätehersteller hat angekündigt, nicht nur in der Produktion, sondern auch in den Büros massiv Stellen zu streichen. Insgesamt fallen weltweit mehr als tausend Arbeitsplätze weg. Schrumpfen wird vor allem das Stammwerk in Gütersloh. Miele begründet seinen Sparkurs mit „immer aggressiveren Preisen" von Konkurrenten aus Asien und einer eingetrübten Konjunktur in wichtigen Märkten.

Das Familienunternehmen informierte Belegschaft und Öffentlichkeit am Mittwoch. Demnach beabsichtigt Miele, bis Ende nächsten Jahres 1.070 Stellen in Verwaltung und Vertrieb zu streichen. Davon entfallen 240 auf Deutschland, vornehmlich auf Gütersloh. Im Gegenzug will Miele zwar 470 neue Jobs schaffen – jedoch an anderen, teils neuen Standorten. So beabsichtigt Miele, sein digitales Marketing, das Online-Geschäft und die Abteilung Digital Analytics in eine neue Niederlassung nach Amsterdam zu verlagern.

Das neue Waschmaschinenwerk in Polen ist schon angelaufen

Den Gütersloher Stammsitz treffen die Pläne empfindlich. Bereits bekannt ist, dass Miele Teile seiner Waschmaschinenfertigung ins polnische Ksawerow (bei Lodz) verlagert, wo die Produktion in diesen Tagen mit 130 Beschäftigten angelaufen ist. Dadurch sollen im Gütersloh Gerätewerk (GTG) innerhalb der nächsten sechs Jahre weitere 650 Stellen wegfallen; 120 wurden nach Firmenangaben bereits seit Sommer abgebaut.

Während die Geschäftsleitung den Abbau in der Fertigung über Altersregelungen bewerkstelligen will, schließt sie in Verwaltung und Vertrieb betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. „Wo eben möglich", wolle man sie aber vermeiden, hieß es. Zeitnah würden dazu Gespräche mit dem Betriebsrat geführt. „Die Geschäftsleitung wird alles daran setzen, verantwortungsvolle und sozialverträgliche Lösungen zu finden, die im Einklang mit den Werten des Unternehmens stehen", heißt es dazu in einer Erklärung.

In Gütersloh arbeiten 2.100 Mitarbeiter in der Hauptverwaltung

Der Gütersloher Betriebsratsvorsitzende Klaus Niebusch sagte, die Belegschaft sei in Sorge, weil der Personalabbau nun auch die Hauptverwaltung erfasse. „Es ist eine neue Dimension erreicht." Der Betriebsrat werde beim Abbau auf humane und verantwortungsvolle Lösungen drängen. In Gütersloh sind 2.100 Mitarbeiter in der Hauptverwaltung und 460 in der Vertriebsgesellschaft Deutschland tätig.

Mit den Einschnitten will Miele weltweit rund 190 Millionen Euro einsparen. Der Großteil davon, so die Geschäftsleitung, werde über Sachkosten realisiert. Beim Personal will Miele „Parallelstrukturen abbauen" und „länderübergreifend Kräfte bündeln"; ausgedünnt werden hauptsächlich die ausländischen Vertriebsgesellschaften, aber auch Service, Logistik, IT und das Finanzwesen verlieren Personal.

Teile der Finanzverwaltung werden ins polnische Posen verlegt

Wie berichtet, will Miele zum Jahreswechsel etwa Teile der Finanzverwaltung („Shared Service Center", SSC) im polnischen Posen konzentrieren; dort sollen langfristig bis zu 250 Mitarbeiter tätig sein und standardisierte Aufgaben in der Buchhaltung und Lohnverwaltung übernehmen. Ein weiteres SSC ist offenbar für Standardvorgänge im Vertrieb geplant – dessen Standort ist noch offen, könnte aber ebenfalls in Osteuropa liegen. Grundlage für viele Vorschläge ist ein Gutachten, das die Unternehmensberater von McKinsey unter dem Titel „Design2Excellence" geliefert hatten.

Mit den Einsparungen will Miele den Spielraum schaffen, um sich „120 Jahre nach der Gründung grundlegend neu aufzustellen." Geplant sei „die größte Wachstums- und Innovationsoffensive in der Geschichte des Unternehmens". Konkret will Miele seine Digitalkompetenz stärken, neue Geschäftsfelder erschließen und den weltweiten Vertrieb schlagkräftiger machen. Ferner soll das Tempo bei der Entwicklung neuer Geräte und Devices steigen.

Neue Niederlassung in Amsterdam, weil leichter Digital-Personal zu finden ist

Im Zuge dieses Umbaus will Miele zugleich eine neue Führungsstruktur etablieren. Das operative Geschäft wird in acht Einheiten untergliedert, die für Umsatz, Kosten und Ergebnis selbstverantwortlich sind. Miele erhofft sich davon kürzere Abstimmungs- und Entscheidungswege. Bei den Großgeräten für die Firmen („Professional") und der Medizintechnik – beides Wachstumssparten – werde die direkte Verantwortung für den weltweiten Vertrieb und Service von den Vertriebsgesellschaften der Länder auf eine dieser Einheiten übertragen.

Als weitere, neue Einheit wird die „New Growth Factory" geschaffen, die als eine Art Ideenschmiede dafür da ist, neue Erlösquellen zu erschließen. Die neue Digitaleinheit („Digital Hub Marketing & Sales") wird in Amsterdam angesiedelt, weil es dort leichter ist, Fachkräfte zu gewinnen. „Die Spezialisten, die wir hier zusätzlich brauchen, zieht es in aller Regel in die angesagten Metropolen", so ein Sprecher. Mit Amsterdam unterstreiche Miele seinen Anspruch als global aufgestelltes Unternehmen. Voraussichtlich wird die Niederlassung mit bis zu 50 Mitarbeitern an den Start gehen.

Links zum Thema
Das denken die Ostwestfalen wirklich über Miele, Gauselmann & Co.


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