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Jobs in Gefahr: Im Gütersloher Gerätewerk sollen 770 Stellen wegfallen. In Polen ist der Aufbau einer Finanzverwaltung geplant. - © Andreas Frücht
Jobs in Gefahr: Im Gütersloher Gerätewerk sollen 770 Stellen wegfallen. In Polen ist der Aufbau einer Finanzverwaltung geplant. | © Andreas Frücht

Gütersloh Stellenabbau bei Miele: Jetzt müssen sogar 770 Mitarbeiter gehen

Im Gütersloher Gerätewerk sollen in den nächsten Jahren nun 770 Stellen wegfallen - 270 mehr als bislang bekannt. Außerdem ist in Polen der Aufbau einer neuen Finanzverwaltung geplant.

Ludger Osterkamp
23.08.2019 | Stand 23.08.2019, 13:45 Uhr

Gütersloh. Miele plant in seinem Gütersloher Gerätewerk (GTG) einen größeren Stellenabbau als bislang bekannt. Statt 500, wie bisher genannt, sollen bis zum Jahr 2025 nun 770 Stellen wegfallen. Zugleich bestätigt Miele, dass es in Polen neben dem Waschmaschinenwerk eine weiteren Standort für eine Finanzverwaltung plant. Die neue Niederlassung soll schon um den Jahreswechsel herum in Posen eröffnen, rund 200 Kilometer vom Waschmaschinenwerk in Ksawerow (bei Lodz) entfernt. Sie soll sich länderübergreifend um Aufgaben des Finanzwesens kümmern. Langfristig sollen in dem sogenannten Shared Service Center (SSC) bis zu 250 Mitarbeiter beschäftigt sein. Die IG Metall befürchtet Auswirkungen auf Gütersloh In welcher Weise sich das SSC auf Gütersloh und andere Miele-Standorte auswirkt, ist noch unklar. Die IG Metall befürchtet, dass dadurch in Deutschland Stellen in der Verwaltung gefährdet sein könnten. Mitarbeiter für Finanzen und Buchhaltung finden sich in vielen Werken, besonders ausgeprägt ist dieser Bereich am Stammsitz in Gütersloh. Größere Bedeutung für den Hauptsitz dürfte freilich die Entwicklung in der Waschmaschinenfertigung haben. Laut Unternehmenssprecher Carsten Prudent habe Miele für das Gerätewerk intern ein "Zielbild" von 1.450 Beschäftigten kommuniziert - bezogen auf das Jahr 2025. Da aktuell im GTG 2.220 Mitarbeiter beschäftigt seien, entspreche das einem Abbau von 770 Stellen. Bei den 500 Arbeitsplätzen, von denen zuvor die Rede war, habe es sich lediglich um jene gehandelt, die über die Altersstruktur, sprich Renteneintritt, wegfallen. Geschäftsleitung will ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen Prudent betont, es gelte weiterhin das Ziel, "den notwendigen Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen zu erreichen." Wie sich dieses Ziel am besten organisieren lasse, dazu gebe es "intensive und konstruktive Verhandlungen" mit dem Betriebsrat und der IG Metall. Die von der Gewerkschaft in einem Flyer genannte Zahl von einem Verlust von 1.000 Arbeitsplätzen sei von Miele weder genannt worden noch sei sie realistisch. Insgesamt arbeiten bei Miele in Gütersloh rund 5.300 Menschen. Der übliche Sonderbonus fällt dieses Jahr weg Dass Miele in diesem Jahr seinen Beschäftigten keine Bonuszahlung überweist, bestätigt der Unternehmenssprecher. Es gebe dafür keinen Spielraum. "Diese Entscheidung folgte der deutlichen Abkühlung der Gesamtmärkte bei zugleich weiter steigenden Kosten", so Prudent. In den vergangenen Jahren habe die freiwillige, übertarifliche Sonderzahlung zwischen 10 und 25 Prozent eines Monatsgehaltes gelegen. Über das Shared Service Center in Polen hatte die Geschäftsleitung die Belegschaft noch vor den Werksferien informiert. In einer Betriebsversammlung und einem anschließenden Schreiben erklärte sie, das SSC übernehme Aufgaben des Finanzwesens. "Im Schwerpunkt geht es um Routinevorgänge bei der Buchhaltung und im kaufmännischen Berichtswesen ('Reporting'), also die Aufbereitung von Geschäftszahlen". Standardisierung soll Kosten sparen Nach aktueller Planung werde dass SSC mit etwa 20 Beschäftigen seinen Betrieb aufnehmen. Von dort würden erste Vertriebsgesellschaften pilotweise betreut. Ebenso werde erwogen, die Rechnungsprüfung, 2015 an einen Dienstleister in Polen übertragen, dort wieder in Eigenregie zu übernehmen. Miele gehe davon aus, dass eine Standardisierung und die weltweite Vernetzung der Finanzprozesse im SSC Kosten spare. Der Standort werde schrittweise ausgebaut, beziehe nach und nach weitere Länder "und in einer späteren Ausbaustufe" auch Deutschland mit ein. Die genaue Zeitschiene sei noch nicht festgelegt. Waschmaschinenfertigung in Polen läuft 2020 an Offen sei, in welcher Weise sich der Aufbau des SSC auf den Zuschnitt von Abteilungen in Gütersloh und für die Werke bedeutete; der Betriebsrat werde bei allen Entscheidungen eingebunden. In einem Schreiben der IG Metall ("miele-tarifnews") wird der Gütersloher Betriebsratsvorsitzende Klaus Niebusch mit der Ansicht wiedergegeben, das SSC betreffe alle Miele-Standorte. "Dass administrative Abläufe stärker standardisiert und damit besser handhabbar und kontrollierbar werden, ist bei großen Unternehmen kein unüblicher Vorgang. Die Frage ist aber, wo, wann konkret, wie umfangreich und zu welchen Bedingungen das geschieht", so Niebusch in dem Schreiben. Wie beim Gütersloher Gerätewerk gelte, dass die Beschäftigung in diesem Bereich abgesichert werden müsse. Seine Waschmaschinenfertigung in Ksawerow will Miele Anfang nächsten Jahres mit zunächst 400 Mitarbeitern hochfahren. Dort werden hauptsächlich Frontlader gebaut.

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