Seit 20 Jahren sitzt sie hier: Tanina am Mikrofon im Studio. - © Andreas Frücht
Seit 20 Jahren sitzt sie hier: Tanina am Mikrofon im Studio. | © Andreas Frücht

Gütersloh Tanina Rottmann moderiert seit 20 Jahren bei Radio Gütersloh

Tanina Rottmann ist die bekannteste Stimme des heimischen Lokalsenders. Vor exakt 20 Jahren moderierte sie das erste Mal die Frühsendung.

Ludger Osterkamp
14.06.2019 | Stand 14.06.2019, 16:39 Uhr

Gütersloh. Auf der Internetseite von Radio Gütersloh antwortet Tanina Rottmann auf die Frage, was sie als Kind mal werden wollte, folgendes: "Groß, reich und schön. Ich finde, das habe ich sauber hingekriegt." Unterschlagen hat sie in dieser Aufzählung das treffendste Attribut: Bekannt. Die 45-Jährige dürfte die meistgehörte Stimme im Kreis Gütersloh sein. Seit exakt 20 Jahren moderiert sie die Morgensendung. Manchmal, sagt Rottmann, geht sie über den Wochenmarkt und wird von Fremden angesprochen. "Sie sind doch die von Radio Gütersloh! Ich habe Ihre Stimme erkannt." Bei Tanina Rottmann versteht man das. Ihre Tonlage ist in den 20 Jahren tiefer geworden, rauer, aber unverändert markant. Wer sie einmal gehört hat, vergisst das meistens nicht. Wer ihr einmal leibhaftig begegnet ist, auch nicht. Sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist Rottmann ist die Moderatorin mit der Lizenz zum Anderssein. Sie hat das Herz am rechten Fleck und redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Im Schnitt 70.000 Hörer schalten sich kreisweit morgens ein, wenn Tanina als fröhlicher Morgenengel verschlafene Muffelköpfe mit ihren flotten Sprüchen in den Tag begleitet. Dass sie kesser ist als ihre Kollegen, wird ihr von den Hörern nicht übel genommen, im Gegenteil: Gerade ihre unverstellte Art, ihre Neuenkirchener Kodderschnauze kommt an. Gestern, nach ihrer Jubiläumssendung, kamen zig Hörer zum Studio an die Kahlertstraße, um ihr zu gratulieren und mit ihr plaudern zu können. Autofahrer winkten aus den Seitenscheiben, Müllwagenfahrer legten einen Stopp ein, um ihr alles Gute zu wünschen. Viele bleiben eine Weile - das Radioteam um Chefredakteur Carsten Schoßmeier hatte eine Bratwurstbude und einen Eisstand organisiert. Viele hatten sich rote Perücken aufgesetzt. Nullkommanull Erinnerung an die erste Sendung "Der rote Feger von Radio Gütersloh" - so hatte die NW Ende der 90er Jahre getitelt, als die junge Brünette zum Vorzeige-Gesicht des Mediums und einer ganzen Branche aufstieg. Noch Volontärin, war sie mit gerade 25 Jahren ("Ich hatte meine Schachtelparty noch gar nicht richtig verdaut") ins kalte Wasser geworfen worden. Sie hatte eine Woche bei Wolfgang Leikermoser von Antenne Bayern hospitiert, dann ging es los: Kopfhörer auf, vors Mikrofon gesetzt und: "Hallo Wach". "Ich habe Nullkommanull Erinnerung an meine erste Sendung", sagt Rottmann. Es seien einige Hörerkommentare eingegangen, lobende vor allem, doch der einzige, der bei ihr hängen blieb, lautete so: "Die Neue hat den Charme einer Holzkuh". Sie erzählt das und lacht sich noch heute scheckig darüber. Nie habe sie es darauf angelegt, anders als viele Moderatoren zu sein. "Ich bin wie ich bin. Das ist mein Naturell." Die gute Laune sei nicht gespielt und trage dazu bei, dass sie nichts so schnell aus der Bahn werfe. Frühmorgens wie auf Knopfdruck funktionieren zu müssen, empfinde sie gar nicht so. "Es fällt mir nicht schwer. Ich komme gut aus den Federn und sehe zu, dass ich ordentlich vorbereitet bin. Der Rest ergibt sich von alleine." Vor zwei Jahren auf Doppelmoderation umgestellt Dass der Lokalsender vor zwei Jahren auf Doppelmoderation umstellte, sei richtig gewesen. "Das ist der Trend. Es ist erwiesen, dass das bei den Hörern besser ankommt." Seither bildet sie meistens mit Philipp Bernstein das Morgengespann. "Tanina ist unser kleines rotes Goldstückchen", sagt ihr Chef Carsten Schoßmeier. Unter den Lokalradios in Nordrhein-Westfalen gebe es wohl kaum jemanden, der seit 20 Jahren die Morgensendung moderiert. "Das ist eine Leistung, vor der ich höchsten Respekt habe." Schoßmeier war damals noch gar nicht lange Chefredakteur beim heimischen Lokalsender, als er das Talent der neuen Mitarbeiterin erkannte. Mit ihrem Bekanntheitsgrad geht Rottmann gelassen um. "Ich lasse mich davon nicht verrückt machen und verstelle mich nicht." Von vielen Firmen und Verbänden wird sie eingespannt, um munter durch eine Diskussion zu führen. Das liegt ihr. Promi-Spielchen mit Liz Mohn Eine vierstündige Mitgliederversammlung der Volksbank? Kein Problem, das kann man mit Tanina auch angeregt überstehen. Ein wohltätiges Promi-Spielchen mit Liz Mohn? Mit Tanina an ihrer Seite wird auch die Bertelsmann-Grande locker. Eine Diskussionsrunde mit lauter Anzugträgern bei der Grundsteinlegung des Bahnhofsquartiers Gleis 13? Da scheut sie sich nicht, zwei smarte Manager mit Zopffrisuren als "Beach Boys" anzusprechen. "Ich komme in solchen Settings prima klar", berichtet sie. Sie sei eine Rampensau. Als Schülerin hatte sie am Rietberger Nepomucenum beim "Eingebildeten Kranken" die Hauptdarsteller an die Wand gespielt, da lag es nahe, mit dem Gedanken zu spielen, Schauspielerin zu werden. Dass sie sich für eine andere Bühne entschieden hat, danken ihr die Hörer.

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