Stefan Schneider zeigt seiner Tochter Kate, wie sie den Minigolf-Schläger halten muss. - © Andreas Frücht
Stefan Schneider zeigt seiner Tochter Kate, wie sie den Minigolf-Schläger halten muss. | © Andreas Frücht

Gütersloh Nachgefragt: Lohnt sich ein Minigolf-Platz heute überhaupt noch?

Früher war Minigolf-Spielen der totale Renner. Heute sieht man nur noch wenig nutzbare Plätze in der Region. Wie rentabel ist das Freizeitangebot überhaupt noch?

Ingo Müntz
12.05.2019 | Stand 10.05.2019, 15:36 Uhr

Gütersloh. „Ich bin zum Golfen und gewinnen hier", sagt der selbstbewusste Leo und trägt seine Punkte ein. Gemeinsam mit Schwester, Papa, Oma und Opa verbringt der Zehnjährige ein paar Stunden auf der Minigolfanlage im Gütersloher Stadtpark. Wenn Ulrich Schneiders Sohn und die Enkel zu Besuch sind, möchte die Familie die Zeit gemeinsam verbringen. Sie sind aus Karlsruhe angereist, „und die Kinder wollen ja auch ein wenig beschäftigt werden", sagt Sohn Stefan Schneider. Das Interesse an Minigolf im Stadtpark scheint bei gutem Wetter ungebrochen. Andreas Reize hatte den Platz schonam Karfreitag hergerichtet. „Das Wetter war gut und wir konnten öffnen. Die Öffnungszeiten hängen immer vom Wetter ab", sagt der Platzwart. 2018 hatten sie erst im Mai den Platz herrichten können. Jetzt konnten bereits im April mit Hochdruckreiniger und Gebläse die Bahnen, Wege und Terrasse, mit dem Mäher das Gelände vorbereitet werden. „Die 20 Spieler an diesem Wochentag gegen Mittag sind bei gutem Wetter eigentlich normal", sagt Andreas Reize. Wildes Gefuchtel mit dem Schläger kann zu Verletzungen führen Der Platz sei halt gut gelegen, mitten im Park. Inzwischen sei es häufig Laufkundschaft, die den Platz aufsuchten. „Ich bin jetzt zehn Jahre in der Ausgabe. Neben Schlägern und Bällen herausgeben, muss ich natürlich auch einen Blick auf die Spieler haben. Insbesondere wenn Schulklassen kommen", sagt er. Denn das wilde Gefuchtel mit den Schlägern könne schnell zu Verletzungen führen. Es gebe aber auch Tage, an denen vielleicht nur 25 bis 30 Euro ungesetzt werden. Das könne im Saisongeschäft natürlich passieren. „Die Betriebskosten bleiben allerdings", sagt Pächter Gerd Höppner am Telefon. Auf die Nachfrage, ob er also keine Reichtümer mehr mit dem Minigolfplatz verdienen werde, lacht er. „Ich habe den Platz seit 1973. Zwischenzeitlich hatte ich auch Plätze in Münster, Paderborn und Soest." Auch bei schlechtem Wetter bleiben Kosten für Wasser, Pacht und Co. Geblieben ist der in Gütersloh, den er von seinem Vater Richard übernommen hatte. Er zahle zwar nicht drauf, dennoch blieben auch bei schlechtem Wetter die Kosten für Wasser, Pacht, Strom und Personal. „Früher konnte man Rentnern einen Pauschalbetrag zahlen, die haben dann auf die Bahn acht gegeben." Heute sei das durch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse deutlich anders. Auch im Freizeitverhalten der Menschen habe sich viel verändert. „Bis in die achtziger Jahre sind die Leute gezielt auf den Platz gekommen. Heute ist das Angebot in der Stadt und im Umland unglaublich vielfältig, viele Biergärten kamen auf. Es ist immer was los. Außerdem sind die Menschen viel mobiler geworden", sagt Gerd Höppner. Inzwischen ist sein Sohn aktiv bei der Pflege des Platzes; auch die Enkel. Wenn man das nicht selbst mache, wäre es betriebswirtschaftlich nicht mehr tragbar. „Dass vielleicht einer meiner Enkel den Platz übernimmt, kann sein. Man ist nicht abgeneigt", sagt der 70-Jährige, der in Kühlungsborn noch ein Geschäft unterhält – überwiegend durch Laufkundschaft. Während Leo eifrig die Punkte aufschreibt, übt seine Schwester Kate mit dem Papa ihre Geschicklichkeit. Der spielt im realen Leben Golf und gibt Tipps. Kate ist recht entspannt. „Ach", sagt sie und lacht Oma Birgit an, „das ist nicht schlimm, wenn man verliert. Es ist ja nur ein Spiel."

realisiert durch evolver group