Die Taxibetriebe im Kreis wollen zumindest im übertragenen Sinne nicht im Regen stehen. - © Raimund Vornbäumen
Die Taxibetriebe im Kreis wollen zumindest im übertragenen Sinne nicht im Regen stehen. | © Raimund Vornbäumen

Gütersloh Taxifahren in Gütersloh wird teurer

Die Unternehmen sehen sich gezwungen, über höhere Preise den steigenden Mindestlohn aufzufangen - und das schon ab 1. März

Gütersloh. Taxifahren im Kreis Gütersloh dürfte in Kürze teurer werden. Der Branchenverband hat eine Erhöhung der Preise um circa zehn Prozent schon ab 1. März beantragt. Die Taxibetriebe begründen den Vorstoß mit dem höheren Mindestlohn und den gestiegenen Fahrzeugkosten. Der Antrag, gestellt vom Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs NRW, liegt dem Kreis schon seit Mitte September vor – der Kreis ist zuständig, weil für eine Änderung der Taxipreise ein Beschluss der Politiker im Kreistag erforderlich ist. Die Fraktionen haben die Wirtschaftlichkeit der Taxibetriebe gegen das öffentliche Gemeinwohl abzuwägen – Taxifahrten gelten als wichtige Säule des ÖPNV, sind jedoch nicht subventioniert. Am 25. Februar steht das Thema auf der Tagesordnung. Letzte Preiserhöhung gab's 2015 Zuletzt waren die Preise im Februar 2015 erhöht worden. Nach dem nun vorliegenden Antrag soll der Grundpreis von Montag bis Samstag tagsüber (6.00 bis 22.00 Uhr) von 3,30 auf 3,60 Euro steigen; nachts sowie an Sonn- und Feiertagen würden demnach nicht mehr 3,80, sondern 4,10 Euro verlangt. Der Kilometerpreis soll werktags tagsüber von 1,90 auf 2,10 Euro, nachts sowie an Sonn- und Feiertagen von 2 auf 2,20 Euro steigen. Auch der Wartezeitenzuschlag, also jene Zeit, bei der man mit dem Taxi im Stau steht, soll steigen: von 30 auf 33 Euro pro Stunde. Anhebungen sind auch bei den Großraumtaxis und bei den Behindertentransporten geplant. Vorgeschlagene Erhöhung moderat? Um zu ergründen, ob die Taxiunternehmer mit diesen Vorschlägen einverstanden sind, hatte der Verband die 38 Betriebe im Kreisgebiet angeschrieben. 30 antworteten – davon sprachen sich 22 für und acht gegen die Erhöhung aus. In anderen Regionen Ostwestfalen-Lippes, so auch in Bielefeld, werden derzeit ebenfalls die Preise erhöht. Der Verband verweist darauf, dass in den vergangenen vier Jahren der Mindestlohn von 8,50 auf 9,19 Euro gestiegen ist und zum 1. Januar 2020 die nächste Erhöhung auf 9,35 Euro bevorsteht. Gestiegen seien auch die Kosten für den Kauf neuer Autos (plus 5,8 Prozent), für den Treibstoff (8,46 Prozent) und für Reparaturen, Inspektionen und Wagenwäsche (14 Prozent). Die vorgeschlagene Erhöhung der Tarife sei eher moderat. Drohende Konkurrenz durch Uber „Es sind in erster Linie die Personalkosten, die für eine Anhebung sprechen", sagt Taxiunternehmerin Scarlett Hermreck (14 Taxis). Während der Dieseltreibstoff kaum teurer geworden ist, schlägt der Mindestlohn ins Kontor. „Ich bin ein Befürworter des Mindestlohnes, aber ich komme nicht umhin, die Kosten weiterzugeben." Car Sharing, selbstfahrende Autos, die drohende Konkurrenz durch Uber – auf die Branche komme ohnehin ein Umbruch zu. „Wir sehen die Erhöhung mit einem lachenden und weinenden Auge" sagt Wolfgang Böcker von der Vereinten Taxi-Zentrale. Die Firma, in Gütersloh und Verl mit 16 Taxis und sechs Mietwagen unterwegs, habe bei insgesamt gleichbleibenden Fahrgastzahlen höhere Lohnkosten. Darauf müsse man reagieren, ob man wolle oder nicht. Die Dieseldebatte wirke sich dagegen bislang eher wenig aus: E-Taxis seien wegen der geringen Reichweite noch keine echte Alternative, Hybrids zu teuer. Und noch seien Fahrverbote im Kreis nicht absehbar. Als bedeutsam stuft der Kreis ein, dass der gesonderte Tarif für die Behindertentransportwagen auf jeden Fall erhalten bleibt; Menschen, die nur im Rollstuhl sitzend befördert werden können, profitieren davon. Durch diesen seit Jahrzehnten geltenden Sondertarif sei es gelungen, dass es im Kreisgebiet eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Rollstuhltaxen gibt: Der Versorgungsschlüssel liegt bei zehn Prozent, mehr als dreimal so hoch wie etwa in Berlin.

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