Thomas Bühner (56, r.) hegt eine besondere Vorliebe für die westfälische Küche. In der Kunst, sie gut zuzubereiten und ihr einen besonderen Pfiff zu verleihen, darin unterweist er seit mehreren Wochen schon Frederik Lange (v.l.), Peter Lieftüchter, Karl Bagnutzki und Anke Summer. - © Andreas Frücht
Thomas Bühner (56, r.) hegt eine besondere Vorliebe für die westfälische Küche. In der Kunst, sie gut zuzubereiten und ihr einen besonderen Pfiff zu verleihen, darin unterweist er seit mehreren Wochen schon Frederik Lange (v.l.), Peter Lieftüchter, Karl Bagnutzki und Anke Summer. | © Andreas Frücht

Gütersloh Sterne-Koch kreiert Karte für Gütersloher Gastronomie-Unternehmen

Thomas Bühner, einer der weltweit besten Köche, hilft dem Gastronomie-Unternehmen Schenke beim Entwickeln einer pfiffigen westfälischen Küche

Ludger Osterkamp

Gütersloh. „Mit Kaviar kann jeder was Leckeres anstellen. Aber kriegen Sie mal einen Kartoffelsalat hin, von dem die Gäste sagen, das sei der beste der Welt!" So einfach – und so kompliziert – stellt sich die Welt der Gaumengenüsse für Thomas Bühner dar. Der vielfach ausgezeichnete Sternekoch, einer der renommiertesten im Lande, stellt sein Wissen nun dem neuen Schenkenhof zur Verfügung. Dem Gastronomieunternehmen Schenke ist damit ein Coup gelungen. „Einfach mal versuchen", hatte sich Reiner Schenke gedacht, als im Sommer die Nachricht von der plötzlichen Schließung des Osnabrücker Gourmet-Restaurants „La Vie" aufschlug. Acht Jahre lang hatte Bühner dort gekocht, dem La Vie zu seinem dritten Michelinstern verholfen und es selbst zum „Koch des Jahres" gebracht, als er von einem Tag auf den anderen, mit dem Entzug der Gunst der Unternehmensgruppe Georgsmarienhütte, ohne festes Engagement dastand. Hegt Bühner jetzt Sterne-Ambitionen in Gütersloh? „Ich mache das gerne. Mich reizt diese Aufgabe", sagte der unprätentiöse Spitzenkoch (56) gestern. Die Schenkes hätten verstanden, ihn zu begeistern. Selbst im westfälischen Riesenbeck geboren, finde er es reizvoll, eine Speisekarte zu kreieren, die sich durch regionale „und richtig gut gekochte westfälische Küche" auszeichne. Aus Grünkohl und Lammhaxe könne man etwas Tolles schaffen. Sterne-Ambitionen hege er in Gütersloh nicht, betonte Bühler. Auch Reiner und Jeannette Hölscher-Schenke sagten, das sei nicht der Anspruch. Ohnehin wird Bühner nicht selbst kochen – er berät nur. Seit zehn Wochen ist er regelmäßig in Gütersloh, um gemeinsam mit dem Küchenteam die Speisekarte auszuarbeiten und einige kulinarische Ideen zu entwickeln. Beispiel: Statt Griebenschmalz mal Steckrübencrème mit Aioli servieren. 20 bis 25 Gerichte sollten abends auf der Karte stehen, mehr müsse gar nicht sein. Besser sei es, immer mal wieder zu wechseln. Wie lange bleibt der Sterne-Koch hier? Mehrfach hat Bühner mit dem Schenkenhof-Küchenteam inzwischen Probe gekocht. Er sei überrascht gewesen, auf welchem Niveau hier agiert werde. Die Rolle des Chefkochs hat Peter Lieftüchter inne, an seiner Seite agiert Karl Bagnutzki, vormals Lind-Hotel. Anke Summer (vormals Gasthof Groppel) hat die Hoheit über den Mittagstisch, Frederik Lange und Lukas Schumacher komplettieren das Team. Am 26. November wird der demnächst denkmalgeschützte Schenkenhof, vormals Upmann, öffnen. Wie lange sein Engagement in Gütersloh währt, könne er nicht sagen, so Bühner. Anfang nächsten Jahres werde er über seine weitere Zukunft entscheiden, was bedeute, dass er den Schenkenhof auf jeden Fall noch die gesamte Anfangsphase begleite. Zurück zum La Vie, inzwischen im Besitz von Heinrich W. Risken, Vorstandschef der Heristo AG, gehe er nicht – dort sind die Sterne-Zeiten mit dem Eigentümerwechsel ohnehin vorbei. „Ich weiß, dass Thomas Bühner Angebote aus aller Welt hat", sagte Reiner Schenke. „Dass er sich für uns Zeit nimmt, finden wir einfach nur großartig."

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