Der Fleischproduzent Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück. - © picture alliance
Der Fleischproduzent Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück. | © picture alliance

Kreis Gütersloh Mehr Schlachtungen bei Tönnies: Bündnis fordert Genehmigungsstopp

Tönnies-Gegner wollen, dass erst die Ursache für die multiresistenten Keime in der Ems geklärt werden. Welche Rolle spielt der Schlachthof dabei?

Anja Hustert

Kreis Gütersloh. Das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung fordert, die Genehmigung für die Erweiterung des Unternehmens in Rheda-Wiedenbrück zu stoppen. Wie berichtet, ist eine Umweltverträglichkeits-Vorprüfung nun abgeschlossen, mit einer Genehmigung der Kapazitätsausweitung durch den Kreis Gütersloh ist in Kürze zu rechnen. Tönnies möchte 30.000 Tiere am Tag schlachten, bisher liegt die Grenze bei 26.000 Schlachtungen. Das Bündnis gegen die Erweiterung, dem mehreren Parteien, Tierschutz-Organisationen und Naturschutz-Verbände angehören, nimmt den Fund von multiresistenten Keimen in der Ems zum Anlass, eine Aussetzung der Genehmigung zu fordern. „Bernhard Bußwinkel vom Kreis Gütersloh hat recht: die Keimbelastung der Ems kann viele Ursachen haben. Das Vorkommen multiresistenter Keime flussaufwärts der Kläranlage spricht für die Massentierhaltung als einem der Verursacher. Aber auch Krankenhäuser und Schlachthöfe sind potenzielle Verbreiter multiresistenter Keime.", schreibt das Bündnis. "Gipfel der Verharmlosung" Die Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU) rate darum zu einem Badeverbot und einem Verbot von Wassersport. Ein Rat, dem die Gütersloher Faltbootgilde nicht folgen will. Die Wassersportler sehen keine besondere aktuelle Gefahr beim Paddeln. Das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung stellt noch einmal heraus, dass bei der Untersuchung des Emswassers Keime gefunden wurden, die bis zu acht von vierzehn untersuchten Antibiotika immun sind. „Es wurden sogar Resistenzen gegen drei von vier Reserveantibiotika nachgewiesen. Reserveantibiotika kommen bei schweren Infektionen zum Einsatz, wenn alle anderen Antibiotika versagen.", so die Erweiterungsgegner, die auch auf eine Expertenanhörung zu multiresistenten Keimen im Wasser am 13. Juni im Bundestag verweisen. „Vor diesem Hintergrund könnte sich die Behauptung der Firma Tönnies, das Abwasser der Schlachtfabrik sei sauberer als häusliches Abwasser, als Gipfel der Verharmlosung erweisen", so das Bündnis. „Gütersloher werden sich damit nicht zufriedengeben" Tönnies-Sprecher André Vielstädte weist den Vorwurf, die antibiotikaresistenten Keime im Abwasser der Ems seien auf den Schlachthof zurückzuführen, scharf zurück. Tönnies betreibe mit einem hohen Aufwand die Behandlung des Schmutzwassers, das dem städtischen Teil der Kläranlage zugeführt werde. „Diverse Veröffentlichungen haben bereits auf den Nachweis von Antibiotikaresistenzen in ganz Deutschland hingewiesen", so Vielstädte. „Hieraus jetzt eine Kampagne gegen Tönnies zu machen, ist eine Milchmädchenrechnung des Bündnisses gegen die Tönnies-Erweiterung, um politisches Kapital zu schlagen", so der Unternehmenssprecher. Die Gütersloher Bürger werden sich mit der Vorgehensweise frei nach dem Grundsatz ,Was nicht vorschriftsmäßig getestet werden muss, wird auch sicherlich nicht vorhanden sein" nicht zufriedengeben", vermutet das Bündnis, das mehr als 15.000 Stimmen gegen die Erweiterung gesammelt hat. Die Umweltschützer fordern nun kreisweite Untersuchungen von Gewässern hinsichtlich der Resistenzbelastung. Es müssen die „hotspots" gefunden werden, an denen multiresistente Keime in die Gewässer gelangen. Und bis zur Klärung sei die Erweiterungs-Genehmigung für Tönnies auszusetzen.

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