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Was Hausbesitzer schick finden, ist für Vögel und Insekten eine Katastrophe. - © NABU/Dietmar Oeliger
Was Hausbesitzer schick finden, ist für Vögel und Insekten eine Katastrophe. | © NABU/Dietmar Oeliger

Kreis Gütersloh Droht jetzt ein Schotter-Verbot? NRW-Städte wollen Pflanzen statt Kies

Viele Kommunen sagen Stein- und Schotterwüsten vor dem Haus den Kampf an. Auch im Kreis Gütersloh wird über Vorgaben in Bebauungsplänen diskutiert

Anja Hustert
09.10.2018 , 08:30 Uhr

Kreis Gütersloh. Immer mehr Hausbesitzer tauschen das Grün im Vorgarten gegen Kies oder Schotter aus. Das mag man pflegeleicht und modern finden – ökologisch sinnvoll ist das nicht. Insekten und Vögel finden in den versiegelten Vorgärten keine Nahrung. Im Land – und auch im Kreis Gütersloh – regt sich Widerstand gegen diese Steinwüsten.

Die Stadt Waltrop am nördlichen Rand des Ruhrgebietes macht Bauherren in ihrem neu ausgewiesenen Baugebiet Vorgaben zur Gestaltung der Vorgärten. „Die unversiegelten Vorgartenflächen sind zu begrünen", heißt es laut Stadtsprecherin Patricia Neuhaus in dem Bebauungsplan. Außerdem dürfen maximal 50 Prozent der Fläche für Wege, Hauseingänge oder Parkplätze versiegelt werden.

Geröllwüsten sollen vermieden werden

Die Stadt Xanten nimmt neuerdings ebenfalls ein Verbot von Schottergärten in ihre Bebauungspläne auf. Und im lippischen Lemgo gibt es jetzt ein „Pflanzgebot", um Geröllwüsten zu vermeiden.

Im Kreis Gütersloh ist die Stadt Halle Vorreiter. Bei der Aufstellung des Bebauungsplanes zur städtebaulichen Neuentwicklung des Bereiches „Sandkamp" soll „lebensfeindliche Umgebung" zukünftig untersagt werden. Die Forderung, geschotterte Vorgärten aus klimatischen und ökologischen Gründen auszuschließen, wurde von den Natur- und Umweltschützern der BUND-Kreisgruppe in die Diskussion eingebracht und mehrheitlich vom Bauausschuss angenommen.

"Wir haben eine ökologische Verantwortung"

Helga Lange, Sprecherin der Kreistagsfraktion der Grünen. findet es wichtig, dass den Schottergärten Einhalt geboten wird. „Es ist eine grauenvolle Entwicklung, dass wir unsere Gärten mit Steinen zuschmeißen. Gerade in einer ländlichen Region wie dem Kreis Gütersloh haben wir auch mit unseren Gärten eine ökologische Verantwortung."

Im Stadtentwicklungsausschuss in Halle wurde auch die Durchsetzbarkeit einer solchen Maßnahme diskutiert. In Waltrop bemüht man sich da um den Dialog mit den Häuslebauern. Es gehe darum, mit Argumenten statt mit Strafandrohungen zu überzeugen, dass Steinwüsten eben nicht mehr zeitgemäß sind.

Gärtner ärgern sich schon länger

„Der Bebauungsplan in unserer Klimaschutzsiedlung regelt ja beispielsweise auch die Verwendung von heimischen Hecken statt Kirschlorbeer", sagt Stephan Walter, Leiter des Bauamtes in der Gemeinde Steinhagen. In der Kommune wird am Donnerstag im Bauausschuss über die sogenannten „Vorgärten des Grauens" diskutiert. Ein Bürgerantrag brachte – im wahrsten Wortsinne – den Stein ins Rollen. Ralf Upmann, Besitzer einer Baumschule, hat das Thema auf die Tagesordnung gebracht.

„Bei mir waren Kunden, die einen Baum vor ihr Haus stellen und dann den Rest mit Schotter auffüllen wollten", erzählt der Gärtnermeister. Klar, dass solche Aussagen den Chef einer Bio-Baumschule auf die Palme bringen. „Wir Gärtner ärgern uns schon lange über das Thema Schottergärten."

Weniger Platz für Pflanzen und Tiere

Denn je mehr Fläche versiegelt werden, umso weniger Platz bleibt für Pflanzen und Tiere. Daher versuchen besonders Umweltverbände über die Nachteile der ach so modernen Kiesbeete aufzuklären.

„Gerade Vorgärten und kleine Grünflächen haben eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt", heißt es beispielsweise beim NABU (Naturschutzbund Deutschland). Die Grünflächen liefern saubere, frische Luft. Kies- und Steinflächen heizen sich dagegen stärker auf, speichern Wärme und strahlen sie wieder ab – das wurde besonders in Städten in diesem Jahr zum Problem. Da Kiesgärten meist durch Folien komplett versiegelt seien, könnten sie bei Starkregen auch kein Wasser aufnehmen – Überschwemmungen werden begünstigt, gibt die NRW-Sprecherin des NABU zu bedenken.

Zeichen für Natur-Entfremdung?

„Diese Schottergärten sind ein Zeichen für eine immer größere Natur-Entfremdung", so Upmann. „Warum werden in Stab-Gitterzäune Plastikbänder geflochten, anstatt sie mit Efeu zu begrünen?" Das Argument der Zeitersparnis lässt er nicht gelten. „Eine 50-Meter-Hecke ist in zwei Stunden an einem Samstagvormittag geschnitten." Die Steinschüttungen seien mitnichten pflegeleichter. In den Steinfugen würden sich auch Gräser und Pflanzen ansiedeln.

Wie Elisabeth Menke, Sprecherin der Stadt Gütersloh sagte, sei das Thema „Schottergärten" durchaus im Focus. „Bislang haben wir aber ein Verbot noch in keinem Bebauungsplan verankert." Umweltdezernentin Christine Lang appellierte im Sommerinterview mit dieser Zeitung an die Verantwortung eines jeden Einzelnen und sprach von der „Unsitte, aus Bequemlichkeit seinen Garten mit Steinen zuzuschütten".

Kreis Gütersloh will auch aktiv werden

Auch der Kreis Gütersloh will gegen Steinwüsten im Vorgarten aktiv werden. Wie Wilhelm Gröver, Leiter der Abteilung Umwelt beim Kreis, erläutert, habe gerade vor einer Woche der Kreis-Umweltausschuss die Unterstützung des Projektes „Artenreiche Lebensräume" beschlossen. „Ziel ist es die Biodiversität auf dem Land zu erhalten", so Gröver.

Im kommenden Jahr wolle man auf die Gartenbesitzer zugehen und sie mit Infomaterial über naturnahe Gärten informieren. Beispielgärten sollen nach Art der „offenen Gartenpforte" gezeigt werden, Gartenbotschafter die Privatgartenbesitzer beraten. Gröver hofft, dass nach dem Trend mit den Schotter-Vorgärten dann eine „artenreiche Vorgärten-Blühphase" folgt.

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