Immer wieder ziehen sich Männer vor fremden Kindern oder Frauen aus. - © picture alliance
Immer wieder ziehen sich Männer vor fremden Kindern oder Frauen aus. | © picture alliance

Gütersloh Mit runtergelassener Hose: Exhibitionisten in Gütersloh

Immer wieder ziehen sich Männer vor den Augen von Kindern oder Frauen aus - nicht alle Fälle werden von der Polizei aufgeklärt

Lena Vanessa Niewald

Gütersloh. Sie lassen ihre Hose runter und zeigen ihren nackten Schambereich: Immer wieder ziehen sich Exhibitionisten vor Kindern und Frauen in Gütersloh aus und jagen ihnen so einen Schrecken ein. Erst im Juni dieses Jahres wurde der Polizei ein Vorfall aus Isselhorst gemeldet. Zwei Grundschüler wurden von einem Mann aus einem Bulli angesprochen. Als die jungen Mädchen näher an den Bulli herantraten, konnten sie den Penis des Mannes sehen. Schon seit Jahren kein Einzelfall mehr. 2016 verzeichnete die Gütersloher Polizei 33 Fälle von Exhibitionismus - 34 Fälle konnten die Beamten auflösen; allerdings fallen darunter laut Polizeipressesprecherin Corinna Koptik auch noch Fälle aus dem Jahr 2015. Tätern droht Geld- oder Freiheitsstrafe Im Jahr 2017 waren es 23 Fälle; nur in sieben Fällen konnte der Täter gefasst werden. Im laufenden Jahr wurden der Polizei bis Ende Juli 16 Fälle gemeldet. Neun Fälle konnten gefasst, droht ihnen eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Corinna Koptik zitiert aus dem Strafgesetzbuch: "Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält." "Man darf nicht pauschalisieren" Anfang des Jahres war ein Serientäter mehrfach vor einer Gütersloher Seniorenanlage aufgetaucht; ansonsten gibt es aber laut Polizei keinen speziellen Ort, an denen Exhibitionisten besonders häufig auftauchen. Ebenso gebe es nicht den einen Täter. Kriminalhauptkommisarin Ursula Rutschkowsky ist bei der Polizei Gütersloh für den Opferschutz zuständig. Sie betont: "Man darf nicht pauschalisieren, sondern muss jeden Fall individuell betrachten." Dass ein Fall von Exhibitionismus Spuren bei den Opfern hinterlasse, sei aber klar. Es komme allerdings darauf an, ob sich ein Exhibtionist vor Kindern oder Erwachsenen entblöße, sagt Rutschkowsky, und ob das Opfer psychisch in irgendeiner Art und Weise vorbelastet sei. "Wenn ein Kind etwa schon mal traumatische Erfahrungen gemacht hat, dann kann ein Fall von Exhibitionimus Altlasten wieder hervorrufen." Ausziehen ist nicht gleichzusetzen mit einem sexuellen Übergriff Manche Opfer würden Angst gegenüber einem Mann empfinden, der sich auszieht; andere widerrum bloß Ekel oder Abscheu. Es gebe aber auch Kinder, die Exhibitionisten schrill oder lustig finden, weil sie die Tat als solche noch gar nicht wirklich einschätzen könnten. "Dann sind es letztendlich die Eltern, die panisch die Polizei alarmieren, wenn sie von ihren Kindern erzählt bekommen, was passiert ist", sagt Rutschkowsky. Vor allem Mütter würden exhibitionistische Handlungen oft mit sexuellen Übergriffen gleichsetzen. Dabei zeige die Erfahrung, dass Exhibitionisten den Kick darin suchen, sich auszuziehen. "Meistens bleibt es dabei dann auch und sie werden nicht übergriffig." Pauschalisieren könne man dieses Verhalten trotzdem nicht. Frauen sind laut Strafgesetzbuch keine Exhibitionisten Die Polizei rät allen Betroffenen, sofort die Polizei über den Polizeinotruf zu alarmieren und sich das Aussehen des Täters gut einzuprägen. "Werden Fotos gemacht, besteht je nach Art der Aufnahme die gefahr, dass datenschutzrechtliche Verstöße begangen wurden", sagt Polizeipressesprecherin Koptik. Laut Strafgesetzbuch kann eine exhibitionistische Handlung übrigens nur von Männern begangen werden; demnach können auch nur Männer dafür belangt werden. Frauen können aber laut Strafgesetzbuch für die Errugung öffentlichen Ärgernisses bestraft werden.

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