Riesig: Für die ehemalige Helikopterhalle war bislang eine Nachnutzung fest angepeilt. - © Patrick Menzel
Riesig: Für die ehemalige Helikopterhalle war bislang eine Nachnutzung fest angepeilt. | © Patrick Menzel

Gütersloh Totalabriss am Flugplatz an der Marienfelder Straße geplant

Konversion: Im Zuge der Umwandlung der Kaserne in ein Industrie- und Gewerbegebietes wird wohl auch das alte Offizierskasino verschwinden. Die Verhandlungen mit der BImA kommen kaum voran

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Von den Gebäuden auf dem ehemaligen Flugplatz an der Marienfelder Straße wird voraussichtlich kaum etwas übrig bleiben. Die Stadt Gütersloh, die über die Planungshoheit verfügt, und die Flugplatz-GmbH gehen inzwischen von einem Totalabriss sowohl der historischen als auch der neueren Bausubstanz aus. Das Gelände soll für den symbolischen Preis von einem Euro vom Bund übernommen werden Davon betroffen wäre auch das Offizierskasino mit dem Göring-Zimmer im Turm unterm Schieferdach - benannt nach dem als Kriegsverbrecher verurteilten Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Wie verlautete, ist das Kasino, Baujahr 1937, von Experten der zuständigen Behörde in Münster nicht als denkmalwert eingestuft worden. Schon länger steht fest, dass der Tower wegen schlechter Bausubstanz nicht zu retten ist, zumindest nicht mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand. Damit verschwindet das Sinnbild des Flugplatzes schlechthin. Wie aus Teilnehmerkreisen der jüngsten Sitzung des Aufsichtsrates der Gewerbepark Flugplatz Gütersloh GmbH verlautete, soll allenfalls dann ein Erhalt des Kasinos sowie der riesigen Helikopterhalle und des noch jungen NAAFI-Shops in Frage kommen, wenn ein konkreter neuer Nutzer im Zuge des geplanten Gewerbe- und Industriegebiets mit einem schlüssigen Konzept auftaucht. Im Fall des Kasinos käme beispielsweise eine Kantine in Betracht. Die GmbH werde sich wegen des historischen Hintergrunds bemühen, am Ende doch noch eine Lösung hinzubekommen, hieß es. Allerdings dämpfte GmbH-Geschäftsführer Albrecht Pförtner gestern derlei Hoffnungen. "In dem Gebäude stand den ganzen Winter über das Wasser." Entsprechend hoch sei der Sanierungsaufwand. Zugleich betonte der Chef der Wirtschaftsförderung des Kreises: "Unser Auftrag lautet, ein Industriegebiet zu planen." Um eine passende Nachnutzung der 260 Meter langen Hubschrauberhalle machte sich Pförtner "keine Sorgen". Andernfalls drohe ein Verlustgeschäft Die Halle liegt am westlichen Rand des Gebietes und steht damit auch nicht dem Neubau der kompletten Ver- und Entsorgung im Weg. Dies ist laut Pförtner auch ein entscheidendes Kriterium in Sachen Erhalt. Vor diesem Hintergrund räumen Beobachter einer Nachnutzung des NAAFI-Shops reelle Chancen ein. Kommt es tatsächlich in dem einen oder anderen Fall dazu, würde die GmbH einen Nachschlag auf den - weiterhin unbekannten - Kaufpreis für das etwa 100 Hektar große bebaute Areal entlang der Marienfelder Straße an den Bund bezahlen. Bislang geht der aus Vertretern der Städte Gütersloh und Harsewinkel sowie der Gemeinde Herzebrock-Clarholz bestehende Aufsichtsrat davon aus, das Gelände für den symbolischen Preis von einem Euro vom Bund übernehmen zu können. Nur in diesem Fall, so die Kalkulation, ergäbe sich im Anschluss an den Abriss der Gebäude und die Herrichtung des Areals bei einem Verkauf der Flächen zu einem üblichen Preis von 60 Euro pro Quadratmeter noch soeben eine schwarze Null. Andernfalls drohe ein Verlustgeschäft. Allerdings sind sich die drei Gesellschafter-Kommunen noch nicht einig mit der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die zwei Vertreter aus Dortmund und Münster in die Aufsichtsratssitzung entsandt hatte. "Die BImA kann sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass der Flugplatz letztlich wenig wert ist", berichtet ein Teilnehmer. Die Sache sähe anders aus, wenn die teils noch jungen Mannschaftsunterkünfte in zivile Wohnhäuser verwandelt und lukrativ vermarktet werden könnten. Doch wie mehrfach berichtet, kommt eine Wohnnutzung am Flugplatz wegen der Nachbarschaft zum Industriegebiet sowie der isolierten Lage nicht in Betracht. Bliebe eventuell noch eine Büronutzung. Da es zwischen den Beteiligten noch erheblichen Gesprächsbedarf gibt, konnte die BImA auch das längst erwartete Wertgutachten noch nicht einmal in Auftrag geben. Wegen der anhaltenden Differenzen fehlt schlicht die genaue Beschreibung, welche Gebäude dafür zu untersuchen sind. Aus dem Aufsichtsrat ist zu hören, dass ein Sachverständiger wohl nicht vor Oktober oder November beauftragt wird. Das Gutachten liegt somit wohl erst im kommenden Sommer vor. Sicherheitsorgane wie Feuerwehr und Polizei sind über derlei Verzögerungen freilich nicht unglücklich.

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