Symbolfoto - © dpa
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Gütersloh Selbstjustiz nach Körperverletzung: Bei Facebook wird ein mutmaßlicher Täter öffentlich gezeigt

Ein 22-jähriger Asylbewerber aus Albanien tritt einem Mann nach einer Auseinandersetzung ins Gesicht

Patrick Menzel
28.07.2016 | Stand 28.07.2016, 08:30 Uhr

Gütersloh. Erst soll er einen Kellner krankenhausreif getreten haben, anschließend wurde er selbst das Opfer eines brutalen Angriffs. Ein 22-jähriger Asylbewerber aus Albanien ist am Montagabend in der städtischen Unterkunft an der Goethestraße von mindestens zwei Männern zusammengeschlagen worden. Mit schweren Verletzungen liegt der junge Mann jetzt im St.-Elisabeth-Hospital. Die Polizei will nun prüfen, ob es sich bei dem Angriff um einen Racheakt gehandelt hat.Alles begann mit einem Streit im Außenbereich des Bistros Alex an der Strengerstraße. Dort soll der 22-Jährige – ein Stammgast – am Sonntagnachmittag eine Mitarbeiterin beleidigt haben, woraufhin diese einen männlichen Kollegen um Hilfe bat. Als dieser den unliebsamen Gast zum Gehen aufforderte, kam es zwischen den beiden Männern zu einer Rangelei. Die Auseinandersetzung endete mit einem Tritt des Albaners in das Gesicht des Kellners. Der 32-Jährige erlitt dabei unter anderem einen Nasenbeinbruch, er musste notoperiert werden.Die Gütersloher Polizei wurde über diesen Vorfall nicht unmittelbar, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt informiert. In der Zwischenzeit, so die Vermutung der Beamten, suchten offenbar Familienangehörige des Opfers ohne Wissen der Behörden nach dem Täter. Auf Facebook veröffentlichten sie ein Foto aus der Überwachungskamera des Alex, das den jungen Mann zeigen soll. In ihrem Aufruf baten sie zudem um Hinweise zur Identität und den Aufenthaltsort des Unbekannten.Dabei wurden sie offenbar fündig. Am Montagabend erreichte die Polizei ein Notruf aus der Asylbewerberunterkunft an der Goethestraße. Dort war es gegen 21.50 Uhr zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen dem Albaner und mindestens zwei 27 und 35 Jahre alten Familienangehörigen des Kellners gekommen. „Ob noch weitere Personen daran beteiligt waren, wissen wir noch nicht", sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Stehrenberg. Nach bisherigem Kenntnisstand gehe man davon aus, dass die Angehörigen des Alex-Mitarbeiters in Eigenrecherche die Anschrift des mutmaßlichen Täters der gefährlichen Körperverletzung von Sonntag ermittelt und diesen dann dort aufgesucht haben.Manuel Schubert, Geschäftsführer des Alex, zeigte sich gestern schockiert über die Ereignisse der vergangenen Tage. Wie das Foto des mutmaßlichen Täters aus dem Überwachungssystem seines Bistros ins Internet gelangen konnte, vermochte er sich nicht zu erklären. Auch wisse er nicht, wer für den privaten Fahndungsaufruf bei Facebook verantwortlich zeichne.Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

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