Außergewöhnlich: Das Fitnessstudio "Fit X", der erklärte Favorit der Investoren, soll wie auf Stelzen stehen. Darunter parken die Autos. - © Privat
Außergewöhnlich: Das Fitnessstudio "Fit X", der erklärte Favorit der Investoren, soll wie auf Stelzen stehen. Darunter parken die Autos. | © Privat

Gütersloh Hagedorn macht alten Güterbahnhof fit

Gesamtgelände schrumpft bei Nachmessung um 1.000 Quadratmeter

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Schwebend, auf Stelzen stehend, dem Erdboden entrückt: Für die Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofes liegt ein erster Gebäudeentwurf vor. Es handelt sich um jenen Bau, der am nordöstlichen Rand des Areals nahe der Friedrich-Ebert-Straße hochgezogen wird. Den Plänen zufolge zieht ein Fitnessstudio ein. Ein sehr großes allerdings. Das Unternehmen "Fit X", das bundesweit 45 Studios betreibt und rasant expandiert, hat vor, das komplette Gebäude zu belegen - zwei Ebenen mit 2.500 Quadratmetern Nutzfläche. Sofern alles glatt geht, will Fit X bereits nächstes Jahr eröffnen. Die Pläne kommen nicht überraschend. Die Gleis 13 GmbH, an der zu gleichen Teilen der Gütersloher Abbruchunternehmer Thomas Hagedorn und der Bielefelder Projektentwickler Christoph Borchard beteiligt sind, hatte von Anfang an gesagt, der Schwerpunkt des ersten Gebäudes werde auf dem Thema Fitness und Gesundheit liegen. Fit X ist laut Hagedorn zwar nicht der einzige Interessent, man sei noch mit zwei, drei anderen im Gespräch; allerdings prangt auf den Ansichten, die das Bielefelder Architekturbüro Jones und Dressler jetzt vorlegte, in großen Lettern das Logo der Essener Kette. Dass Fit X der erklärte Favorit ist, daraus macht Rick Mädel, Projektchef und Geschäftsführer der Hagedorn-Tochter Revital GmbH, keinen Hehl. "Das Konzept dieses Unternehmens passt zu unserem Bestreben, das Gelände mit Leben zu füllen." Der Monatsbeitrag von 15 Euro Euro erschwinglich, dazu ein breites Angebot an Gesundheits- und Fitnesskursen - diese Mischung soll funktionieren und dafür sorgen, dass immer ordentlich Betrieb auf der Brache ist. Im vergangenen Jahr hatte Fit X auch in Bielefeld ein Studio eröffnet, es liegt an der Detmolder Straße in Sieker. Der Vorentwurf für das erste Gebäude geht nun in die Beratung. Heute befasst sich der Gestaltungsbeirat damit, am Dienstag kommender Woche der Planungsausschuss. Die Beratungen sind von Belang, aber sie geben keinen Hinweis darauf, wie der Rest des 10.000 Quadratmeter großen Grundstückes aussehen wird. Mädel sagte gestern, das Fitnesscenter werde "das architektonisch und optisch herausragendste Gebäude" sein; die anderen drei Gebäude, für die im wesentlichen Büronutzung angestrebt werde, dürften etwas schlichter ausfallen. Mädel sagte, die Gleis 13 GmbH werde 20 bis 25 Millionen Euro investieren - für jedes der Gebäude circa fünf Millionen Euro, der Rest übergreifend. Für jeden Komplex werde eine eigene Projekt-GmbH gegründet: für das erste die "Gleis 13 Haus IV GmbH". Die anderen Gesellschaften würden entsprechend I bis III heißen. Dass das Gesamtareal nur noch 10.000 statt 11.000 Quadratmeter umfasst, sei Resultat einer Nachmessung; dadurch seien einige Flurstücke rausgefallen. Am Gesamtvorhaben und an der Größe der Bauten ändere das nichts, lediglich - erfreulicherweise - an der Kaufsumme. Hagedorn und Borchard, die für 11.000 Quadratmeter überwiesen hätten, könnten sich auf eine Rückzahlung der Bahn freuen. Während der Abbruch des Güterbahnhofes vor zwei Wochen begonnen hat - Mädel rechnet mit einer Dauer von einigen Monaten -, nehmen die Planungen ihren Lauf. Für den ersten Abschnitt will die Stadt eine Baugenehmigung nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches aussprechen; das macht den Beginn noch vor Inkrafttreten des Bebauungsplanes möglich. Allerdings wird die Genehmigung mit einem städtebaulichen Vertrag verbunden, der alle wesentlichen Dinge wie Kubatur, Fassade und Material festschreibt. Damit will die Stadt die städtebauliche und architektonische Qualität des neuen Gebäudes festschreiben. Danach, und auch für die weiteren Bauten, greifen die Bestimmungen des dann in Kraft getretenen Bebauungsplanes. Das erste Gleis-13-Gebäude sticht durch einige Besonderheiten hervor: So sollen die V-förmigen Pfeiler, die das Erdgeschoss freistellen, "eine schwebende, vom Boden ge-löste Wirkung" erzielen. Durch die vollständige Öffnung der beiden Kopfseiten und große Fensterflächen will man "hohe Transparenz" erreichen. Die Längsfassaden sollen durch ein Geotextil verkleidet werden; dessen konkrete Farbe, Struktur, Rhythmus werden noch entwickelt. Das Geotextil, zusammen mit den großen Fensteröffnungen, soll eine "Lichtinszenierung" ermöglichen; man verspreche sich eine hohe transparente Wirkung auch in den Nachtstunden und in der Dämmerung. Sowohl zum Erdgeschoss - darunter parken die Autos - wie auch in der Traufe werden die Gebäudekanten gerundet. Die Textur umzieht das Gebäude mit einem Radius von etwa einem Meter. So soll eine "Kastenform" vermieden werden. "Eine solche Gebäudenetzfassade gibt es in Gütersloh bislang nicht, sie wird zu jeder Tages- und Nachtzeit anders aussehen", verspricht Mädel.

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