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Bockwurst mit Ketchup, dazu ein Brötchen: Iasmin schmeckt´s. Vorher hatte sich der Dreijährige, dessen Fingernägel rosa lackiert sind, an den Tellern mit der Rohkost bedient. - © Fotos: raimund vornbäumen
Bockwurst mit Ketchup, dazu ein Brötchen: Iasmin schmeckt´s. Vorher hatte sich der Dreijährige, dessen Fingernägel rosa lackiert sind, an den Tellern mit der Rohkost bedient. | © Fotos: raimund vornbäumen

Gütersloh Zum Fingerschlecken

Suppenküche hat sich nach einem beträchtlichen Spendeneinbruch wieder berappelt

Ludger Osterkamp
07.02.2015 | Stand 12.02.2015, 22:10 Uhr

Gütersloh. Die Gütersloher Suppenküche hat es trotz eines beträchtlichen Spendenrückgangs geschafft, ihr Kernangebot zu halten. "Wir sind gestärkt aus der Krise hervorgegangen", sagte Leiterin Inge Rehbein. Es sei sogar gelungen, die Zahl der ehrenamtlichen Helfer zu steigern. Rehbein berichtete, im vergangenen Jahr seien 30 Prozent weniger Spenden eingegangen. Für eine Einrichtung, die auf Fremdmittel angewiesen ist, sei das ein herber Einschnitt. Die Suppenküche habe reagiert, indem sie sich auf ihre wesentliche Aufgabe konzentriert habe: Das Versorgen bedürftiger Menschen mit kostenlosen warmen Mahlzeiten. Nicht die Bedürftigen sollten ihren Gürtel enger schnallen müssen, sondern allein die Einrichtung. "Uns war wichtig, dass wir als erstes immer die Bedürfnisse unserer Gäste im Blick behalten", sagte Rehbein. Dass deren Zahl unverändert hoch sei, zeige, dass dieser Ansatz offenbar gelungen sei. "Die Menschen kommen nach wie vor gerne zu uns, und sie brauchen unsere Hilfe", sagte Vorstandsmitglied Petra Roggenkamp. Konkrete Umsatzzahlen nennt die Suppenküche nicht, aber Kassiererin Petra Schöne sagte, das Budget habe im vergangenen Jahr insgesamt um 40 Prozent gekürzt werden müssen. Viele begleitende Angebote habe man gestrichen. "Wir sind nun aber zuversichtlich, dass wir dank unserer Sponsoren und Förderer das meiste davon in absehbarer Zeit wieder anbieten können." In Schwierigkeiten gebracht hatte die Suppenküche der Rücktritt einiger ehrenamtlicher Helfer und deren öffentlich geäußerte Kritik am Führungsstil von Rehbein. Die Vorsitzende und weitere Vorstandsmitglieder hatten diese Kritik stets zurückgewiesen und gesagt, dass in einer Einrichtung, in der viele Menschen zusammenarbeiten, es mitunter unterschiedliche Sichtweisen und auch Konflikte gebe; der Vorstand sei aber stets bemüht, solche Dinge im konstruktiven Dialog zu lösen. Die Befürchtung des Vorstandes, dass die öffentliche Kritik den Zielen und Werten des Vereines schade, hat sich, so der aktuelle Rückblick, bewahrheitet. So war es im vergangenen Jahr aufgrund des geschmälerten Budgets zum Beispiel nicht möglich, ausreichend Schulmaterialien herauszugeben. Das Ferienprogramm, auf das sich zumal die Familien immer gefreut hatten, wurde eingeschränkt, und auch die Ausflüge dauerten deutlich kürzer, waren ohnehin nur möglich dank verstärkten Engagements Ehrenamtlicher. Schwer traf die Suppenküche, dass diesmal, anders als in früheren Jahren, sogar die Weihnachtsspenden weitgehend ausblieben. "Am Ende mussten wir sogar unsere Weihnachtsfeier für die Kinder absagen", sagte Rehbein. Und die Heiligabendfeier für die Erwachsenen wurde derart zurückgefahren, dass sie kaum mehr als eine gewöhnliche Essensausgabe war. Bei den Lebensmitteleinkäufen und der Zusammenstellung des Menüs achtete die Suppenküche mehr noch als sonst auf Sparsamkeit. Petra Roggenkamp: "Das war nicht einfach, aber unseren Gästen hat es immer geschmeckt." Die direkten Sponsoren und Förderer waren laut Rehbein ohnehin ausnahmslos alle bei der Stange geblieben. Der Vorstand hatte sich deren Zusagen vergewissert, kaum dass die Kritik öffentlich geworden war. Elf feste Lebensmittelsponsoren unterstützen die Suppenküche, außerdem 28 Förderer. Rehbein: "Diese Zahlen sind unverändert geblieben." Bei den Ehrenamtlichen kletterte die Zahl auf 84. Auch die Stiftungen hielten an ihrer Unterstützung fest. Die Familie-Osthushenrich-Stiftung etwa gewährleistete, dass weiterhin Lernpatenschaften angeboten werden - wichtig für die Zukunft der Kinder. Auch die Kochkurse sowie die ärztlichen und zahnärztlichen Sprechstunden konnten aufrechterhalten werden. Die Familienhebamme hingegen legte eine halbjährige Pause ein; mittlerweile läuft dieses Angebot aber wieder an. Beim Austausch und Neukauf der Spielgeräte, bei dem die Suppenküche zwischenzeitlich Zurückhaltung übte, hilft nun eine Finanzspritze aus der Schüleraktion "Gütersloh engagiert". Im übrigen helfen einige Ideen weiter. Auf der Homepage hat Rehbein "Better place" eingerichtet, eine Spendenplattform, über die sich auch Kleinstspenden wie Puddingpulver, Mettenden oder Stehtische abwickeln lassen. Zunächst gab es diese Plattform nur für Kinder, seit Anfang des Jahres auch für Erwachsene. Ähnlich läuft die Aktion "Kleine Dinge, große Wirkung": Aufrufe, Schlafsäcke oder Isomatten zu spenden, funktionierten derart gut, dass das Regal nun wieder gefüllt ist. Jetzt, im Winter war das dem Vorstand besonders wichtig.

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