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BIELEFELD/MÜNSTER Ehrenmord geplant: Syrer schweigen

Bielefelder vor dem Schwurgericht Münster

VON GÜNTER WEBER
22.10.2010 | Stand 21.10.2010, 21:09 Uhr

Bielefeld/Münster. Auch am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen drei Männer aus Bielefeld und Rockensußra (Thüringen), die sich wegen Verabredung zum Mord vor dem Schwurgericht Münster verantworten müssen, schwiegen die Angeklagten zum Tatvorwurf.
Dem Trio im Alter von 31 und 39 Jahren wird zur Last gelegt, am 15. März 2010 im Heim für Asylbewerber am Postdamm in Hörstel-Riesenbeck eine 18-jährige Frau und ihren acht Monate alten Säugling gewaltsam entführt zu haben. Hintergrund der Tat war ein syrischer Familienkonflikt. Weil die Frau angeblich ein sexuelles Verhältnis zu einem anderen Mann hatte, sollte sie nach Syrien verschleppt und dort getötet werden. Doch der schlimme Plan ging nicht auf. Zwei der Angeklagten konnten noch in der Nacht in Bielefeld festgenommen und die Entführten befreit werden.

Das Schwurgericht Münster hörte gestern die damalige Ermittlungsrichterin, die die Angeklagten nach der Festnahme vernommen hatte, als Zeugin. Die 29-Jährige hatte ihr Protokoll mitgebracht und schilderte dem Gericht die Aussagen der Angeklagten.

Diese seien am Tatabend sehr aggressiv vorgegangen. Die Frau und ihr Mann seien geschlagen und mit einem Messer bedroht worden. Die Täter hätten dann die Frau und ihr Kind ins Auto gezerrt und den Mann durch Schläge und Tritte in Schach gehalten. Doch der Mann habe sich wehren und dann auch flüchten können. Er sei zu einem Nachbarn gelaufen und dieser habe die Polizei verständigt.

Der Grund für die Entführung sei gewesen, dass die Frau und ihr Mann aus Angst vor ihren Familien in Syrien heimlich geheiratet hätten und schon vor ihrer Hochzeit Sex hatten. Über die Frau sei Schande gekommen und sie habe die Ehre der Familien verletzt.

Danach hörte die 2. Große Strafkammer einen Polizisten als Zeugen, der in Bielefeld die Angeklagten festgenommen hatte. Einer der Männer habe erklärt, dass der Mann seiner Frau und seinem Kind etwas antun werde. Deshalb habe man aus Vorsichtsgründen die Frau und den Säugling mitgenommen.

Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt.

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