BIELEFELD Der Klosterplatz ist schön und still

Die Auflösung des achten Teils unseres Ratespiels

In unserem Rätsel vom Samstag ging es um die Erkerkonsolen am Gebäude Klosterplatz 6 (vorne). Geradeaus der Woermannsche Hof aus dem Jahr 1640, der heute Teil zur Klosterschule gehört und rechts die katholische Jodokuskirche. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
In unserem Rätsel vom Samstag ging es um die Erkerkonsolen am Gebäude Klosterplatz 6 (vorne). Geradeaus der Woermannsche Hof aus dem Jahr 1640, der heute Teil zur Klosterschule gehört und rechts die katholische Jodokuskirche. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld (Gün). Bis in die Neunziger Jahre war der Klosterplatz die angesagte Szeneadresse Bielefelds. Bis ihm das neue Bahnhofsviertel den Rang ablief. Die Gäste blieben aus. Der beliebte Biergarten musste per Gerichtsurteil schließen. Die Anwohner fühlten sich gestört. In den Siebzigern hatte das Gesellschaftshaus am Klosterplatz einen Ruf als Partymeile, der bis nach Hannover reichte.

Architekt Heinrich Martin Bruns vom Bund Deutscher Architekten (BDA) erläutert: "Der Klosterplatz gehört zu den schönsten Plätzen in Bielefeld.

Er liegt mitten in der Altstadt, umgeben von Kneipen und historischen Gebäuden (St. Jodokus-Kirche). Die katholische Pfarrkirche St. Jodokus war ursprünglich die Kirche eines Franziskanerklosters und wurde 1511 erbaut. Zunächst (ab 1498) befand sich dieses Kloster am Jostberg, wurde dort jedoch schon 1507 aufgrund von Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung wieder aufgegeben und an den heutigen Klosterplatz verlegt. Von dem alten Kloster am Jostberg sind noch Ruinen erhalten.

Das Franziskanerkloster in der Altstadt blieb auch nach der Reformation bestehen und versah die Seelsorge für die wenigen im Ravensberger Land verbliebenen Katholiken. Es wurde 1829 aufgelöst, die Pfarrseelsorge übernahmen Diözesanpriester. Im Innern der Kirche befinden sich die "Schwarze Madonna" von 1220, eine Holzplastik des heiligen Jodokus von 1480 sowie die Ikonenwand von Saweljew aus dem Jahr 1962.

1705 wurde die jüdische Gemeinde in Bielefeld formell gegründet. Durch eine Schenkung gelangte die Gemeinde um das Jahr 1800 in den Besitz eines Gebäudes am Klosterplatz in der Bielefelder Altstadt (den früheren Wendtschen Hof).

Zunächst wurden die Gottesdienste in den vorhanden Gebäuden abgehalten, bis 1847 eine eine Synagoge gebaut wurde. Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts die Räumlichkeiten in der alten Synagoge am Klosterplatz 5, verschiedenen Renovierungen zum Trotz, zu klein geworden waren, entschied sich die Gemeinde für den Bau eines neuen Gotteshauses an der Turnerstraße.

Am Klosterplatz befindet sich der auch als Woermanns Hof bezeichnete Korff-Schmisinger Hof. Das mit Fächerrosetten versehene und reich geschnitzte Fachwerk-Obergeschoss soll um 1640 entstanden sein.

Beim Bau der Klosterschule wurde der ehemals etwa doppelt so lange Bau erheblich verkürzt. In unmittelbarer Nähe liegt der Wendtsche Hof (Hagenbruchstraße 8). Der zweigeschossige Bau entstand im 16. Jahrhundert und wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert mehrfach verändert.

Die rückwärtigen Teile wurden weitgehend in Fachwerk erneuert. Im Innenhof befindet sich ein polygonaler Treppenturm. Der steinerne Platz mit altem Baumbestand und Gestaltungselementen aus den 1970er Jahren ("Affenfelsen") wird heute tagsüber als Schulhof der Klosterschule belebt und einige Male im Jahr vom Bielefelder Kulturamt bespielt. In den Sommermonaten ist auf dem Klosterplatz einmal im Monat Trödelmarkt.

Das kulturelle Leben von Einst ist verschwunden; es ist an der Zeit, diesen Platz wieder einer liebenswürdigen Nutzung zuzuführen."

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