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Auch die Häuser entlang der Straße Wellensiek gehören der Wohnungsgesellschaft, die mit an den Immobilienfonds "Whitehall" verkauft worden ist. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Auch die Häuser entlang der Straße Wellensiek gehören der Wohnungsgesellschaft, die mit an den Immobilienfonds "Whitehall" verkauft worden ist. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Modernisierung gestoppt und Mieten erhöht

Ravensberger Heimstättengesellschaft erntet Kritik / Mieterbund erwartet Entscheidungen vor Gericht

08.04.2009

Bielefeld. Rolf Maier hatte es geahnt: Sein Vermieter, die Ravensberger Heimstättengesellschaft (RH), hat an der Mietpreisschraube gedreht. 24 Euro mehr soll der Rentner für seine Wohnung im Haus Hägerweg 1 bezahlen. "Das ist die Politik des neuen Eigentümers", glaubt Maier, der seit 50 Jahren dort wohnt. Josef Rehring, Geschäftsführer der RH, räumt "Mieterhöhungsverfahren im üblichen Rahmen" ein.

Berthold Prunzel, ebenfalls Geschäftsführer der RH, verweist darauf, dass 40 Prozent ihres Hausbesitzes in Bielefeld voll modernisiert worden seien. Das trifft zu, fällt allerdings noch in die Zeit, bevor die RH als Teil ihrer damaligen Eigentümer, der Landesentwicklungsgesellschaft NRW und der Deutschen Rentenversicherung, an den Immobilienfonds "Whitehall", eine Tochter der amerikanischen Bank Goldman Sachs, verkauft wurde. Goldman Sachs wandelte sich im Zuge der Finanzkrise von einer Investment- zu einer Geschäftsbank.

"Auch wir haben gehofft, dass bei uns modernisiert würde", sagt Maier, "aber passiert ist nichts." Ein Mitarbeiter der RH habe ihm gesagt, man habe derzeit kein Geld für Modernisierungs- und Reparaturarbeiten.

Im Kaufvertrag zwischen dem Land NRW und Goldman Sachs war vereinbart worden, dass pro Jahr mindestens 12,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in die Instandhaltung und Modernisierung des Wohnungsbestands investiert werden müsse. Wegen eines Instandhaltungsstaus hatte die LEG dem Vernehmen nach bis 2011 sogar 25 Euro pro Quadratmeter budgetiert. Der Käufer habe aber bereits signalisiert, dass die Mindestleistung von 12,50 Euro das Maximum an Instandhaltungs- und Modernisierungsleistung darstellen werde.

Rehring bestätigt gegenüber der Lokalredaktion, dass die RH in der Tat noch keinen genehmigten Wirtschaftsplan für 2009 habe. "Notwendige Arbeiten werden aber durchgeführt, die Mieter sollen darunter nicht leiden", sagt der Geschäftsführer. Natürlich würde die Höhe der Mieten "kontinuierlich überprüft", denn es gebe eine Erwartungshaltung der neuen Eigentümer. Die hätten schließlich an das Land NRW einen Verkaufspreis bezahlt, der kalkulierte Mieteinnahmen einschließlich von Steigerungen beinhaltet habe. "Es wäre", so Rehring, "vor diesem Hintergrund weltfremd zu glauben, die Mieten blieben auf einem Stand stehen."

Das bestätigt auch Joachim Knollmann, Geschäftsführer des Mieterbundes Ostwestfalen. "Wir haben eine Reihe von Mieterhöhungen, die bei uns geprüft worden sind - und die wir abgelehnt haben." Der Grund: Die Ausstattungsklasse der Wohnungen sei hochgesetzt worden, um die höhere Miete zu rechtfertigen. Aus Sicht des Mieterbundes allerdings zu hoch. Knollmann: "Wir gehen davon aus, dass die RH klagt und Gerichte dann die Einzelfälle klären."