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Unübersehbar: Die knallbunte Markierung auf dem Niederwall, wenige Meter vom Jahnplatz entfernt. - © Andreas Zobe
Unübersehbar: Die knallbunte Markierung auf dem Niederwall, wenige Meter vom Jahnplatz entfernt. | © Andreas Zobe

Bielefeld Das steckt hinter Bielefelds neuen Regenbogen-Zebrastreifen

Erstaunte Blicke am Jahnplatz: Ist das knallbunter Protest gegen die Neonazi-Demo?

Dennis Rother
07.11.2019 | Stand 08.11.2019, 09:19 Uhr
Stefan Becker

Bielefeld. Außergewöhnlicher Hingucker in der Bielefelder City: Zwei Zebrastreifen in Regenbogen-Farben bringen seit Donnerstagmorgen in unmittelbarer Nähe des Jahnplatzes den novembergrauen Asphalt zum Leuchten. Passanten sind verblüfft und fragen sich, was es mit den unkonventionellen Markierungen auf sich hat. Initiator Klaus Rees von den Grünen sowie Verkehrsamts-Chef Olaf Lewald klären auf. Ratsmitglied Rees ist Fraktionsgeschäfsführer, außerdem engagiert er sich führend im Bündnis gegen Rechts. Ein Zeichen für das offene, vielfältige, bunte Bielefeld sollen die Zebrastreifen sein. Die Regenbogenfahne steht bekanntermaßen in vielen Kulturen für Frieden, Toleranz, für die Lesben- und Schwulenbewegung und für generelle Akzeptanz unterschiedlichster Lebensformen. Bereits im Frühjahr habe er die Idee im Rathaus vorgestellt, so Rees. Jetzt realisierten Mitarbeiter des Amtes für Verkehr die Malerei auf dem autofreien Teilstück des Niederwalls zwischen Pizza Hut und Hörgeräte Gerland. Christopher Street Day als Anlass Dass die Stadt zwei Tage vor dem Aufmarsch der Rechtsextremen die knalligen Farben auftragen lasse, sei eine glückliche Fügung, sagt Verkehrsamtsleiter Olaf Lewald. „So kann auch die Verwaltung ein Zeichen setzen - Flagge zeigen im wahrsten Sinne des Wortes." Urheber Klaus Rees war vom Termin der Umsetzung selbst überrascht. Dass die Stadt die Umsetzung generell bewilligte, und das obendrein an so prominenter Stelle, das freue ihn schon sehr, so Rees. Und dafür wolle er sich ausdrücklich bedanken. Der Christopher Street Day brachte Rees übrigens auf die ursprüngliche Idee.  Zum 50. Mal jährte sich 2019 der Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen brutale Polizei-Repressalien. Er fand 1969 an der Christopher Street in New York City statt. Mittlerweile ist der Christopher Street Day als Fest-, Demonstrations- und Gedenktag in der Gesellschaft verankert, weltweit wird gefeiert. Strahlkraft bis zum Jahnplatzumbau Den Regenbogen als Symbol auch auf die Straße zu pinseln, quasi als potenziellen Zebrastreifen mit Strahlkraft, ist indes keine Bielefelder Erfindung: In anderen europäischen Städten, wie etwa Maastricht in den Niederlanden, gibt es sie bereits. Auch Hamburg und Düsseldorf versuchen sich daran. Klar ist auch: Rein verkehrsrechtlich haben die kreativen Markierungen keine Funktion, sie sind keine offiziellen Fußgängerüberwege. Laut Amtsleiter Olaf Lewald fiel die Wahl daher bewusst auf den autofreien Niederwall. Außerdem hätten die Kaufleute entlang des kurzen Straßenstücks bereits um Lösungen gebeten, um den Verkehr besser zu lenken. Neben der besonderen Symbolik und dem Deko-Effekt haben die beiden Streifen damit also gleich eine weitere Aufgabe. Allerdings nur für begrenzte Zeit: „Die Regenbogen-Streifen bleiben bis zur Neugestaltung des Jahnplatzes. Doch noch weiß niemand, wann die Baustelle dort beginnt", sagt Olaf Lewald.

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