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Ein Bielefelder soll einen Sprengstoffanschlag geplant haben, auch stand ein künftiger Erpressungsversuch im Raum. - © Symbolfoto: Pixabay
Ein Bielefelder soll einen Sprengstoffanschlag geplant haben, auch stand ein künftiger Erpressungsversuch im Raum. | © Symbolfoto: Pixabay

Bielefeld Vermeintlicher Bielefelder Sprengstoff-Täter zu Geldstrafe verurteilt

Nils Middelhauve
11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 05:50 Uhr

Bielefeld. Am Anfang stand die Aussage eines Zeugen. Im Oktober 2017 nahm die Polizei einen 42 Jahre alten Familienvater fest. Der Verdacht: Der Bielefelder soll einen Sprengstoffanschlag geplant haben, auch stand ein künftiger Erpressungsversuch im Raum. Übrig geblieben ist von all dem nicht allzu viel: Das Amtsgericht verurteilte den Ingenieur Berthold M. (Name geändert) nun wegen des so genannten fahrlässigen unbefugten Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen zu einer Geldstrafe von 900 Euro. Beamte stellten Chemikalien sicher Am 23. Oktober 2017 stellten Beamte bei dem Angeklagten sowie im Haus seiner getrennt von ihm lebenden Familie zahlreiche Chemikalien sicher, Berthold M. wanderte in Untersuchungshaft. Ein Zeuge hatte im Vorfeld der Durchsuchungen den Behörden von konkreten Anschlagsplänen des Angeklagten berichtet. Darüber hinaus – so sagte der Mann damals aus – plane M., eine bekannte Unternehmerfamilie im Kreis Gütersloh zu erpressen. Doch bereits bei einer nachfolgenden Vernehmung relativierte der Zeuge das Gesagte: Bei alledem handle es sich lediglich um Schlussfolgerungen, Berthold M. habe ihm gegenüber derartige Absichten nie geäußert. Nach zwei Wochen im Gefängnis kam M. wieder auf freien Fuß. LKA-Gutachten belegt Explosivität Die schwerwiegendsten Vorwürfe waren somit vom Tisch. Doch durfte der Angeklagte die sichergestellten Chemikalien überhaupt besitzen? Auch hier relativierten sich die ursprünglichen Annahmen erheblich. Ein beim Landeskriminalamt (LKA) in Auftrag gegebenes Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass der überwiegende Teil der asservierten Substanzen frei verkäuflich und größtenteils auch harmlos sei – Berthold M. durfte diese sowohl lagern, als auch besitzen. Lediglich im Fall eines Aluminium-Schwefel-Gemischs gelangte das LKA zu dem eindeutigen Ergebnis, dass dieses hochexplosiv und daher von besonderer Brisanz sei. Aluminium-Schwefel-Gemisch zum Schweißen benutzt In der Verhandlung vor dem Amtsgericht führte Verteidiger Tobias Diedrich aus, dass sein Mandant, der sein Geld mit der Wiederinstandsetzung weitgehend wertloser Immobilien verdient, das Aluminium-Schwefel-Gemisch zum Schweißen benutzt habe. Diese Anleitung habe Berthold M. aus mehreren Internetquellen. Dabei sei ihm jedoch nicht bewusst gewesen, dass es sich dabei um ein explosives Gemisch handle. Als Beleg hiefür händigte Diedrich dem Gericht und Staatsanwältin Evelyn Harkötter einen jener Texte aus, auf die M. sich seinerzeit gestützt habe. Und tatsächlich wies dieser – es handelte sich um von der Universität Göttingen herausgegebene Unterrichtsmaterialien für Schüler – bei dem in Frage stehenden Gemisch nicht explizit auf eine bestehende Explosionsgefahr hin. "Große Belastung für meinen Mandanten" „Dieses Verfahren ist eine große Belastung für meinen Mandanten", führte Diedrich aus, „nicht nur, dass er durch die Sicherstellung zahlreicher Stoffe sowie mehrerer Spielzeugdrohnen einen Schaden von mehreren tausend Euro erlitten hat – er saß wegen der Angelegenheit auch zwei Wochen in Untersuchungshaft." Richter Jan-Hendrik Haarmann ließ zwar eindeutig durchblicken, dass er es für wenig glaubhaft halte, dass M. nichts von der Explosivität seines Gemischs gewusst habe. Da diese Kenntnis dem bisher nicht vorbestraften Angeklagten jedoch nicht nachzuweisen war, verurteilte ihn das Gericht nun wegen des fahrlässigen unbefugten Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 15 Euro.

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