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Illegale Müllentsorgung: So bewertet Walter Söte das Uralt-Auto, das 1,5 Jahre lang an der Mühlenstraße stand. Dann kam das Mini-Halteverbot. - © Kurt Ehmke
Illegale Müllentsorgung: So bewertet Walter Söte das Uralt-Auto, das 1,5 Jahre lang an der Mühlenstraße stand. Dann kam das Mini-Halteverbot. | © Kurt Ehmke

Bielefeld Kuriose Posse: Bielefelder Dauerparker verhindern Parkplatz-Markierungen

Bei Markierungsarbeiten reagieren manche Autofahrer überhaupt nicht und stehen im Wege herum. Dann werden Mini-Halteverbotszonen geschaffen - und am Ende wird auch abgeschleppt

Kurt Ehmke
15.08.2019 | Stand 15.08.2019, 07:10 Uhr

Bielefeld. Es wirkt kurios: Autos parken rechtmäßig an der Lessingstraße - und die Markierung um sie herum ist frisch aufgetragen. Nur da, wo das Auto steht, fehlt das frische leuchtende Weiß. Was nach Schildbürgerstreich klingt, ist eher eine Geschichte voller Ärgernissen. Mini-Halteverbotszonen Das gilt auch an der Mühlenstraße. Hier parkten bis Mittwoch zwei Autos, auch hier fehlte genau unter ihnen die frische Farbe. Noch kurioser: Beide waren vom Bauhof ins absolute Halteverbot gestellt worden, vor jeder Stoßstange stand ein mobiles Schild; eine Art Mini-Halteverbotszone war bewusst erzeugt worden. Nun sind sie abgeschleppt worden. Kosten: 210 Euro plus Knöllchen. "Illegale Müllentsorgung" Anwohner Walter Söte berichtet, dass eines der beiden Autos seit anderthalb Jahren dort gestanden habe. Alle Reifen längst platt, das Kennzeichen griechisch. Ein Handwerker, der "Fensterbau" auf deutsch am roten Auto stehen hat. Söte, der lange Jahre Siedlungssprecher der Freien Scholle war: "Das sieht wie illegale Müllentsorgung aus." Ist es wohl auch. "Zweierlei Maß" Dass Sötes die Stadt dafür kritisiert, "dass einfach nichts passiert", ist nachvollziehbar. Er sagt: "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen - wenn ich so stehen würde, wäre längst etwas passiert." Womit er Recht hat. "Keine Gefahr" Doch es gibt Gründe. "Solange ein korrekt geparktes Auto nicht zur Gefahr wird, können wir nichts machen", sagt Volker Tannig vom Ordnungsamt. Er erklärt: "Selbst platte Reifen sind da nicht ausreichend, erst ein zerschlagenes Fenster oder eine offene Tür würden als Gefahr bewertet." Südeuropa antwortet nicht Natürlich versuche die Stadt, Hinweisen nachzugehen. Bei deutschen Kennzeichen sei es einfach, Halter festzustellen. Holland, England, Frankreich? Kein Problem. "Aber aus Südeuropa bekommen wir so gut wie nie eine Antwort." Dann kann das Amt erst einschreiten, wenn Arbeiten anstehen. Kanalarbeiten, Baumfällungen, Markierungsarbeiten. Vier Tage Vorlauf Das ist nun geschehen. Mindestens drei Tage lang müssen die Halteverbotsschilder stehen, dann dürfen Knöllchen (15 bis 25 Euro) und Abschleppen folgen. "Wir stellen die Schilder zur Sicherheit sogar vier Tage vor der Markierungsarbeit auf", sagt Marko Blank vom Bauhof. "Zerstören unsere Arbeit" Oft hilft das, doch selten reagieren alle. Manchmal kann geklingelt und angesprochen werden - manchmal aber geht auch nichts. "Da gibt es Leute, die einfach nicht wegfahren, und es gibt auch Leute, die nach der Markierungsarbeit einfach über die Hütchen drüber fahren und unsere Arbeit zerstören", berichtet Blank. Sogar Beschimpfungen Sogar auf frisch markierte Sperrflächen und Behindertenparkplätze werde manchmal über die Hütchen hinweg gefahren. Auch beschimpft würden seine Kollegen ab und zu. Er würde sich für sie (meist sind es zwei Zweierteams) wünschen, dass die Bürger ein wenig mehr Verständnis und Entgegenkommen zeigten. Es kostet Steuergeld Zumal jeder doppelte, dreifache oder gar vierfache Anlauf eben Geld koste - Steuergeld. "Selten können wir mal 50 Meter am Stück durch markieren - und jeder Abbruch der Linie ist eben nicht schön." Ab in den Urlaub? Ordnungsamt-Mitarbeiter Tannig weist bewusst darauf hin, dass es nicht korrekt sei, sein Auto im öffentlichen Raum zu parken und einfach in den Urlaub zu fahren. "Dann muss ein Nachbar beauftragt werden, nach dem Auto zu schauen." Denn: Es könne jederzeit ein Problem auftauchen (Kanal, Gas, Baumfällung, Markierung) - und das Auto müsse entfernt werden. Verantwortlich ist der Halter. Flächen-Fragen Schwierig wird es auch, wenn ein Auto ohne Kennzeichen irgendwo herumsteht. Erst einmal muss das Amt (zentraler Außen- und Vollzugsdienst) davon erfahren. Dann muss es auch eine "gewidmete Fläche" der Stadt sein. Sogar Flächen des städtischen Immobilien-Service-Betriebes (ISB) gelten da als private Flächen - und zuständig ist dann der Eigentümer, betont Tannig. Es verrottet Beispiel: Auf einem Parkplatz an der Brückenstraße steht ein Auto ohne Kennzeichen. Die Fläche gehört nicht zu jenen, auf denen die Stadt durchgreifen kann. Also hat das Auto nicht den grellorangefarbenen Aufkleber und wird nicht abgeschleppt. Es verrottet dort, bis der Eigentümer reagiert. Abschleppen boomt Apropos Abschleppen: Hier berichtet Tannig davon, "dass es eine höhere Bereitschaft zum Falschparken zu geben scheint". Zahlen stützen diese These: 2017 wurden in Bielefeld 1.209 Autos abgeschleppt, 2018 waren es 1.323 und 2019 sind es bis Juli bereits 898 - was hochgerechnet 1.529 am Jahresende bedeuten würde.

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