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Hat zum Jahreswechsel zu gemacht: Wiethüchter an der Hauptstraße in Brackwede. - © Andreas Zobe
Hat zum Jahreswechsel zu gemacht: Wiethüchter an der Hauptstraße in Brackwede. | © Andreas Zobe

Bielefeld Einzelhändler in den Bielefelder Stadtteilen geben auf

In den Stadtteilen haben die kleinen Händler große Probleme. So haben kürzlich in Brackwede gleich zwei Optiker geschlossen. Und auch woanders hakt’s

Ariane Mönikes
24.07.2019 | Stand 23.07.2019, 19:25 Uhr

Bielefeld. Seit Jahren wehrt sich der stationäre Einzelhandel gegen den Untergang. Zu kämpfen haben vor allem die Händler in den Stadtteilen, viele fürchten um ihre Existenz. Wer das Geschäft nicht in seiner eigenen Immobilie hat, hat’s besonders schwer. Laut Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands OWL, sind die kleinen Läden durch den Onlinehandel extrem unter Druck geraten. Es gibt aber noch andere Gründe. 38 Jahre lang hatte Angela Grünewälder ein Geschäft an der Hauptstraße 73 in Brackwede. Ende 2017 war Schluss. „Die Kunden bedauern das noch heute", erzählt die Geschäftsfrau, die noch eine Filiale am Gehrenberg und eine in Lage betreibt. "Mode hat jeder genug" Viele seien Kunden der ersten Stunde. Schweren Herzens aber gab sie das Geschäft auf. Ein Grund ist der Umbau der Hauptstraße, der jetzt ansteht. „Das hält kein Unternehmen aus", sagt Grünewälder. „Mode hat jeder genug im Schrank, die Kunden kommen, weil sie sich inspirieren lassen wollen", erklärt sie. Mit Baustelle vor der Tür aber bleiben sie eher weg, vermutet sie. Auch hätte der Stadtteil an Attraktivität verloren, sagt Grünewälder. „Eine Vielzahl von Fachgeschäften ist nicht mehr da." Die Frequenz lasse nach. Und: Sie hätte zunehmend Probleme gehabt, gute Mitarbeiter zu finden. „Es geht nicht ums Verkaufen, sondern um die Beratung, um Atmosphäre", sagt sie. Sie glaubt trotzdem, dass das Fachgeschäft Zukunft hat, vor allem das inhabergeführte. „Auch die jüngeren Kunden sehnen sich nach Beratung", sagt sie. „Ich glaube an den Facheinzelhandel." Leer blieb das Ladenlokal nicht, es folgte das Modegeschäft „DeLu". Ladenlokal steht leer Ende 2018 hat mit dem Uhren-, Optik- und Schmuck-Geschäft Wiethüchter an der Hauptstraße 74 ein weiteres Traditionsgeschäft seine Türen geschlossen – nach 127 Jahren. Christiane Petrausch (54) führte es in vierter Generation, ihre Mutter Christel Michler (83) war zuletzt immer noch im Laden. 61 Jahre war die gelernte Uhrmacherin im Betrieb. „Ihr ist es sehr schwer gefallen, aufzuhören", sagt Petrausch. Das Ladenlokal steht leer. Petrausch rechnet nicht damit, jetzt einen Mieter zu finden. „Nicht, bevor der Umbau der Hauptstraße abgeschlossen ist." Karl-Uwe Eggert ist Vorsitzender der Werbe- und Interessengemeinschaft Brackwede. Auch er macht den Bau der Hochbahnsteige für die Situation in Brackwede verantwortlich. Die Kunden würden erwarten, dass sie an der Hauptstraße parken könnten. Wird die Hauptstraße zur Baustelle, ist das nicht mehr möglich. „Wir haben viele Parkplätze rund um die Hauptstraße", sagt er. Ob die Kunden die aber ansteuern werden? Eggert weiß es nicht. Viele orientieren sich Richtung Marktplatz Eggert war lange Jahre Inhaber von „Parfümerie Plassmann". 2016 verkaufte er seine fünf Filialen, unter anderem auch die in Jöllenbeck. Ein Jahr später gab sein Nachfolger dort auf, erzählt er. „Jöllenbeck hat mittlerweile zwei Zentren", sagt er. Den Marktplatz und das neue Zentrum. Das funktioniere nicht. Auch „The Jeans" an der Vilsendorfer Straße 9 in Jöllenbeck gibt es nicht mehr. An der Arndtstraße läuft das Geschäft weiter, und das sehr gut, sagt Chef Oliver Fehse. Aber in Jöllenbeck hätte sich später alles mehr Richtung Marktplatz orientiert. Die Kunden blieben weg. August-Wilhelm (68) und Ulrike Kronsbein (66) schlossen im Januar 2018 ihr Fleischereifachgeschäft an der Amtsstraße 36 in Jöllenbeck. 1896 hatte es der Großvater von August-Wilhelm aufgebaut, ein Geschäft mit Tradition. „Wir hatten keinen Nachfolger", sagt Ulrike Kronsbein. Der Aufschrei in Jöllenbeck war groß. Seit Ende 2018 machen die beiden jetzt wieder jeden letzten Samstag im Monat von 9 bis 13 Uhr auf. „Die ersten Kunden stehen aber schon um 8 vor der Tür." Schwierig für die Kleinen Ulrike Kronsbeim weiß, es ist schwieriger geworden für kleine Händler. „Die Käuferschaft hat sich aufgespaltet in diejenigen, die billig satt werden wollen und diejenigen, die Qualität wünschen." Astrid Brausch, Vorsitzende der Werbegemeinschaft „In Schildesche" macht sich zwar Sorgen, wie sich der Online-Handel weiter auf den stationären Handel in Schildesche auswirken wird. „Wir sind aber stabil aufgestellt", sagt sie. Ähnlich wie in Heepen.

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