Oliven? Im Dengel bedient Denis Obadic (umwelt-)freundlich. - © Kurt Ehmke
Oliven? Im Dengel bedient Denis Obadic (umwelt-)freundlich. | © Kurt Ehmke

Bielefeld Mit Tupperdose im Bielefelder Supermarkt - so reagieren die Verkäufer

Ein Selbstversuch endet überraschend positiv - es ist gar nicht so schwer, ein wenig Müll zu vermeiden

Kurt Ehmke
13.06.2019 | Stand 13.06.2019, 14:46 Uhr

Bielefeld. Ich möchte Müll vermeiden. Wie viele andere Bürger auch. Also achte ich auf möglichst wenig Verpackung. Ich nehme Papiertüten und meide eingeschweißte Gurken. Und ich entferne im Supermarkt die Umverpackungen; ich stopfe sie in die Behälter des Marktes - und denke, damit ein Zeichen zu setzen. Eines, so mein Gefühl, welches gnadenlos verpufft. Also bin ich mal los - mit der Tupperdose in der Hand. Ran an die Frischetheke Zwar macht Essen von der Frischetheke nur einen kleinen Teil des Einkaufs aus, aber besser als nichts. Also: Tupperdose in die Hand, ab in die Supermärkte und auf den Siggi-Markt. Ran an die Theken. Auf dem Siggi ist Elke Laustroer sehr freundlich. Zwei Hühnerbrüste? "Aber gerne." In die Tupperdose? "Na klar." Ich reiche sie rüber, sie will die Brüste auswiegen und dann hineinlegen. Nun gebe ich mich zu erkennen. Für sie kein Problem. "Mir ist das so viel lieber, da entsteht kein Müll und es ist kein großer Aufwand." Aber: Darf sie das? Nun, wenn die Tupperdose hinter den Tresen gelangt, ist es eine Grauzone. "Laut Verordnung müsste ich Ihnen ein Tablett reichen", sagt sie. "Ich mache das aber so, das ist hier für alle in Ordnung." Hinter die Theke dürfte meine Tupperdose nicht. "Das ist doch dösig." Ein Kunde neben ihr nickt, eine andere Kundin murrt: "Wir Deutschen mit all unseren Verordnungen, das ist doch dösig." Und wie: Laustroer gibt an ihren Ständen im Monat 600 bis 700 Euro "nur für die Verpackungen aus". Ich bin überrascht, dass es so einfach ist mit der Tupperdose. Aber, abwarten, jetzt kommen die großen Lebensmittelmärkte. Real - an der Teutoburger Straße. "Einmal Fleischsalat, in die Tupperdose bitte", sage ich. Und werde freundlich angelächelt. "Sehr gerne", sagt die nette Dame, reicht mir ein Tablett über den Tresen, bittet mich, die Tupperdose darauf abzustellen und wiegt dann alles aus, so dass nur der Fleischsalat berechnet wird. "Ganz normal für uns" Ich bin überrascht, gebe mich zu erkennen. "Nein, das ist ganz normal für uns", sagt die Verkäuferin, "das machen wir schon seit etwa einem Jahr so." Kein Problem. Die Kunden nutzten das, sie schätzt "so etwa jeder zehnte". Ähnlich sieht es bei Schenke an der Huberstraße aus. Ich muss hier gar nicht erst zum Test bestellen. Vor André Zahel an der Frischetheke weist ein großes Schild ganz offensiv darauf hin, dass Tupper hier willkommen ist. Das Prinzip ist quasi identisch zum Real - "den Beleg klebt der Kunde dann selbst drauf", sagt er. Bloß keinen Kontakt zum fremden Behälter, so die Maxime. Scheitert der Bio-Markt? Jetzt klappt das so gut, dass es fast ein Hohn wäre, wenn ich im Dengel-Biomarkt an der Teutoburger Probleme bekomme, denke ich. Und was passiert? Der Dengel gibt sich keine Blöße. Im Gegenteil. Denis Obadic ist superfreundlich, er füllt die Oliven in einen Dengel-Behälter, wiegt alles aus - und schüttet dann auf dem Tresen die Oliven in meine Tupperdose um. Also, fast, auch ihn warne ich. Alles nur ein Test. "Das ist bei uns fast normal", sagt er, von den Stammkunden brächte jeder vierte, fünfte ein eigenes Gefäß mit. "Nur rübernehmen darf ich die nicht." Ein Schild an der Frischetheke informiert auch hier. Obadic schmunzelt, sagt: "Manchmal läuft es auch merkwürdig, da will schon einmal ein Kunde einen Blauschimmelkäse mit einem Gouda zusammenlegen - das aber ist nicht gut für den Gouda." Hinweise darauf aber interessierten dann oft nicht so sehr. Tupper kann gesteigert werden So etwas kennt auch Markthändler Oliver Hartkämper. Er lacht, sagt: "Die Steigerung von Tupper sind Baumwolltücher, die mit Bienenwachs beschichtet sind" - auch das gibt es. Gläser werden auch mitgebracht, Jutebeutel auch manchmal - fürs Frische, wohlgemerkt. Ihm ist das letztlich egal, "wenn es aber nicht sauber ist, dann sage ich auch mal nein". Ansonsten finde er den Trend prima, mehr Arbeit habe er dadurch nicht. Es sei eben ein "sehr großes Thema", sagt Hartkämper, und muss dann noch schnell loswerden, wie blöde er die Aldi-Plastiktüten-Nummer für einen Cent findet. "Reines Marketing." Ein glasklares "Nein" Noch einen Markt fahre ich an. Den Marktkauf in Gadderbaum, traditionell in Sachen Bio weit vorne. Und hier werde ich enttäuscht. Es gibt an der Fischtheke, stellvertretend für den gesamten Frischebereich, ein glasklares "Nein". Die Verkäuferin ist freundlich, aber bestimmt. Sie rückversichert sich bei einer Kollegin, die ebenfalls in aller Freundlichkeit das Nein bestätigt. Es gebe ein klares Verbot der Marktleitung. "Wir müssten hier eine Reinigungsanlage für die mitgebrachten Behälter aufbauen - für 15.000 Euro", heißt es. Ohne diese habe die Stadt Bielefeld den Verkauf in mitgebrachte Behälter verboten. Milch zum Selberzapfen? Vorbei. Kleine Randnotiz: Der Marktkauf war vor knapp zwei Jahren der erste gewesen, der Milch zum Selberzapfen - auch in eigene Gefäße - anbot. Zwei Brockhagener Bauern lieferten sie - es gab zwei Automaten. Einer wurde bald wieder abgebaut, der andere wird jetzt Ende Juni abgebaut. Offenbar zu wenig genutzt hatten die Käufer das Angebot. Fazit: Es liegt an uns Fazit: Meine Tupperdose wäre überraschend oft und immer sehr freundlich befüllt worden - zumindest an den meisten Frischetheken liegt es an uns Käufern, Müll zu vermeiden.

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