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Rekonstruktion: Wie dieser kleine Abschnitt dürfte die Wall-Graben-Anlage eines Marschlagers ausgesehen haben. - © LWL/Peter Jülich
Rekonstruktion: Wie dieser kleine Abschnitt dürfte die Wall-Graben-Anlage eines Marschlagers ausgesehen haben. | © LWL/Peter Jülich

Bielefeld Bielefelder können jetzt das Römerlager besichtigen

Eine Archäologin des LWL erklärt Interessierten das Bodendenkmal. Die Fachleute und Wächter des Marschlagers fürchten, dass sich Raubgräber an dem Sensationsfund vergreifen

Susanne Lahr
10.05.2019 | Stand 10.05.2019, 20:31 Uhr

Bielefeld. Für Archäologie- und Römer-Fans gibt es Gelegenheit, den archäologischen Sensationsfund in Bielefeld-Sennestadt  in Augenschein zu nehmen.  Am Samstag und Sonntag, 11. und 12. Mai, bietet Archäologin Bettina Tremmel vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Führungen an (jeweils 11, 13.30 und 15 Uhr). Neben der aktuellen Grabung wird sie die im Gelände noch erkennbaren Wallstrukturen des römischen Marschlagers zeigen, das in Westfalen seinesgleichen sucht. Lager am Computer entdeckt Das Feldzuglager, das vor 2.000 Jahren einst bis zu 25.000 Menschen Platz geboten haben kann, ist im Mai 2017 von einem holländischen Hobbyarchäologen am Computer auf Laserscan-Bildern entdeckt worden. Die von ihm informierten Fachleute des LWL fanden dann ausreichend Indizien, die die Vermutung eines großen römischen Lagers bestätigten. Treffpunkt für alle Interessenten ist der Eingang von Haus Neuland, Senner Hellweg 293. Die Führungen sind kostenlos. „Hermanns Küche" neben der Bildungsstätte Haus Neuland, die direkter Nachbar des römischen Marschlager ist, bietet Mittagstisch und Kuchenbüffet. Um telefonische Vorbestellung wird gebeten, Tel. (0 52 05) 9 12 60 (www.hermanns-kueche.de). Raubgräberei und Landfriedensbruch Nach der Bekanntmachung des Sensationsfundes und mit Blick auf die kommenden Forschungen in Sennestadt treibt die Fachleute  die Sorge um Raubgräber um.  "Das ist nach wie vor ein großes Problem in Ostwestfalen-Lippe",  sagt Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. Er betont daher, dass sich alle, die ohne eine Genehmigung mit Metalldetektoren unterwegs sind, strafbar machen. Und zwar nicht nur wegen Raubgräberei, sondern oftmals auch wegen Landfriedensbruch. Auch in Sennestadt befinden sich die Grundstücke, auf denen das Römerlager gefunden wurde, in privatem Besitz. Illegale Sondengänger machen viel kaputt Durch unsachgemäße Suche und Entnahme von Objekten werde der originale Kontext zerstört, so Spiong. "Dadurch gehen uns wertvolle Informationen verloren. Zum Beispiel wie der Fund ursprünglich in den Boden gelangt ist und wie genau er datiert." Bei der eigenen Suche werden die Archäologen gleichwohl auf die Hilfe von Freiwilligen zurückgreifen, die sich jedoch an feste Auflagen halten müssen. In OWL gebe es mehr als 70 anerkannte Sondengänger, die ihrer gesetzlichen Meldepflicht auch nachkommen. Konzept für touristische Nutzung Auch für die Zukunft denkt der LWL über einer touristische Nutzung des Römerlagers nach, das noch explizit unter Schutz gestellt werden wird. „Wir versuchen ein Konzept aufzustellen, wie man das Ganze visualisieren und erlebbar machen kann", sagt Michael Rind, Chefarchäologe des LWL. Sehr wahrscheinlich sei eine Zusammenarbeit mit dem nahegelegenen Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen.  Aber zunächst müsse dies auch noch mit den diversen Grundstückseigentümern besprochen werden. Stadtranderholung darf weiter stattfinden Nicht von den Römern beeinträchtigt werden sollen die Kinder, die alljährlich an der Bielefelder Stadtranderholung in den Waldgebieten gegenüber von Haus Neuland teilnehmen. Sie sind in all den Jahren unwissentlich durch das Marschlager und über seine Wälle getrappelt und sollen dies auch weiterhin tun dürfen.

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