Bielefeld Schon Vierjährige können Leben retten: Neues Projekt in Bielefeld

Erste Hilfe-Kurs "Pflasterpass" nimmt Kita-Kindern Ängste und zeigt, wie auch die Kleinsten schon in Notsituationen helfen können

Bielefeld. Hilfe! Was soll ich denn jetzt machen? Egal, ob die Oma plötzlich in Ohmacht fällt oder man allein mit dem Freund auf dem Spielplatz ist und sich einer verletzt: Auch schon Kinder im Kindergartenalter können da Erste Hilfe leisten. Wie genau das geht und was in Notsituationen zu tun ist, haben die Schulanfänger der AWO-Kita Theesen jetzt beim "Pflasterpass"-Kurs gelernt. Dafür hat sich ihre Turnhalle in einen Zauberwald verwandelt. Die Fünf- und Sechsjährigen sitzen auf Kissen in Baumscheiben-Optik und verfolgen gebannt die Geschichte vom kleinen Igel, der auf dem Weg zum Tannenzapfen-Weitwurf über eine Wurzel stolpert, sich verletzt und bewusstlos am Boden liegt. Zum Glück hat das die kluge alte Eule gesehen. Sie alarmiert Dachs, Luchs und Eichhörnchen, die schnell herbei geeilt kommen und Erste Hilfe leisten. "Genau das könnt ihr auch", versichert Kursleiterin Juliane Stöve den Kindern. Für Gefahren Zuhause, in der Kita oder unterwegs sensibilisieren Dann zeigt sie ihnen, wie sie eine Wunde vorsichtig mit Wasser säubern und mit einem Pflaster verarzten können. Und auch, dass Desinfektionsspray und Verbände gar nicht schlimm sind - und gar nicht weh tun. Nicht nur davor hätten viele Kinder oft Angst. "Im Notfall sind sie sehr verunsichert, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt und wie sie machen sollen", berichtet Stöve. Ihnen da die Angst zu nehmen, sie sicherer zu machen, für Gefahren Zuhause, in der Kita oder unterwegs zu sensibilisieren, ist ein Ziel des Kurses. Außerdem sollen sie befähigt werden, ihrem Alter entsprechend Erste Hilfe zu leisten: Zum Beispiel auch, indem sie Hilfe holen und die Notrufnummer 112 zu wählen. "Rettungswagen finden viele jüngere Kinder beängstigend", berichtet Stöve, Psychotherapeutin und selbst Mutter dreier Kinder. Wo bringt der die Kinder hin? Dürfen Mama, Papa oder Erzieher mitfahren? Dürfen Kinder denn überhaupt schon die 112 anrufen?, wollen sie wissen. Wie der Luchs in der Geschichte hat auch Stöve ihren Erste Hilfe-Koffer dabei. Dort sind auch Verbände für alle drin. Die legen sich die Kinder unter der fachkundiger Anleitung gegenseitig an. "Damit er sich nicht wieder löst, machen wir am Ende noch eine Zauberschleife rein", erklärt Stöve den Mädchen und Jungen, die begeistert dabei sind und aufmerksam verfolgen, wie die Expertin eine Schlinge bildet und das Ende des Verbands damit behutsam festzieht. Gute Grundlage, ähnlich dem "Seepferdchen" im Schwimmen Auch das Drehen in die stabile Seitenlage lernen die Kinder auf spielerische Art mit vier Zauberwörtern kennen: Kaktus, Knie, Kuscheln und Kopf. "Den Arm wie einen Kaktus hochziehen, das gegenüberliegende Knie anziehen, die Hand unters Kinn kuscheln und dann den Kopf leicht nach hinten nehmen", sagt Stöve und zeigt, wie genau das geht. Am Ende des gut anderthalbstündigen Kurses bekommen die Kinder einen Pflasterpass. Als Zeichen für eine erste erfolgreiche Grundlage, ähnlich dem "Seepferdchen" im Schwimmen. Der und auch ihr neu erlerntes Können macht die kleinen Helfer mächtig stolz. "Auch, dass sie jetzt nicht mehr so hilflos sind, wenn mal etwas passiert, finden Kinder und auch Eltern beruhigend", berichtet Stöve. Darauf lasse sich gut aufbauen. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass schon Kinder ab vier Jahren in der Lage sind, überlebenswichtige Erste Hilfe zu leisten. Das Projekt "Pflasterpass" kommt aus Berlin. Juliane Stöve ist zertifizierte Kursleiterin für Bielefeld und Gütersloh und bietet Pflasterpass-Kurse für Kitas und Grundschulen an. Kontakt: praxis.stoeve@gmail.com, Tel. 0162 2009992.

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