0
Um den Bahnverkehr zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin zu beschleunigen, ist eine neue ICE-Trasse für Tempo 300 zwischen Hannover und Bielefeld in der Planung. - © Sarah Jonek
Um den Bahnverkehr zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin zu beschleunigen, ist eine neue ICE-Trasse für Tempo 300 zwischen Hannover und Bielefeld in der Planung. | © Sarah Jonek

Bielefeld Neue ICE-Trasse für Tempo 300 zwischen Hannover und Bielefeld geplant

Die Deutsche Bahn bevorzugt eine Trassenführung entlang der A2. Damit sind nach Einschätzung von Experten die Pläne für einen ICE-Tunnel durch die Porta Westfalica vom Tisch.

Carolin Nieder-Entgelmeier
18.03.2019 | Stand 18.03.2019, 13:59 Uhr

Bielefeld/Hannover. Zur Beschleunigung des Bahnverkehrs zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin ist eine neue ICE-Trasse für Tempo 300 zwischen Hannover und Bielefeld in der Planung. Bevorzugt werde eine Trassenführung entlang der Autobahn 2, sagt der Bahn-Beauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU). Details zum Trassenverlauf nannte er nicht. Bislang war lediglich ein Ausbau für maximal 230 Kilometer pro Stunde geplant. Dies reicht nach neuen Überlegungen aber nicht aus, um den vom Bundesverkehrsministerium geplanten Deutschlandtakt mit schnellen Anschlüssen in alle Landesteile umzusetzen. „Wir müssen deshalb alle Varianten durchprüfen, die gangbar wären, um zu einer Vorzugsvariante zu kommen", eeklärt Ferlemann. Deswegen werde ein Ausbau der bestehenden Strecke, der wahrscheinlich nicht ausreicht, ebenso geprüft wie ein Neubau entlang des Mittellandkanals, der ebenfalls vorgeschlagen wurde. „Favorit ist derzeit die Autobahnvariante." Experten bewerten die Aussage Ferlemanns als Ende der umstrittenen Pläne für einen Bahn-Tunnel durch die Porta Westfalica. "Anders ist die Zielvorgabe von 30 Minuten zwischen Hannover und Bielefeld nicht zu halten, da der ICE auf der bestehenden Strecke langsamer fahren muss", erklärt Rainer Engel vom Fahrgastverband Pro Bahn in OWL, der auch Teil der Initiative Deutschland-Takt ist. Politiker fordern Streichung der Tunnel-Pläne durch die Porta Westfalica Politiker in OWL fordern nun, dass die Tunnel-Lösung aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 gestrichen wird. "Der ökonomische Nutzen eines Bahn-Tunnels durch die Porta Westfalica ist gering und der Widerstand in der Bevölkerung groß, deshalb wird es Zeit, die Pläne endlich zu streichen", sagt der FDP-Chef in OWL, Frank Schäffler. Auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU in OWL, Tim Ostermann, hofft, dass die Pläne für einen Tunnel nun endgültig vom Tisch sind. "Jetzt muss geprüft werden, ob der Ausbau der bestehenden Bahnstrecke oder der Bau einer neuen ICE-Trasse größere Auswirkungen auf Anwohner und Umwelt haben wird", sagt Ostermann. Dafür will sich auch Schäffler einsetzen: "Wichtig ist, dass ergebnisoffen geprüft wird, welche Variante welche Vorteile bietet." Mit Blick auf steigende Fahrgastzahlen steht Schäffler dem Bau einer neune ICE-Trasse jedoch positiv gegenüber. Derweil setzen sich die heimischen SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze und Achim Post für einen schnellstmöglichen Ausbau der bestehenden Bahntrasse ein. "Herr Ferlemann kommt gefühlt jede Woche mit einem neuen Vorschlag um die Ecke. Das ist in der Sache nicht förderlich", monieren die beiden Abgeordneten in einer gemeinsamen Pressemitteilung. "Laut seiner schriftlichen Aussage uns gegenüber stehen alle im Rahmen des Deutschlandtaktes geplanten Strecken unter dem Vorbehalt einer abschließenden positiven Bewertung einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung." Schwartze und Post empfehlen, die weiteren Prüfungen abzuwarten. Als Vorbild gilt die ICE-Trasse von Berlin nach München Kernziel der neuen Bahntrasse entlang der A2 ist laut Ferlemann die Strecke zwischen Berlin und Köln in vier Stunden zu schaffen. Die Bahn will mit dem Neubau mehr Fahrgäste für die schnelle und ökologische Schiene gewinnen und weniger an den innerdeutschen Flugverkehr abgeben. "Heraus kommt nachher ein Halbstundentakt, das ist doch ein Traum für die Gesamtregion", sagt Ferlemann. Bisher pendelt der ICE stündlich zwischen Köln und Berlin, benötigt dafür aber rund 4 Stunden und 40 Minuten. Als Vorbild nennt Ferlemann die Ende 2017 in Betrieb gegangene neue ICE-Trasse von Berlin nach München. Auf der Verbindung verdoppelte die Bahn im ersten Jahr die Zahl ihrer Fahrgäste und löste das Flugzeug als meistgenutztes Verkehrsmittel ab. Die Fahrzeit sank dank der neuen Strecke von sechs auf vier Stunden in den schnellsten Zügen, den sogenannten Sprintern. Die Pläne für eine neue ICE-Trasse sorgen beim Fahrgastverband Pro Bahn in OWL für Begeisterung. Mit dem Bau einer neuen Strecke wird laut Engel nicht nur der Tunnelbau durch den 235,2 Meter messenden Höhenzug des Wesergebirges vermieden, sondern auch die IC-Linien weiter über Herford, Bad Oeynhausen und Minden geführt. "Ich gehe fest davon aus, dass die drei aufkommenstarke Halte bei einem Neubau bleiben werden." Wegfallen würden nach Einschätzung Engels hingegen die Pläne für den für 2023 geplanten ICE-Halt in Minden auf der Strecke zwischen Düsseldorf und Berlin. Auch Güterzüge könnten die neue Bahntrasse nutzen "Der Bau einer neuen Trasse ist trotzdem die beste Lösung für die Region OWL", ergänzt Engel. "Der Neubau einer Trasse bietet im Gegensatz zu einem Ausbau der bestehenden Strecke völlig neue Möglichkeiten, insbesondere bei der Ausgestaltung von Fahrplänen und der Entspannung von Knotenpunkten." Während die im Personen- und Güterverkehr stark befahrene Strecke vom Ruhrgebiet bis Minden viergleisig ausgebaut ist, gibt es bis Wunstorf bei Hannover ein zweigleisiges Nadelöhr, durch das sich zusätzlich die aus Richtung Niederlande und Osnabrück kommenden Züge drängen. Von einem Neubau würden deshalb laut Engel auch Anwohner in Porta Westfalica profitieren, weil Güterzüge besonders in den Nachtstunden auf die Neubaustrecke und damit an Porta vorbeigeleitet werden könnten. Pläne sollen 2020 mit Kommunen und Bürgern besprochen werden Von der Neubautrasse profitieren sollen laut Ferlemann auch die Züge zwischen Berlin und Amsterdam, die dann deutlich schneller fahren können. Die Niederländer hatten sich kürzlich in Berlin vehement für eine Beschleunigung stark gemacht. Bereits vor dem Bau der neuen ICE-Trasse soll der Wegfall kleinerer Halte in beiden Ländern geprüft werden, erklärt der Bahnbeauftragte. Ab 2023 soll zudem ein neuer beim spanischen Hersteller Talgo georderter Zug auf der Strecke fahren, womit der zeitraubende Lokwechsel an der Grenze wegfällt. „Wir müssen zwischen Hannover und Bielefeld mit 300 km/h fahren, um die Fahrzeit zwischen Hannover und Hamm auf unter eine Stunde zu drücken", so Ferlemann weiter. Dann könnten die großen Knotenbahnhöfe so angefahren werden, dass auch der Umstieg in andere Regionen funktioniert und alle von dem schnellen Zug profitieren. Zwischen Hannover und Hamm ist die Bahn dafür derzeit noch zu langsam, die Fahrzeit beträgt im Moment 1 Stunde und 35 Minuten. Die Planungen für die neue Trasse zwischen Hannover und Bielefeld sollen laut Ferlemann bereits in diesem Jahr so weit vorangetrieben werden, dass im kommenden Jahr bei einem Dialogforum mit Bürgern und Kommunen über eine Vorzugsvariante beraten werden könne. In der Ausbauplanung des Bundes befindet sich die Strecke mit veranschlagten Kosten von knapp 1,9 Milliarden Euro im vordringlichen Bedarf. Bislang war allerdings nur eine Erhöhung auf Tempo 230 geplant, wobei die Frage offen gehalten wurde, ob ein Ausbau der bestehenden Strecke reicht oder eine neue Trasse von Porta Westfalica/Bad Oeynhausen bis vor die Tore Hannovers nötig ist. Mit Material der dpa.

realisiert durch evolver group