Freut sich auf den Teuto: Aaron Gellern ist der erste Bielefelder Ranger. Der Forstwirt soll Ansprechpartner sein und sich um den heimischen Wald kümmern. Er will mit "positiver Ansprache" das Bewusstsein für die Natur schärfen. - © Andreas Zobe
Freut sich auf den Teuto: Aaron Gellern ist der erste Bielefelder Ranger. Der Forstwirt soll Ansprechpartner sein und sich um den heimischen Wald kümmern. Er will mit "positiver Ansprache" das Bewusstsein für die Natur schärfen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Durch Bielefelds Wälder streift jetzt der erste Ranger

Aaron Gellern soll Ansprechpartner im Grün sein, das Bewusstsein für die Natur wecken und bei Konflikten mäßigend einschreiten. Nur im Notfall leitet er ein Ordnungsverfahren ein

Bielefeld. Den Wald lieben die Menschen zu Erholung und Freizeit in der Natur. Doch in der Großstadt nutzen ihn viele, was zunehmend zu Konflikten führt. "Der Ton wird rauer", sagt Forstbetriebsleiter Erhard Oehle. Seit 2012 bemühen sich Förster, Waldbesitzer und Stadt am Runden Tisch um Lösungen. Jetzt starten sie ein für die Großstadt seltenes Pilotprojekt: Ein Ranger betreut den Bielefelder Wald. Aaron Gellern ist Forstwirt und hat schon drei Jahre in der Eifel als Ranger gearbeitet. Der 24-Jährige wird künftig, gut erkennbar am typischen Hut, den Teutoburger Wald durchstreifen. Er soll da nach dem Rechten sehen, Ansprechpartner sein, bei Fehlverhalten von Waldbesuchern das Bewusstsein für die Natur schärfen und im Zweifel Konflikte lösen. "Nicht in Kniebundhose, spröde und didaktisch, sondern mit positiver Ansprache", erklärt Holger-Karsten Raguse, Leiter des Forstamtes OWL. "Ich freue mich auf die Aufgabe, sie wird im Ballungsraum Bielefeld anders als in der Eifel sein. Hier wird man mit mehr Menschen zu tun haben", sagt der Ranger, der seit dem 1. März im Amt ist: "In der Eifel sind wir sehr positiv aufgenommen worden. Bei Verstößen suchen wir das aufklärende Gespräch, meistens mit Erfolg." Nur bei "völlig Unverbesserlichen", die etwa Müll im Wald abladen und ihn nicht wieder einsammeln wollen, werde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Das übernimmt die Behörde. 95 Prozent in der Natur "90 bis 95 Prozent meiner Zeit werde ich draußen sein", sagt Gellern, "vermehrt auch am Wochenende, wenn viele im Wald unterwegs sind." Eine Anlaufstelle wird er in der Grünunterhaltung in Bethel haben. Raguse: "Die Infrastruktur bauen wir gerade auf." Der Druck auf den Wald wird größer. Zuletzt war es die Diskussion um Mountainbiker, die für Konfliktstoff sorgte. Deshalb erhoffen sich Waldbesitzer, Förster und Stadt vom Ranger eine Befriedung im Teutoburger Wald, auch wenn klar ist, dass das bei über 5.000 Hektar für einen schwer leistbar ist. Andreas Krumme, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft hofft auf "Verstärkung". Denn: "Mehr Präsenz würde helfen." Denn die, die den Wald besitzen und betreuen, stellen fest, "dass immer mehr in der Stadt immer weniger mit Natur aufgewachsen sind", so Forstabteilungsleiter Herbert Linnemann. Und bei manchen mangele es an Sensibilität. Krumme erzählt von Erzieherinnen, die rauchend im Wald sitzen und die Kitakinder schreiend toben lassen: "Da fehlt es an Bewusstsein." Streunende Hunde, Reiter auf Abwegen, Müll und abgekippte Gartenabfälle - es sei mehr Rücksichtnahme gefragt. Hälfte des Waldes ist Privatbesitz Raguse und Stadt-Umweltdezernentin Anja Ritschel (Grüne) zeigen sich zufrieden, dass Ämter und Verbände gemeinschaftlich das Pilotprojekt auf den Weg bringen. Gut die Hälfte des Bielefelder Waldes ist in Privatbesitz, der Rest gehört der Stadt. Die Jahreskosten für das Ranger-Projekt schätzt Raguse auf rund 60.000 Euro, rund ein Viertel steuere die Stadt bei. "Es ist ein starkes Signal, mehr für die Schatzkiste Wald zu tun", sagt Raguse: "Es ist eine große Chance, in einem Ballungsraum die Umwelt zu stärken." Egbert Worms vom Umweltamt erinnert daran, dass 1.000 Hektar des Teuto FFH-Gebiet mit vielen bedrohte Tier- und Pflanzenarten seien: "Wir müssen Naturschutz und Naturerbe erhalten." Der Ranger könne helfen, etwa in alten Steinbrüchen Nistmöglichkeiten für Uhus zu schaffen. Der erste Ranger wurde 1880 im Yellowstone-Park in den USA eingesetzt - zum Schutz der Natur.

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