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Bandenkriminalität: Bei den Hells Angels scheint sich mit den "Hellfields" eine neue Gruppe gebildet zu haben. - © Von Erichsen/dpa
Bandenkriminalität: Bei den Hells Angels scheint sich mit den "Hellfields" eine neue Gruppe gebildet zu haben. | © Von Erichsen/dpa

Bielefeld Polizei Bielefeld hält Attacke auf Polizistin monatelang geheim

Einer der Angreifer soll ein Mitglied eines Hells-Angels-Ablegers sein. Die Gruppe wird offenbar in OWL aktiv

Jürgen Mahncke
18.02.2019 | Stand 18.02.2019, 09:48 Uhr

Bielefeld. Eine Streifenpolizistin ist auf ihrem Heimweg von Mitgliedern der Rockergruppe "Hells Angels" angegriffen worden. Bislang wurde dieser Vorfall, der sich bereits im November vergangenen Jahres ereignet hat, von der Bielefelder Polizei unter der Decke gehalten. Selbst der Pressestelle sind die Vorkommnisse bis heute nicht bekannt. Dabei sorgen sie nach Recherche der NW seit Wochen für Gesprächsstoff bei den Beamten. Von einem Auto verfolgt Die attackierte Polizistin hatte vor etwa drei Monaten im Polizeipräsidium an der Kurt-Schumacher-Straße ihren Dienst versehen und sich dann mit ihrem Privatwagen auf den Heimweg gemacht. Bereits auf dem Weg zum Ostwestfalendamm wurde sie von einem Fahrzeug verfolgt. Vermutlich hatten ihr die vier Männer im Auto vor dem Polizeipräsidium aufgelauert. Auf dem OWD wurde dann das Fahrzeug der Beamtin mit verschiedenen Gegenständen beworfen. Außerdem sollen die Bandenmitglieder der Rockergruppe "Hellfield", einem Ableger der Hells Angels, versucht haben, die Frau von der Straße zu drängen. Auf der Autobahn A 33 gelang es der Streifenpolizistin dann mit einer Vollbremsung, die Täter abzuschütteln. Dabei konnte sie einen der Angreifer gut sehen und später als Mitglied der Rockergruppe identifizieren. Bei dem Zwischenfall könnte es sich um einen Racheakt handeln Die ermittelnden Behörden mutmaßen, dass es sich bei dem Angriff auf dem OWD und der A 33 um einen Racheakt handeln könnte. Einen der Angreifer konnte die Polizistin später als Mitglied des "Hells Angels"-Ablegers "Hellfield" identifizieren. Der Klub soll sich erst vor kurzer Zeit in Ostwestfalen gegründet haben. Nach Behördenerkenntnissen soll er von nationalistischen Türken dominiert werden Der erkannte Täter war einige Zeit zuvor bei einer Verkehrskontrolle angehalten worden. Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass gegen ihn ein Haftbefehl vorliege. An diesem Einsatz war auch die jetzt attackierte Streifenpolizistin beteiligt. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft soll inzwischen wegen Nötigung im Straßenverkehr ermitteln. Immer wieder Polizeieinsätze In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Polizeieinsätzen in der Stadt gekommen. Im Fokus standen dabei diverse Gruppierungen der "Hells Angels" und deren Widersacher, ebenso aus dem Rockermilieu. Im Februar 2016 gab es eine blutige Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Gruppierungen. Zwei Männer wurden auf offener Straße durch Messerstiche verletzt, auch Baseballschläger wurden bei dem Angriff eingesetzt. Auf der einen Seite soll es sich um Mitglieder der türkischen "Hells Angels", die "Turkey Nomads" gehandelt haben. Ihnen gegenüber standen Mitglieder der rockerähnlichen Gruppe "United Tribuns". Einige Mitglieder waren der Polizei bereits durch Drogenhandel aufgefallen. Ein SEK-Einsatz am Bahnhof hatte die Rocker 2013 bekannt gemacht. Damals ging es um Erpressung an Diskothekentüren am Bahnhofsboulevard. Ein großes Polizeiaufgebot überwachte im Oktober 2016 das Vereinsheim der Bielefelder "Hells Angels" in Ummeln. Einsatzkräfte wollten Erkenntnisse sammeln, wer von den hiesigen Rockern zur Beerdigung des ermordeten Vereinspräsidenten der "Hells Angels" nach Gießen fährt. Der 45-Jährige war auf dem Gießener Vereinsgelände durch insgesamt 16 Schüsse getötet worden. Im November 2013 hatte sich der mehrfach vorbestrafte Rezan Cakici einen zweifelhaften Namen gemacht. Er galt als Anführer der "Hells Angels Turkey Nomads". Ihm wurden Erpressungsversuche in der Diskoszene am Boulevard vorgeworfen. Außerdem soll er an massiven Drogengeschäften beteiligt gewesen sein: Schließlich wurde er bei den Turkey Nomads rausgeworfen. Seit 2017 gilt Cakici als vermisst, eine Mordkommission der Kripo in Oldenburg sucht den ehemaligen Hells-Angels-Präsident bisher vergeblich. Ein bundesweites Verbot wurde im Sommer 2018 für die Rockergruppe "Osmanen Germania" ausgesprochen. Auch sie war in Ostwestfalen-Lippe tätig und fiel durch Straftaten auf. NRW-Innenminister Herbert Reul berichtete, deren Aktivitäten richteten sich auch gegen die PKK, linksextreme Türken und die Gülen-Bewegung. Mit der Devise "Null Toleranz gegen Rocker" versucht die Polizei, die Szene unter Kontrolle zu halten. Die "Hellfields" scheinen nun in Ostwestfalen für neue Arbeit zu sorgen.

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