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Einfach praktischer: Statt die alte Fahne auf dem Turm auszutauschen, streicht der Ostwestfale sie viel lieber neu an. Das jedenfalls denkt Bildakrobat Merten Kunisch mit seiner ungewöhnlichen Montage. - © Merten Kunisch / Bildakrobat.de
Einfach praktischer: Statt die alte Fahne auf dem Turm auszutauschen, streicht der Ostwestfale sie viel lieber neu an. Das jedenfalls denkt Bildakrobat Merten Kunisch mit seiner ungewöhnlichen Montage. | © Merten Kunisch / Bildakrobat.de

Bielefeld Wow-Effekt: Fotograf legt Sparrenburg um und zerlegt Bielefelder Telekom-Hochhaus

Merten Kunisch hat sich einen Namen damit gemacht, Surreales echt wirken zu lassen. Sein Kreuzfahrtschiff auf dem Lemgoer Marktplatz ging in 40 Ländern viral

Jens Reichenbach
13.02.2019 | Stand 13.02.2019, 16:05 Uhr

Bielefeld. Wer ist der Typ, der einfach unser Telekom-Hochhaus auseinander reißt und den Turm der Sparrenburg umwirft? Eine riesenhafte Hand greift nach dem Antennenturm am Kesselbrink, ein Teil des Gebäudes bricht dabei seitlich ab. Rieseige Teile stürzen herab. Der Urheber dieses Motivs nennt sich nicht umsonst "Bildakrobat". Na klar, das ist eine Fotomontage. Fotograf Merten Kunisch aus Lemgo konnte seinen Fotos nicht immer das zeigen, was er eigentlich gesehen hat. Entsprechend vertiefte er sich in die Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Weil seine Motive oft nachgemacht wurden, suchte er einen Weg, "noch einen oben draufzusetzen" Der Bildakrobat zerstört mit seinen Montagen die Realität, überrascht den Betrachter. "Ich versuche Surreales möglichst echt wirken zu lassen", sagt der 50-Jährige, der vor ein paar Jahren aus Frust über seinen gebrochenen Finger ein Kreuzfahrtschiff mitten auf dem Markplatz in Lemgo montierte. Sparsam und praktisch: Sparrenburg liegt auf der Seite "Dieses Bild ging viral in über 50 Ländern." Onlinemedien aller Herren Länder veröffentlichten das Kreuzfahrtschiff, auch eine Zeitung aus Indien, natürlich Fachmagazine und sogar der Hersteller der Bildbearbeitungsoftware, die Kunisch benutzt. "Seit dem Zeitpunkt ist das ganze ein gewerblicher Selbstläufer", sagt der Lemgoer, der als Kind in Oldentrup lebte. Warum zerreißt man den Goldbeck-Tower? "Das Hochhaus ist sehr prägnant und ragt im wahrsten Sinne des Wortes heraus." Das sei anders bei einem Foto der Altstadt, wo es keinen herausragenden Hingucker gebe. Deshalb hatte sich Kunisch das Kesselbrink-Haus schon lange vorgenommen. "Erst wollte ich es mit einem Reißverschlusss öffnen. Dann habe ich aber doch zerbrochen." Drei bis vier Stunden Arbeit stecke in der Montage. Weniger lang hatte das Umlegen der Sparrenburg gedauert. "Weil der Ostwestfale sparsam und praktisch veranlagt ist, kommt er manchmal zu ganz anderen Herangehensweisen. Das wollte ich mit der Sparrenburg zeigen", erklärt Kunisch. Auf der Montage hat er den Turm der Burg kurzerhand umgelegt, damit jemand die Sparrenfahne neu anstreichen kann. Hermannsdenkmal spaziert durch Lippe Den liegenden Turm habe der 50-Jährige mit einem 3D-Programm nachgebaut. "Weil ich kein Foto der Burg von oben zur Verfügung hatte." Nach zwei bis drei Stunden war die Burg-Montage mit dem Wow-Effekt fertig. Bildakrobat Merten Kunisch hat in Lippe schon einige Motive neu inszeniert - unter anderem ließ er das Hermannsdenkmal durch die Landschaft spazieren. Weitere seiner verrückten Bildideen finden sich auf seiner Homepage.

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