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Bielefeld Bielefelder Kirche lädt 8.000 Menschen zum Essen ein

Gemeinsames Essen: 2020 will der Evangelische Kirchenkreis die Vesperkirche nach Bielefeld holen. Menschen unterschiedlicher Herkunft sollen gemeinsam speisen

Ariane Mönikes
13.02.2019 | Stand 12.02.2019, 21:19 Uhr

Bielefeld. Kirchenbänke raus, Tischdecken rein - die Kirche wird zum Ort, an dem Menschen satt werden sollen. Aber nicht nur: Arme und Reiche sollen sich hier treffen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, das ist die Idee der Vesperkirche. Dafür will der Evangelische Kirchenkreis Bielefeld richtig Geld in die Hand nehmen, von einer sechsstelligen Summe ist die Rede. Superintendent Christian Bald erwartet 8.000 Bielefelder, die zum Essen in die Kirche kommen. Ab 2020 soll es das Angebot in Bielefeld geben. Getragen wird die Vesperkirche vom Evangelischen Kirchenkreis und der Diakonie für Bielefeld. Über zwei oder drei Wochen soll es jeden Tag einen Mittagstisch geben - kostenlos. Wer möchte, darf etwas in den Klingelbeutel werfen. Vesper? Je nach Region und Tageszeit ist das eine Brotzeit, ein kleines Abendessen oder ein Imbiss und in der Liturgie ein Abendgebet. Es geht nicht nur um Nahrungsaufnahme Es gehe aber nicht nur um die Nahrungsaufnahme. "Der Charme der Vesperkirche ist es, soziale Durchlässigkeit zu ermöglichen", sagt Bald. In welcher Gemeinde die Menschen zusammenkommen werden, steht allerdings noch nicht fest. Es werde aber ganz sicher eine Innenstadtgemeinde sein, um mehr Öffentlichkeitswirkung zu erzielen. Sicher ist auch, dass es das Angebot im Januar oder Februar geben wird. "Dann ist es draußen kalt", sagt Bald. Eine Planungsgruppe, der auch Uwe Moggert-Seils, Sprecher des Kirchenkreises, angehört, arbeitet bereits an dem Angebot. Er hat auch die Vesperkirche in Gütersloh, die in diesem Jahr das zweite Mal nach 2018 stattfand, genauer unter die Lupe genommen. Zwei Wochen lang hatten hier täglich etwa 300 Menschen in der Martin-Luther-Kirche gespeist. Moggert-Seils rechnet mit 300 bis 400 Essen, die in Bielefeld täglich ausgegeben werden, größtenteils von Ehrenamtlichen. Ein Caterer wird das Essen kochen. "Wir wollen aber keine Kantinen-Atmosphäre", sagt Bald. "Die Menschen werden bedient." Stuttgart ist Geburtsort der Vesperkirche Auch wenn die Vesperkirche nicht Teil eines Gottesdienstes werden wird - der Kirchenraum ist Kennzeichen jeder Vesperkirche. Moggert-Seils: "Es ist schon klar, wer der Absender ist." Die Menschen würden aber auch eine spirituelle Dimension an diesem Ort erwarten. Eine Bielefelder Abordnung sei bereits in Stuttgart gewesen, dem Geburtsort der Vesperkirche. Diakonie-Pfarrerin Gabriele Ehrmann leitet dort die Vesperkirche. 1995 gab es in Stuttgart die erste dieser Art, sieben Wochen am Stück gibt es in der Leonhardskirche das Angebot: an sieben Tagen die Woche, sieben Stunden am Tag. "Wir räumen dafür die Kirche komplett um", sagt Ehrmann. Die Stuttgarter wollen vor allem den Menschen am Rande der Gesellschaft ein Zuhause auf Zeit bieten. "Es kommen auch andere, bevorzugt aber die, die arm sind."

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