Zu abgelegen, ohne Flair: Den Bahnhof Brackwede halten viele als Standort für Fernbusse ungeeignet. Auch wenn er ab März grundlegend renoviert werden soll. - © Jens Reddeker
Zu abgelegen, ohne Flair: Den Bahnhof Brackwede halten viele als Standort für Fernbusse ungeeignet. Auch wenn er ab März grundlegend renoviert werden soll. | © Jens Reddeker

Bielefeld Fernbusbahnhof aus Brackwede soll in die Bielefelder City umziehen

Stadt soll sich Investition in Brackwede sparen

Bielefeld. Dass die Leineweberstadt im Hinblick auf den Fernbusverkehr "so provinziell ist", schmerzt Cornelia Delius regelrecht. Die Vorsitzende des Verkehrsvereins fordert daher die Bielefelder Politiker auf, ihren vor rund zwei Jahren gefassten einstimmigen Beschluss zu überdenken, den Fernbusbahnhof in Brackwede zu belassen. "Ein Fernbushalt in der Nähe des Hauptbahnhofs wäre eine Win-Win-Situation für Fahrgäste und die Stadt" Die FDP lässt ebenfalls nicht locker, will die Fernbushaltestelle im Stadtzentrum sehen. Der Flixtrain befeuert die Diskussion. Das Unternehmen Flixbus hatte vor kurzem angekündigt, mit seiner Zugsparte Flixtrain Reisende aus Bielefeld nach Berlin und Köln zu bringen. Pro Tag sollen zwei Züge in die Hauptstadt und zwei Züge an den Rhein fahren, sagt Cornelia Delius. Eigentlich habe Flixtrain sein Angebot mit den Fernbussen verbinden wollen, was mit der Haltestelle in Brackwede jedoch nicht funktioniert. "Das kann es doch nicht sein", sagt Delius. Die Vorsitzende fordert, die Politik möge sich nochmals mit dem Nutzungsverhalten von Reisenden, insbesondere Studierenden, Gruppenreisenden und Kulturtouristen beschäftigen: "Ergreifen Sie die Chance, führen Sie Gespräche mit Busbetreibern und Bahn und finden Sie eine optimale Lösung", appelliert sie. Wie ein Umstieg vom Bahnsteig direkt in den Bus - oder umgekehrt - laufen könnte, zeigt sich aktuell während der Brückenbau-Phase in Bielefeld, die den Zugverkehr einschränkt. Täglich steigen mehrere tausend Fahrgäste an der Joseph-Masolle-Straße in Ersatzbusse, ein Dutzende Haltestellen sind dafür angelegt worden. Bahnhofsmanager Martin Nowosad hatte sich im November in der Bezirksvertretung Brackwede deutlich dafür ausgesprochen, dort auch die Fernbushaltestelle anzusiedeln. Vielen Kunden sei das getrennte Modell nicht vermittelbar. Fabian Stenger, Geschäftsführer Flixbus & Flixtrain DACH, hat sich in die gleiche Richtung geäußert. "Ein Fernbushalt in der Nähe des Hauptbahnhofs wäre eine Win-Win-Situation für Fahrgäste und die Stadt gleichermaßen. Erstere könnten von einer wesentlich besseren Anbindung an den ÖPNV sowie den Schienenverkehr profitieren, die Stadt wiederum würde sich den teuren Ausbau der unattraktiv gelegenen Haltestelle in Brackwede sparen." Forderungen, die der Verkehrsverein nachdrücklich unterstützt, denn die aktuelle Haltestelle an der Eisenbahnstraße sei eine "Zumutung". Kurzfristig solle vor allem dafür gesorgt werden, dass die vier Flixzüge direkt mit den Fernbussen verbunden sind. Schon 2015 hatte sich der Verkehrsverein für einen Haltepunkt im Zentrum und dafür ausgesprochen, das Angebot der Deutschen Bahn anzunehmen, die einen entsprechenden Fernbusanschluss errichten und betreiben wollte. Damals habe man den Verkehrsverein vertröstet und auf die Modernisierung des Bahnhofes Brackwede verwiesen. Diese soll nun im Frühjahr beginnen, doch bis die Stadt mit der Umgestaltung des Bahnhofsvorfeldes für den Fernbusbahnhof beginnen kann, werden mindestens zwei weitere Jahre ins Land gehen. Die Liberalen finden es "immer kurioser", dass die Verwaltung und Rot-Grün am Standort Brackwede festhalten. "Bielefeld koppelt sich ab", sagt FDP-Chef Jan Maik Schlifter. Alarmierend sei, dass die Fahrgastzahlen ab Bielefeld trotz mehr als 70 Fahrzielen mit dem Fernbus entgegen dem bundesweiten Trend rückläufig seien.

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