Andrang: Vor dem Stenner-Forum mit der markanten klassizistischen Fassade drängen sich am Eröffnungssonntag die Menschen. Sie alle sind gespannt auf den jungen Bielefelder Künstler und sein Werk, aber auch aufs Museum selbst. - © Dennis Angenendt
Andrang: Vor dem Stenner-Forum mit der markanten klassizistischen Fassade drängen sich am Eröffnungssonntag die Menschen. Sie alle sind gespannt auf den jungen Bielefelder Künstler und sein Werk, aber auch aufs Museum selbst. | © Dennis Angenendt

Bielefeld Bielefelder stehen Schlange für ihr neues Museum

Kunstforum Hermann Stenner in der ehemaligen Handwerkskammer eröffnet

Bielefeld. Das hat es in der Leineweberstadt noch nicht gegeben: die Eröffnung eines neuen Museums, mit einer neuen Ausstellung und einem jungen Bielefelder Künstler im Fokus, seinem beeindruckenden Werk und seinem tragischen endenden Leben: Hermann Stenner, der im Dezember 1914 im Alter von erst 23 Jahren als Soldat in Polen fällt. Vor dem Eingang des „Kunstforums". das seinen Namen trägt, der früheren Handwerkskammer, drängen sich Sonntagnachmittag die Menschen, um den Künstler und das Haus für sich zu entdecken. Ein solch großes Interesse haben sich alle erhofft: Kuratorin Anna Katz, Christiane Heuwinkel, ab 1. April Forums-Geschäftsführerin, Ortwin Goldbeck, der die alte „Villa Weber" für zwölf Millionen Euro gekauft und inklusive eines neuen Anbaus umgestalten ließ, Kunstsammler Hermann-Josef Bunte, dessen Bilder die Basis des Forums bilden, und die vielen anderen mittelbar und unmittelbar Beteiligten. „Wir haben uns einen solchen Andrang erhofft. Aber es ist auch eine große Überraschung und Freude, dass es so eine Begeisterung für das Haus und die Ausstellung gibt", meint die Kuratorin im Foyer, während die Besucher um sie herumströmen. Die werden nur in begrenzter Zahl eingelassen, damit sie genügend Platz und Muße haben, um, so Katz, „das Werk für sich anzuschauen und zu genießen". Ihre Anzahl variiert um 150, das ideale Maß wird noch gesucht. Beim Gang durch die Räume, die mit Zwischenwänden in kleinere Kabinen und Winkel unterteilt worden sind, ist überall spürbar, wie Hermann Stenners Werk auf die Menschen wirkt, sie zum genaueren Hinschauen verführt, zum Nachdenken, zum Staunen. Sehenswert auch für Laien Denn, in der Tat: Was dieser junge Bielefelder in den nur fünf Jahren seines Wirkens, die ihm bis zu seinem Tod vergönnt waren, geschaffen hat, ist überaus sehenswert – auch für diejenigen, die sich eigentlich nicht so sehr für die Kunst begeistern können. Schon bei der internen morgendlichen Ausstellungseröffnung ist der Saal im neu geschaffenen Anbau mit seinen großzügigen Fensterfronten voll: Über 150 geladene Gäste sind gekommen. Und natürlich gibt’s, dem Anlass entsprechend, ein festes Programm mit Reden und Grußworten, das Werner Efing, ehrenamtlicher kaufmännischer Geschäftsführer der gemeinnützigen Betriebsgesellschaft des Kunstforums, „freundlich, aber straff", wie er es selbst formuliert, und gleichzeitig mit viel Humor moderiert. Zu den Rednern gehört auch Europaparlamentarier Elmar Brok, der einmal mehr sein Talent zeigt, kurz und knapp Wesentliches auf einen Nenner zubringen – und auch seine Meinung dazu ganz deutlich zu machen. „Ich glaube, diese Stadt sollte stolz sein auf die Privatleute, die für sie so etwas tun", sagt er, verweist auf das nationale Niveau des neuen Kunsthauses und darauf, dass Politik Kunst nicht bewerten, sondern sie ermögliche solle – und sich „ansonsten da raushalten". Hermann Stenner selbst sei ein Künstler, „der sich in fünf Jahren unfassbar kreativ entwickelt hat – mit wunderbarem Ergebnis". Am Mittwoch geht's weiter Wer es Sonntag nicht geschafft hat, zur Eröffnung in die Obernstraße 48 zu kommen, hat ab Mittwoch, 23. Januar, bis zum 10. Juni Gelegenheit dazu: mittwochs, donnerstags, freitags, 14 bis 18 Uhr; samstags und sonntags, 11 bis 18 Uhr. Infos hier.

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