Unter Dauerüberwachung haben Bielefelder Tierrechtler vor der Schlachtfabrik Tönnies protestiert - und einen Blick in die Schweinetransporter geworfen. - © Bielefeld Animal Save
Unter Dauerüberwachung haben Bielefelder Tierrechtler vor der Schlachtfabrik Tönnies protestiert - und einen Blick in die Schweinetransporter geworfen. | © Bielefeld Animal Save

Bielefeld Bielefelder Tierschützer bei Tönnies-Protest-Aktion dauerüberwacht

30 Aktivisten machen vor der Schlachtfabrik auf die „dramatischen Folgen“ des „höchst destruktiven“ Konsums tierischer Produkte aufmerksam

Bielefeld. Bielefelder Tierrechtler haben am Samstag vor der Schlachtfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück eine zweistündige Mahnwache abgehalten - mit einem mulmigen Gefühl. „Unsere Zukunft steht auf dem Spiel", sagt Daria Meißner, eine der beiden Organisatorinnen. Die Gesellschaft müsse sich wandeln, bevor es das Klima täte: Viele Menschen würden die aufflammende Bewegung der Schulstreiks für die Umwelt begrüßen, doch kaum jemand würde seine von westlicher Dekadenz geprägten Konsumgewohnheiten hinterfragen, erklärt die 20-jährige Bielefelderin. Anlässlich der „Wir haben es satt!"-Demo in Berlin haben die knapp 30 Aktivisten innerhalb einer Solidaritätsveranstaltung der Tierschutzgruppe "Bielefeld Animal Save" vor der Schlachtfabrik Tönnies auf die „dramatischen Folgen" des „höchst destruktiven" Konsums tierischer Produkte aufmerksam gemacht. Unter anderem war auch das Gütersloher Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung präsent. "Nein" zur Ausbeutung von sogenannten Nutztieren „Wir haben es satt!" ist eine Bewegung von Landwirten, Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbänden für eine Agrarwende und das Ende der Massentierhaltung. Die größte Demonstration findet seit 2011 jeden Januar im Rahmen der Grünen Woche in Berlin statt. Bielefeld Animal Save nahm das Event zum Anlass, um auch in OWL eine faire EU-Agrarreform, ökologische Landwirtschaft und ein klares „Nein!" zur Ausbeutung von „zu Nutztieren degradierten Individuen" zu fordern. „Die zahllosen Skandale in der Intensivtierhaltung zeigen, dass progressive Landwirtschaft im Jahre 2019 nur mit Tierrechten funktionieren kann", so Meißner. Gemeinsam mit der 30-jährigen Katharina Frieß hat sie die Bielefelder Ortsgruppe der internationalen Graswurzelbewegung „The Save Movement" gegründet. Wie alle anderen Teilnehmer der Veranstaltung lebt auch Frieß aus Überzeugung vegan: „Wenn wir die Möglichkeit haben, glücklich und gesund zu leben ohne damit anderen Schaden zuzufügen, warum versuchen wir es dann nicht einmal? Vegan leben war nie einfacher." Strafrechtliche Konsequenzen drohen „The Save Movement" orientiert sich an Gandhis friedlichem Protest und verfolgt das Ziel, den Zustand der Tiere zu bezeugen, indem die Tiertransporter auf ihrem Weg zur Schlachtfabrik angehalten werden. Die dabei stattfindende Kommunikation mit den Tieren wird gefilmt, um der breiten Öffentlichkeit den Zusammenhang zwischen dem Fleisch auf dem Teller und dem fühlenden Lebewesen dahinter zu suggerieren. „Seitdem Tönnies letztes Jahr die gesamte Einfahrt privatisiert hat, drohen uns mit dieser Art der Aufklärungsarbeit strafrechtliche Konsequenzen. Daher beschränken wir uns im Fall Tönnies auf regelmäßige Mahnwachen", berichtet Meißner. Die zweistündige Aktion verlief laut Frieß und Meißner im Gesamtbild positiv, harmonisch und motivierend. Viele der passierenden Autofahrer hätten zustimmende Reaktionen auf die Schilder gezeigt. Lediglich die permanente Überwachung der eigens für die Mahnwache beauftragten Tönnies-Security verursachte insbesondere bei neueren Aktivisten ein Gefühl des Unbehagens.

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